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Duineser Elegien
By Rainer Maria Rilke |
The
Duino Elegies
Translation by Robert Hunter |
Die erste
Elegie
Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn aus
der Engel
Ordnungen? und gesetzt selbst, es nähme
einer mich plötzlich ans Herz: ich verginge von seinem
stärkeren Dasein. Denn das Schöne ist nichts
als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen,
und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht,
uns zu zerstören. Ein jeder Engel ist schrecklich. |
First Elegy
Who, though I cry aloud,
would hear me in the angel orders?
And should my plea ascend,
were I gathered to the glory
of some incandescent heart,
my own faint flame of being
would fail for the glare.
Beauty is as close to terror
as we can well endure.
Angels would not condescend
to damn our meagre souls.
That is why they awe
and why they terrify us so.
Every angel is terrible! |
|
Und
so verhalt ich mich denn und verschlucke den Lockruf
dunkelen Schluchzens. Ach, wen vermögen
wir denn zu brauchen? Engel nicht, Menschen nicht,
und die findigen Tiere merken es schon,
daß wir nicht sehr verläßlich zu Haus sind
in der gedeuteten Welt. Es bleibt uns vielleicht
irgend ein Baum an dem Abhang, daß wir ihn täglich
wiedersähen; es bleibt uns die Straße von gestern
und das verzogene Treusein einer Gewohnheit,
der es bei uns gefiel, und so blieb sie und ging nicht. |
And so I constrain myself and
swallow the deep, dark music
of my own impassioned plea.
Oh, to whom can we turn
in the hour of need?
Neither angel nor man.
Even animals know that we
are not at home here.
We see so little of what
is clearly visible to them.
For us there is only
a tree on a hillside,
which we can memorize, or
yesterday's sidewalks, or
a habit which discovered us,
found us comfortable and moved in.
|
O
und die Nacht, die Nacht, wenn der Wind voller Weltraum
uns am Angesicht zehrt
,
wem bliebe sie nicht, die ersehnte,
sanft enttäuschende, welche dem einzelnen Herzen
mühsam bevorsteht. Ist sie den Liebenden leichter?
Ach, sie verdecken sich nur mit einander ihr Los.
Weißt du's noch nicht? Wirf aus den Armen die Leere
zu den Räumen hinzu, die wir atmen; vielleicht daß die Vögel
die erweiterte Luft fühlen mit innigerm Flug. |
O and night...the night!
Wind of the infinite
blowing away all faces.
Within our solitude appears
a nearly lovely god
or goddess, all the
heart is ever apt to meet.
Lovers fare no better,
concealing, by their love,
each other's destiny.
Do you still not understand?
Pour your emptiness
into the breeze -
the birds may soar
more swiftly for it. |
|
Ja, die Frühlinge brauchten dich wohl. Es
muteten manche
Sterne dir zu, daß du sie spürtest. Es hob
sich eine Woge heran im Vergangenen, oder
da du vorüberkamst am geöffneten Fenster,
gab eine Geige sich hin. Das alles war Auftrag.
Aber bewältigtest du's? Warst du nicht immer
noch von Erwartung zerstreut, als kündigte alles
eine Geliebte dir an? (Wo willst du sie bergen,
da doch die großen fremden Gedanken bei dir
aus und ein gehn und öfters bleiben bei Nacht.)
Sehnt es dich aber, so singe die Liebenden; lange
noch nicht unsterblich genug ist ihr berühmtes Gefühl.
Jene, du neidest sie fast, Verlassenen, die du
so viel liebender fandst als die Gestillten. Beginn
immer von neuem die nie zu erreichende Preisung;
denk: es erhält sich der Held, selbst der Untergang war ihm
nur ein Vorwand, zu sein: seine letzte Geburt.
Aber die Liebenden nimmt die erschöpfte Natur
in sich zurück, als wären nicht zweimal die Kräfte,
dieses zu leisten. Hast du der Gaspara Stampa
denn genügend gedacht, daß irgend ein Mädchen,
dem der Geliebte entging, am gesteigerten Beispiel
dieser Liebenden fühlt: daß ich würde wie sie?
Sollen nicht endlich uns diese ältesten Schmerzen
fruchtbarer werden? Ist es nicht Zeit, daß wir liebend
uns vom Geliebten befrein und es bebend bestehn:
wie der Pfeil die Sehne besteht, um gesammelt im Absprung
mehr zu sein als er selbst. Denn Bleiben ist nirgends. |
Yes, springtime needed you!
The very stars, row on row,
sparkled for your attention.
From bygone days a wave rolled
or a violin yielded itself as you
wandered by some open window.
These were your instructions.
But what could you do-
distracted, as you were,
by all of that significance?-
as though each signpost
pointed on beyond itself
towards something higher yet:
a mere prelude to The Beloved!
(Where would you find room to
keep such a one, in amongst
those vast, weird thoughts,
always coming and going,
often spending the night?)
Sing, in your lovelorn
longing, of the losers.
Make their dark fame glisten.
Sing of those whom you are
nearly moved to envy in the
purity of their despair:
hearts more loving in their pain
than many never broken.
