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 ZAUBERLAND KARST WEINREBEN LASSEN GRENZEN VERSCHWINDEN
Luigi Veronelli

Besuch in Muggia bei Familie Nicolini und ihren Weinen: Trockenen Muskateller, Malvasia und Piccola Negra

Den Rat Edi Kantes, einem Weinbauern aus dem Karst in Duino Aurisina, und einem alten Reisefhrer folgend, wanderte ich mit einigen Freunde der Via Gmina -parallel zur Kstenstrasse Postumia- entlang. Von Aquileja fhrte unser Weg nach Osten. Nachdem wir den Fluss Timau berquert hatten, wanderten wir auf der Hochebene des Karstes bis nach Basovizza. Nach Castelnovo erreichten wir den Fluss Tarsatica und schlielich die Ortschaft Prosecco. Eine Wanderung, die mir -trotz jedem noch so mhsamen Schritt- ungemeines Vergngen bereitete. Meine volle Aufmerksamkeit galt den Details wie Obst, Gemse, l, Wein, der Handwerks- und Bauernarbeit. Ich war sprachlos vor Bewunderung...

Bei jedem Schritt auf dieser Strae, die eigentlich nur mehr ein Pfad ist, (sie wird aber bald wieder zu einer richtigen Strae werden, auf der nur Fugnger, Pferde und Radfahrer zugelassen sind) begegnete ich der erhabenen Schnheit von Weingrten und Olivenhainen die sich gewaltlos in die natrliche Landschaft hineinfgen. Hier gibt es noch Werte, die auf der stark befahrenen Kstenstrae verloren gegangen sind. Das mittelalterliche Stdtchen Prosecco schtze ich besonders aufgrund seines Weines, eben den Prosecco, besonders. Er ist eine Klasse fr sich und mit denen aus Conegliano und Valdobbiadene nicht zu vergleichen. Da man mich aber in Muggia, nahe Triest erwartete, nahm ich ein Auto mde aber glcklich, wie ein Volkschler nach einer Schularbeit und fuhr zur Familie Nicolini nach Muggia. Vater Livio, Sohn Giorgio, Enkel Eugenio, Giorgios Frau Rosanna und Gromutter Alba erwarteten mich ja bereits. Die Familie besitzt in diesem schwierig zu bebauenden Gebiet ein Haus mit Gemse- und Weingrten.

Hier bin ich nun. Zu meiner Rechten Triest, vor mir das Meer, links in Terrassen ein Land, das keine Nation mehr ist, mit seiner Geschichte und seinem Charakter. Ich sehe keine Grenzen da es sie auch gar nicht gibt. Ich wundere mich, warum die Mtter und Vter dieser Lnder nie das allgemeine Interesse, die allgemeine Aufmerksamkeit fr sich beansprucht haben. Sie sind weltweit ein Beispiel fr den Idealismus der Zukunft. Ich bin weit gegangen- zu weit fr mein Alter -und habe doch nichts gesehen, was die Teilung dieses Gebietes erklhren knnte. Vielleicht finde ich deshalb Grenzen so absurd. Ich habe nicht einmal bemerkt, dass ich die Grenze berschritten habe und nun in Slowenien bin. Hier haben sowohl Meschen als auch Ksten feste Wurzeln. Es kommt niemanden in den Sinn die traditionelle Gastlichkeit zu unterbrechen und das Land belohnt diesen Wesenszug. Auf ihm gedeihen Trauben fr wundervolle Weine, wie der Istrianische Malvasia, dessen Harmonie zwischen Nase, Mund und Gaumen vollkommen ist; der trockene Muskateller, bei dem sich der Geschmack der Brombeere auf seltsame Weise mit dem von Mais vermischt; der Piccola Negra, ein Wein den der junge Eugenio aus unbekannten und elementaren Trauben gewinnt; der Refosco, bei dem man die Gerche des Karstes sowie auch der Borgogne sphren kann. Auch die Destillate werden nach einem alten Rezept aus der Habsburger Zeit hergestellt. Sie werden direkt ber dem Feuer gebrannt und bestehen aus Muskateller- und anderen Traubensorten. Diese Destillate lassen alle modern erzeugten vor Neid erblassen. Es ist ein einmaliges Erlebnis: keine Grenze ist in Sicht und vor mir breiten sich die glorreichen Lnder sterreich, Slowenien und Kroatien aus.


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