Sing again-and yet again-
your altogether insufficient
praise of them.
The hero lives!
His ruin is but a pretext
to be born again.
Depleted Nature calls her lovers
back into her bosom, as though
she had not strength to fashion them anew.
Have you yet sung the bold grief
of Gaspara Stampa so poignently
that another girl, likewise spurned in love,
might be moved to similar transcending passion?
Is it not time these ancient seeds of pain
put forth a flower?...time that, lovingly,
we free ourselves from lovers?...
time we fit ourselves, quivering
like an arrow to its bowstring,
enduring tension with the prospect
of flight exceeding the limits of
the feathered shaft, the string,
the very bow which looses it?
Nowhere may we remain. |
|
Stimmen, Stimmen. Höre, mein Herz, wie
sonst nur
Heilige hörten: daß sie der riesige Ruf
aufhob vom Boden; sie aber knieten,
Unmögliche, weiter und achtetens nicht:
So waren sie hörend. Nicht, daß du Gottes ertrügest
die Stimme, bei weitem. Aber das Wehende höre,
die ununterbrochene Nachricht, die aus Stille sich bildet.
Es rauscht jetzt von jenen jungen Toten zu dir.
Wo immer du eintratst, redete nicht in Kirchen
zu Rom und Neapel ruhig ihr Schicksal dich an?
Oder es trug eine Inschrift sich erhaben dir auf,
wie neulich die Tafel in Santa Maria Formosa.
Was sie mir wollen? leise soll ich des Unrechts
Anschein abtun, der ihrer Geister
reine Bewegung manchmal ein wenig behindert. |
Voices, Voices!
Hear, my heart,
as only the holy hear,
lifted from Earth by
celestial command but
taking no notice, so
perfect is their listening.
You could not bear to hear
the voice of God.
Not that, no...
but perhaps attend
the ceaseless murmer of
silence: the vespers
of the untimely dead,
borne upon the wind...
the whispers of the
children who haunted
that cathedral in Naples-
the church in Rome...
the injunction discovered
on a tombstone last year at
Santa Maria Formosa.
All they ask:
"Weep no more for us!
Your tears muddy the
path of our ascent." |
Freilich ist es seltsam, die Erde nicht
mehr zu bewohnen,
kaum erlernte Gebräuche nicht mehr zu üben,
Rosen, und andern eigens versprechenden Dingen
nicht die Bedeutung menschlicher Zukunft zu geben;
das, was man war in unendlich ängstlichen Händen,
nicht mehr zu sein, und selbst den eigenen Namen
wegzulassen wie ein zerbrochenes Spielzeug.
Seltsam, die Wünsche nicht weiterzuwünschen. Seltsam,
alles, was sich bezog, so lose im Raume
flattern zu sehen. Und das Totsein ist mühsam
und voller Nachholn, daß man allmählich ein wenig
Ewigkeit spürt.
Aber Lebendige machen
alle den Fehler, daß sie zu stark unterscheiden.
Engel (sagt man) wüßten oft nicht, ob sie unter
Lebenden gehn oder Toten. Die ewige Strömung
reißt durch beide Bereiche alle Alter
immer mit sich und übertönt sie in beiden. |
Strange to be no more of Earth.
To quit half learned habits.
To view roses and their kind
no more in human terms.
To be no more a babe in arms
that ever fear to drop you.
To leave the name you are
known by like a child leaves
a broken toy.
Strange to desire nothing.
Strange to watch the
known world dissolve.
Death is very difficult.
Lost time is painfully
reconstructed until the
struggle yields some
slight glimmer of eternity.
The living are mistaken
in their distinctions-
angels often do not know
whether they walk among
the quick or the dead.
So 'tis said.
The storm of eternity roars;
all voices drown in its thunder. |
|
Schließlich brauchen sie uns nicht mehr,
die Früheentrückten,
man entwöhnt sich des Irdischen sanft, wie man den Brüsten
milde der Mutter entwächst. Aber wir, die so große
Geheimnisse brauchen, denen aus Trauer so oft
seliger Fortschritt entspringt
:
könnten wir sein ohne sie?
Ist die Sage umsonst, daß einst in der Klage um Linos
wagende erste Musik dürre Erstarrung durchdrang;
daß erst im erschrockenen Raum, dem ein beinah göttlicher Jüngling
plötzlich für immer enttrat, das Leere in jene
Schwingung geriet, die uns jetzt hinreißt und tröstet und hilft. |
Children who have gone do not require us.
Weaned, they need no mother's breast.
Our joys and sorrows don't concern them.
But we, for whom the mysteries are golden,
still unsolved, our very sustenance-
can we exist without them?
Grief is our spirit's fodder.
Remember the Lament for Linos: how
the first shaft of song shot through
barren air carving a sudden vacuum
in the astonished space where
godlike youth forever vanished,
leaving only a melody, which is
our sole comfort and enchantment. |
Die
zweite Elegie
Jeder Engel ist schrecklich. Und dennoch,
weh mir,
ansing ich euch, fast tödliche Vögel der Seele,
wissend um euch. Wohin sind die Tage Tobiae,
da der Strahlendsten einer stand an der einfachen Haustür,
zur Reise ein wenig verkleidet und schon nicht mehr furchtbar;
(Jüngling dem Jüngling, wie er neugierig hinaussah).
Träte der Erzengel jetzt, der gefährliche, hinter den Sternen
eines Schrittes nur nieder und herwärts: hochauf-
schlagend erschlüg uns das eigene Herz. Wer seid ihr? |
Second Elegy
Every angel is terrible.
Knowing this, I invoke thee,
O Deadly Birds of the Soul.
Gone are the days of Tobias,
when shining Raphael,
awful majesty disguised,
stood at a door, twin
to the youth who gazed
out, curious, upon him.
Should such an archangel
now descend a single step
from behind the stars,
our hearts would rise and
rage until they burst!
Who art thou? |
Frühe Gcglückte, ihr Verwöhnten der
Schöpfung,
Höhenzüge, morgenrötliche Grate
aller Erschaffung,
Pollen der blühenden Gottheit,
Gelenke des Lichtes, Gänge, Treppen, Throne,
Räume aus Wesen, Schilde aus Wonne, Tumulte
stürmisch entzückten Gefühls und plötzlich, einzeln,
Spiegel: die die entströmte eigene Schönheit
wiederschöpfen zurück in das eigene Antlitz. |
Primordial Perfection!
First darlings of Creation:
mountain summits crimson
in the dawn of genesis -
pollen of Godhead in
resplendent blossom,
essence of light...
halls, stairs, thrones,
places of pure being,
shields shaped of ecstasy,
swirling storms of rapture-
all suddenly ceasing...
mirrors!...commanding all
the scattered sweetness
into themselves again. |
|
Denn wir, wo wir fühlen, verflüchtigen;
ach wir
atmen uns aus und dahin; von Holzglut zu Holzglut
geben wir schwächern Geruch. Da sagt uns wohl einer:
ja, du gehst mir ins Blut, dieses Zimmer, der Frühling
füllt sich mit dir ... Was hilfts, er kann uns nicht halten,
wir schwinden in ihm und um ihn. Und jene, die schön sind,
o wer hält sie zurück? Unaufhörlich steht Anschein
auf in ihrem Gesicht und geht fort. Wie Tau von dem Frühgras
hebt sich das Unsre von uns, wie die Hitze von einem
heißen Gericht. O Lächeln, wohin? O Aufschaun:
neue, warme, entgehende Welle des Herzens ;
weh mir: wir sind s doch. Schmeckt denn der Weltraum,
in den wir uns lösen, nach uns? Fangen die Engel
wirklich nur Ihriges auf, ihnen Entströmtes,
oder ist manchmal, wie aus Versehen, ein wenig
unseres Wesens dabei? Sind wir in ihre
Züge soviel nur gemischt wie das Vage in die Gesichter
schwangerer Frauen? Sie merken es nicht in dem Wirbel
ihrer Rückkehr zu sich. (Wie sollten sie's merken.) |
When we
feel, we do not recoup but
blow until we empty, fading like embers
or trace of perfume, bit by bit.
Should someone say:
"You are the sweet
spring air I breathe,
my heart's own blood!"...
what can it mean?
Contain us? They? No!
We slip in, out and
round them like wind.
And the beautiful...
Who can hold them?
Fairness pours from their faces
and...gone!-morning
dew in rising sun...
our essence dissipates
like steam from a kettle.
O smile, where do you run,
eyes turned to the sky...
new, warm, receding wave
of the heart's own sea?
O sorrow:
all these things are what we are.
Is there any taste of us in that
eternity into which we merge?
Do angels reclaim only perfect light,
or does some hint of what we were remain?
Do our faces linger, if only in that
slight way a mother's face reflects
her unborn child?
They cannot see it in their swirling
return to self! (How could they see it?) |
|
Liebende könnten, verstünden sie's, in
der Nachtluft
wunderlich reden. Denn es scheint, daß uns alles
verheimlicht. Siehe, die Bäume sind; die Häuser,
die wir bewohnen, bestehn noch. Wir nur
ziehen allem vorbei wie ein luftiger Austausch.
Und alles ist einig, uns zu verschweigen, halb als
Schande vielleicht und halb als unsägliche Hoffnung. |
Lovers, had they the time, could
recite words of wonder to the night.
But most things end by concealing us.
Look: trees are!
Our shelters endure.
But we, like mingled winds,
claim no single habitat.
All things conspire to
keep us secret-half,
it seems, from shame
and half in token of
some unspoken hope. |
Liebende,
euch, ihr in einander Genügten,
frag ich nach uns. Ihr greift euch. Habt ihr Beweise?
Seht, mir geschiehts, daß meine Hände einander
inne werden oder daß mein gebrauchtes
Gesicht in ihnen sich schont. Das giebt mir ein wenig
Empfindung. Doch wer wagte darum schon zu sein?
Ihr aber, die ihr im Entzücken des anderen
zunehmt, bis er euch überwältigt
anfleht: nicht mehr ;
die ihr unter den Händen
euch reichlicher werdet wie Traubenjahre;
die ihr manchmal vergeht, nur weil der andre
ganz überhand nimmt: euch frag ich nach uns. Ich weiß,
ihr berührt euch so selig, weil die Liebkosung verhält,
weil die Stelle nicht schwindet, die ihr, Zärtliche,
zudeckt; weil ihr darunter das reine
Dauern verspürt. So versprecht ihr euch Ewigkeit fast
von der Umarmung. Und doch, wenn ihr der ersten
Blicke Schrecken besteht und die Sehnsucht am Fenster,
und den ersten gemeinsamen Gang, ein Mal durch den Garten:
Liebende, seid ihrs dann noch? Wenn ihr einer dem andern
euch an den Mund hebt und ansetzt
:
Getränk an Getränk:
o wie entgeht dann der Trinkende seltsam der Handlung. |
O Lovers, completed in
one another, I turn
to you to ask of us.
Is there certainty in your embraces?
Look at it this way...
my hands sometimes recognize each other
and offer sanctuary to my weary face.
This yields some slight sensation.
But what proof of existence is that?
You who fan the fires of one another's
passion till, overcome, you cry
"No more!"-who, beneath lover's hands,
swell like purple grapes at harvest;
who subside, that the other may
more completely come to be:
I ask you about us.
I know the blessed touch
abides with you-that what
love cherishes does not decay;
immortality oozes from those caresses-
a promise, almost, of eternity.
And yet, when you've weathered
the shy fear of first glances,
the sighs of longing at the window,
the first-never again that first-
garden promenade together:
O lovers, are you then as you were?
When you raise the glasses
of each other's lips to drink,
thirst to thirst,
where does the drinker vanish? |
|
Erstaunte euch nicht auf attischcn Stelen
die Vorsicht
menschlicher Geste? war nicht Liebe und Abschied
so leicht auf die Schultern gelegt, als wär es aus anderm
Stoffe gemacht als bei uns? Gedenkt euch der Hände,
wie sie drucklos beruhen, obwohl in den Torsen die Kraft steht.
Diese Beherrschten wußten damit: so weit sind wirs,
dieses ist unser, uns so zu berühren; stärker
stemmen die Götter uns an. Doch dies ist Sache der Götter. |
Were you not awed by
the easy attitudes of
Grecian graveyard statuary?
Did not love and farewell
sit lightly on their shoulders,
as though compounded of an
essence unknown to us?
Remember how the hands
rested without pressure
despite apparent strength?
Their very poses seem to say:
"It is given us to touch this way.
If the gods press us harder...
that is for the gods to say." |
|
Fänden auch wir ein reines, verhaltenes,
schmales
Menschliches, einen unseren Streifen Fruchtlands
zwischen Strom und Gestein. Denn das eigene Herz übersteigt uns
noch immer wie jene. Und wir können ihm nicht mehr
nachschaun in Bilder, die es besänftigen, noch in
göttliche Körper, in denen es größer sich mäßigt. |
If only we could discover such a
singular human place - pure, determined, self-contained, our own
fruitful soil between the river and the stone! But our hearts outrun us.
We cannot capture their essence by lingering before consoling statuary,
nor by contemplation of those godlike forms containing all for which we
yearn in monumental measure. |
Die
dritte Elegie
Eines ist, die Geliebte zu singen. Ein
andcres, wehe,
jenen verborgenen schuldigen Fluß-Gott des Bluts.
Den sie von weitem erkennt, ihren Jüngling, was weiß er
selbst von dem Herren der Lust, der aus dem Einsamen oft,
ehe das Mädchen noch linderte, oft auch als wäre sie nicht,
ach, von welchem Unkenntlichen triefend, das Gotthaupt
aufhob, aufrufend die Nacht zu unendlichem Aufruhr.
O des Blutes Neptun, o sein furchtbarer Dreizack.
O der dunkele Wind seiner Brust aus gewundener Muschel.
Horch, wie die Nacht sich muldet und höhlt. Ihr Sterne,
stammt nicht von euch des Liebenden Lust zu dem Antlitz
seiner Geliebten? Hat er die innige Einsicht
in ihr reines Gesicht nicht aus dem reinen Gestirn? |
Third Elegy
To
rhapsodize the beloved is one thing.
It is another, alas, to call forth
the shameless River God of the blood
from his hidden places.
What does her young lover,
face dissolving in the distance,
know of the Lord of Lust
who erects himself, despite
her attempted soothing,
from the depths of solitude,
godhead adrip with unknown essences,
blind at times to her very existence,
rousing night to a continuous riot?
O, blood's Neptune, O terrible trident,
O, dark wind of his breast
sounding the spiral conch!
Listen to the night's hollow ring.
Is it not, O stars, from you
that the lover's lust for his
beloved's face comes streaming?
Is not the substance of his
secret vision of her purest
inner being drawn from your
virgin constellations? |
|
Du nicht hast ihm, wehe, nicht seine Mutter
hat ihm die Bogen der Braun so zur Erwartung gespannt.
Nicht an dir, ihn fühlendes Mädchen, an dir nicht
bog seine Lippe sich zum fruchtbarern Ausdruck.
Meinst du wirklich, ihn hätte dein leichter Auftritt
also erschüttert, du, die wandelt wie Frühwind?
Zwar du erschrakst ihm das Herz; doch ältere Schrecken
stürzten in ihn bei dem berührenden Anstoß.
Ruf ihn ... du rufst ihn nicht ganz aus dunkelem Umgang. |
You are not the one, alas, nor
was it his mother, who lent that
arch of expectation to his brow.
Not from you, attentive girl,
nor from your kiss, did his lips
achieve a more fruitful curve.
Do you expect your gentle step
to shake the ground he stands upon,
you who waft like morning breezes?
It is true you startled his heart
but terrors more ancient rocked him,
awakened by your touch.
|
|
Freilich, er will, er entspringt;
erleichtert gewöhnt er
sich in dein heimliches Herz und nimmt und bcginnt sich.
Aber begann er sich je?
Mutter, du machtest ihn klein, du warsts, die ihn anfing;
dir war er neu, du beugtest über die neuen
Augen die freundliche Welt und wehrtest der fremden.
Wo, ach, hin sind die Jahre, da du ihm einfach
mit der schlanken Gestalt wallendes Chaos vertratst?
Vieles verbargst du ihm so; das nächtlich-verdächtige Zimmer
machtest du harmlos, aus deinem Herzen voll Zuflucht
mischtest du menschlichern Raum seinem Nacht-Raum hinzu.
Nicht in die Finsternis, nein, in dein näheres Dasein
hast du das Nachtlicht gestellt, und es schien wie aus Freundschaft.
Nirgends ein Knistern, das du nicht lächelnd erklärtest,
so als wüßtest du längst, wann sich die Diele benimmt ...
Und er horchte und linderte sich. So vieles vermochte
zärtlich dein Aufstehn; hinter den Schrank trat
hoch im Mantel sein Schicksal, und in die Falten des Vorhangs
paßte, die leicht sich verschob, seine unruhige Zukunft. |
Call as you will, you cannot free him
from those dark companions,
though he himself desires escape.
Succeeding, he throws off their weight
and settles in the bower of your heart.
Discovering the seed of himself within you,
he begins to manifest his individual being.
But does he ever actually begin?
Mother, you made him small.
In you was his beginning.
To you was he new
and above the new eyes
you spread the friendly world,
barring disturbing strangeness.
Ah! Where are the years fled
when your slender silhouette
was all he needed to obliterate
the impending waves of chaos?
You made it all all-right,
hid true darknesses and lighted,
with the sweetness of your heart,
the suspicious corners of his room;
rendered them harmless,
mixing human breath into
their chill, alien wind.
His nightlamp was your presence,
not the candle in the darkness,
but the glow of friendly love.
You explained each creak with a smile
which implicitly stated foreknowledge
that the alloted time for the
floorboard to assert itself had come.
He believed you and was soothed.
All this your presence,
at his bidding, settled.
His tall, cloaked shadow of a fate
slipped back into the closet,
for the moment foiled-
or mingled with the
ripples of his curtains. |
Und
er selbst, wie er lag, der Erleichterte, unter
schläfernden Lidern deiner leichten Gestaltung
Süße lösend in den gekosteten Vorschlaf
:
schien ein Gehüteter... Aber innen: wer wehrte,
hinderte innen in ihm die Fluten der Herkunft?
Ach, da war keine Vorsicht im Schlafenden; schlafend,
aber träumend, aber in Fiebern: wie er sich ein-ließ.
Er, der Neue, Scheuende, wie er verstrickt war,
mit des innern Geschehns weiterschlagenden Ranken
schon zu Mustern verschlungen, zu würgendem Wachstum, zu tierhaft
jagenden Formen. Wie er sich hingab
.
Liebte.
Liebte sein Inneres, seines Inneren Wildnis,
diesen Urwald in ihm, auf dessen stummem Gestürztsein
lichtgrün sein Herz stand. Liebte. Verließ es, ging die
eigenen Wurzeln hinaus in gewaltigen Ursprung,
wo seine kleine Geburt schon überlebt war. Liebend
stieg er hinab in das ältere Blut, in die Schluchten,
wo das Furchtbare lag, noch satt von den Vätern. Und jedes
Schreckliche kannte ihn, blinzelte, war wie verständigt.
Ja, das Entsetzliche lächelte ... Selten
hast du so zärtlich gelächelt, Mutter. Wie sollte
er es nicht lieben, da es ihm lächelte. Vor dir
hat ers geliebt, denn, da du ihn trugst schon,
war es im Wasser gelöst, das den Keimenden leicht macht. |
Lying there rescued - as your
sweet defending presence
drowsily dissolved
into gentle sleep -
he seemed so secure, yet
who could truly contain
the internal floods of
his fearsome origin?
There were no doubts
in this sweet dreamer...
but in nightmare or in fever:
another matter!
How this new sprout grew,
entangled with the roots
of olden things;
with strangling vines among
prowling ancient predators!
He was the born lover of this
internal primeval wilderness.
Among the rotting trunks of
deposed giants, his heart sprouted
green as the spring and loving.
Loving, he left, descending through
the shoots of his own roots, on out...
out where the grand source of his
little birth already lay outmoded.
Loving, still, he waded into the
depths of vast arroyos flowing
with the blood of his fathers;
where every cohort terror
lay winking in complicity. Yes,
the face of horror smiled upon him.
Seldom, O Mother, have you,
yourself, so sweetly smiled.
What smiled at him, he loved-
how could he help it?
He loved it before he ever knew you-
it was part and portion of your
embryonic waters, upon which he floated. |
Siehe,
wir lieben nicht, wie die Blumen, aus einem
einzigen Jahr; uns steigt, wo wir lieben,
unvordenklicher Saft in die Arme. O Mädchen,
dies: daß wir liebten in uns, nicht Eines, ein
Künftiges, sondern
das zahllos Brauende; nicht ein einzelnes Kind,
sondern die Väter, die wie Trümmer Gebirgs
uns im Grunde beruhn; sondern das trockene Flußbett
einstiger Mütter ;
sondern die ganze
lautlose Landschaft unter dem wolkigen oder
reinen Verhängnis
:
dies kam dir, Mädchen, zuvor. |
Observe: a season does not contain
our whole lifetime, as with a lilac.
When we love, a slower sap,
thicker than centuries,
courses through our embrace.
O my love, consider: the child
we would fain conceive was never
an individual but a multitude,
the personification of the fathers
lying in our depths like mountains
leveled to the lowest summits; like
the barren riverbeds of mothers past-
the entire soundless panorama,
whether cloudy or clear,
of mutual destiny.
Before you,
sweet lover,
this was... |
|
Und du selber, was weißt du -, du
locktest
Vorzeit empor in dem Liebenden. Welche Gefühle
wühlten herauf aus entwandelten Wesen. Welche
Frauen haßten dich da. Wasfür finstere Männer
regtest du auf im Geäder des Jünglings? Tote
Kinder wollten zu dir ... O leise, leise,
tu ein liebes vor ihm, ein verläßliches Tagwerk,
führ ihn
nah an den Garten heran, gieb ihm der Nächte
Übergewicht ......
Verhalt
ihn ...... |
And you, yourself, are you
able to know anything of
the eternal darkness which
you stirred in your lover?
How much of his forefathers'
being claimed him?
What women, coveting him,
despised you?
What dark jealousy of
unknown lovers have you
awakened in his veins?
Dead children reach out to you...
Ever so gently, perform with love
some ordinary task before him.
Lead him to the margin of the garden.
Show him the counterweight of darkness.....
Stop him..... |
Die
vierte Elegie
O Bäume Lebens, o wann winterlich?
Wir sind nicht einig. Sind nicht wie die Zug-
vögel verständigt. Überholt und spät,
so drängen wir uns plötzlich Winden auf
und fallen ein auf teilnahmslosen Teich.
Blühn und verdorrn ist uns zugleich bewußt.
Und irgendwo gehn Löwen noch und wissen,
solang sie herrlich sind, von keiner Ohnmacht. |
Fourth Elegy
O Trees of Life,
when does your winter fall?
Strangers to instinct,
we lack the focus and
the harmony which guide
the southbound birds.
Overtaken and tardy, we
thrust ourselves upon the wind;
fall out of the sky
into icily indifferent ponds.
We wither as we blossom,
knowing both states at once.
Somewhere lions roam,
knowing nothing of weakness
in the hour of their majesty. |
|
Uns aber, wo wir Eines
meinen, ganz, ist schon des andern Aufwand fühlbar. Feindschaft ist uns
das Nächste. Treten Liebende nicht immerfort an Ränder, eins im andern,
die sich versprachen Weite, Jagd und Heimat.
Da wird für eines
Augenblickes Zeichnung ein Grund von Gegenteil bereitet, mühsam, daß wir
sie sähen; denn man ist sehr deutlich mit uns. Wir kennen den Kontur des
Fühlens nicht: nur, was ihn formt von außen.
Wer saß nicht bang vor
seines Herzens Vorhang? Der schlug sich auf: die Szenerie war Abschied.
Leicht zu verstehen. Der bekannte Garten, und schwankte leise: dann erst
kam der Tänzer. Nicht der. Genug! Und wenn er auch so
leicht tut, er ist verkleidet und er wird ein Bürger und geht durch
seine Küche in die Wohnung.
Ich will nicht diese
halbgefüllten Masken, lieber die Puppe. Die ist voll. Ich will den Balg
aushalten und den Draht und ihr Gesicht aus Aussehn. Hier. Ich bin
davor. Wenn auch die Lampen ausgehn, wenn mir auch gesagt wird: Nichts
mehr
,
wenn auch von der Bühne das Leere herkommt mit dem grauen Luftzug, wenn
auch von meinen stillen Vorfahrn keiner mehr mit mir dasitzt, keine
Frau, sogar der Knabe nicht mehr mit dem braunen Schielaug: Ich hleibe
dennoch. Es giebt immer Zuschaun. |
But we cannot focus on a single object
without worrying about another. Conflict is our essence. Aren't lovers
always crowding one another, despite mutual longing for wide open
spaces, homestead and plentiful hunting?
As when a canvas is carefully
stretched and primed to receive
a spontaneous sketch,
the better to offset it,
we do not observe the
background of emotion,
only what is splashed upon it.
Who has not sat frightened
before the heart's curtain,
watching it rise upon
a scene of farewell?
So well understood:
the familiar garden,
lightly swaying.
Then came the dancer.
No! Not that one!
No matter how lightly he flies,
he is only a costumed actor,
an ordinary man who takes his bow
then hurries homeward, entering
through the kitchen door.
I will no longer endure
these half filled masks!
Better the completeness
of an honest puppet.
No matter the stuffing and
the wire frame; the painted
face of pure appearance.
Here I stay!
Though they cut the lights and
declare there is no more...
though a grey mist of emptiness
curls from the stage...
though my silent ancestors
no longer sit beside me
- neither that woman nor the
boy with the squint brown eye-
here I stay!
I still may watch. |
Hab ich nicht recht? Du, der um mich so
bitter
das Leben schmeckte, meines kostend, Vater,
den ersten trüben Aufguß meines Müssens,
da ich heranwuchs, immer wieder kostend
und, mit dem Nachgeschmack so fremder Zukunft
heschäftigt, prüftest mein beschlagnes Aufschaun,
der du, mein Vater, seit du tot bist, oft
in meiner Hoffnung, innen in mir, Angst hast,
und Gleichmut, wie ihn Tote haben, Reiche
von Gleichmut, aufgiebst für mein bißchen Schicksal,
hab ich nicht recht? Und ihr, hab ich nicht recht,
die ihr mich liebtet für den kleinen Anfang
Liebe zu euch, von dem ich immer abkam,
weil mir der Raum in eurem Angesicht,
da ich ihn liebte, überging in Weltraum,
in dem ihr nicht mehr wart .....: wenn mir zumut ist,
zu warten vor der Puppenbühne, nein,
so völlig hinzuschaun, daß, um mein Schauen
am Ende aufzuwiegen, dort als Spieler
ein Engel hinmuß, der die Bälge hochreißt.
Engel und Puppe: dann ist endlich Schauspiel.
Dann kommt zusammen, was wir immerfort
entzwein, indem wir da sind. Dann entsteht
aus unsern Jahreszeiten erst der Umkreis
des ganzen Wandelns. Über uns hinüber
spielt dann der Engel. Sieh, die Sterbenden,
sollten sie nicht vermuten, wie voll Vorwand
das alles ist, was wir hier leisten. Alles
ist nicht es selbst. O Stunden in der Kindheit,
da hinter den Figuren mehr als nur
Vergangnes war und vor uns nicht die Zukunft.
Wir wuchsen freilich und wir drängten manchmal,
bald groß zu werden, denen halb zulieb,
die andres nicht mehr hatten, als das Großsein.
Und waren doch, in unserem Alleingehn,
mit Dauerndem vergnügt und standen da
im Zwischenraume zwischen Welt und Spielzeug,
an einer Stelle, die seit Anbeginn
gegründet war für einen reinen Vorgang. |
Am I
not right to do so, Father?
You I ask, whose cup of life
seemed bitter after tasting mine, so
vital with the bouquet of youthful promise
but bearing a troubling aftertaste.
You often searched the depths
of my unfocused eyes for
signs of my uncanny future.
Am I not right, O Father,
who, so oft since dying,
hath roused thyself from
vast eternal peace to shudder
at my crumb of fate?
I pray it may be so.
Am I not right?
And you, dear ones, who
loved the first stirrings
of my love inside yourselves:
am I not correct?
You, beloved ones, whose faces
faded in my very gaze
to distances in which
I never existed,
am I not right to sit here,
staring at the puppet stage,
if only to gaze so steadily
that an angel must arise,
obedient to balance,
to startle the stuffed skins
into living action.
Angel with marionettes!
Actual theatre at last!
What our presence has divided
now is in our presence joined.
Only now do the interstellar seasons
correspond to the seasons of the soul.
Above and beyond an angel frolics.
Do only the dying notice how vapid
and pretentious are all of our
accomplishments here, where
nothing is allowed to be
as it is meant to be?
O childhood hours, the shadows of
whose shapes were not yet mere
repetitions of shades past-
when that which gleamed ahead
was not yet the future.
Growing, we often wished we were
already grown, half to please those
for whom nothing but their own
maturity remained.
Yet, when alone, we played
with eternal toys and stood
enchanted in the breach between
our playthings and the world:
a place primordially prepared
for an immaculate advent. |
|
Wer zeigt ein Kind, so wie es steht? Wer
stellt
es ins Gestirn und giebt das Maß des Abstands
ihm in die Hand? Wer macht den Kindertod
aus grauem Brot, das hart wird, - oder läßt
ihn drin im runden Mund, so wie den Gröps
von einem schönen Apfel? ...... Mörder sind
leicht einzusehen. Aber dies: den Tod,
den ganzen Tod, noch vor dem Leben so
sanft zu enthalten und nicht bös zu sein,
ist unbeschreiblich. |
Who can
show a child as he really is;
set him starlike in his proper firmament
and place the rod of distant measure
in his hand?
Who bakes the gray bread of his death
and leaves it hardening, sharp as a
sweet apple's inedible core,
in his rounded mouth?.....Murderers
are easy enough to understand.
But to hold death,
the whole of death,
even before life is fairly begun-
to contain it gently
and without complaint-
that defies understanding. |
Die
fünfte Elegie
Frau Hertha Koenig zugeeignet
Wer aber sind sie, sag mir, die
Fahrenden, diese ein wenig Flüchtigern noch als wir selbst, die dringend
von früh an wringt ein wem, wem zu Liebe niemals
zufriedener Wille? Sondern er wringt sie, biegt sie, schlingt sie und
schwingt sie, wirft sie und fängt sie zurück; wie aus geölter, glatterer
Luft kommen sie nieder auf dem verzehrten, von ihrem ewigen Aufsprung
dünneren Teppich, diesem verlorenen Teppich im Weltall. Aufgelegt wie
ein Pflaster, als hätte der Vorstadt- Himmel der Erde dort wehe getan.
|
Fifth Elegy
For Frau Hertha Koenig
Who
are these rambling acrobats,
less secure than even we;
twisted since childhood
(for benefit of whom?)
by an unappeasable will?
A will which wrings, bends,
swings, twists and catapults,
catching them when they fall
through slick and polished air
to a threadbare carpet worn
ever thinner by their leaping:
lost carpet of the great beyond,
stuck like a bandage to an earth
bruised by suburban skies.
Ensemble, their bodies trace a vague capital "C" for Creation...
captured by an inevitable grip which bends even the mightiest, as King
Augustus the Strong folded a pewter plate for laughs. |
-
-
- Und kaum dort,
aufrecht, da und gezeigt: des Dastehns
großer Anfangsbuchstab ...., schon auch, die stärksten Männer, rollt sie
wieder, zum Scherz, der immer kommende Griff, wie August der Starke bei
Tisch einen zinnenen Teller. |
|
Ach und um
diese
Mitte, die Rose des Zuschauns:
blüht und entblättert. Um diesen
Stampfer, den Stempel, den von dem eignen
blühenden Staub getroffnen, zur Scheinfrucht
wieder der Unlust befruchteten, ihrer
niemals bewußten,
glänzend mit dünnster
Oberfläche leicht scheinlächelnden Unlust. |
Around this center
the Rose of Looking
blossoms and sheds.
Around this pounding pestle,
this self pollinating pistle
producing petals of ennui,
blooms of customary apathy
speciously shine with
superfluous smiles.
|
|
Da: der welke, faltige Stemmer,
der alte, der nur noch trommelt,
eingegangen in seiner gewaltigen Haut, als hätte sie früher
zwei Männer enthalten, und einer
läge nun schon auf dem Kirchhof, und er überlebte den andern,
taub und manchmal ein wenig
wirr, in der verwitweten Haut. |
There: the wrinkled, dried up Samson,
becomes, in old age, a drummer-
too small for the skin which looks
as though it once held two of him.
The other must be dead and buried
while this half fares alone,
deaf and somewhat addled
within the widowed skin. |
|
Aber der junge, der Mann, als wär er der
Sohn eines Nackens
und einer Nonne: prall und strammig erfüllt
mit Muskeln und Einfalt. |
There: the young man who seems
the very offspring of a union
between a stiff neck and a nun,
braced and buckled,
full of strength and
innocent simplicity. |
|
Oh ihr,
die ein Leid, das noch klein war,
einst als Spielzeug bekam, in einer seiner
langen Genesungen .... |
O, you, children,
delivered to the infant Pain
as a toy to amuse it,
during some extended
illness of its childhood. |
Du, der mit dem Aufschlag,
wie nur Früchte ihn kennen, unreif,
täglich hundertmal abfällt vom Baum der gemeinsam
erbauten Bewegung (der, rascher als Wasser, in wenig
Minuten Lenz, Sommer und Herbst hat)
abfällt und anprallt ans Grab:
manchmal, in halber Pause, will dir ein liebes
Antlitz entstehn hinüber zu deiner selten
zärtlichen Mutter; doch an deinen Körper verliert sich,
der es flächig verbraucht, das schüchtern
kaum versuchte Gesicht ...Und wieder
klatscht der Mann in die Hand zu dem Ansprung, und eh dir
jemals ein Schmerz deutlicher wird in der Nähe des immer
trabenden Herzens, kommt das Brennen der Fußsohln
ihm, seinem Ursprung, zuvor mit ein paar dir
rasch in die Augen gejagten leiblichen Tränen.
Und dennoch, blindlings,
das Lächeln ..... |
You, boy, discover
a hundred times a day
what green apples know,
dropping off a tree created
through mutual interactions
(coursing through spring,
summer and, swift as water,
fall, all in a flash)
to bounce, thud, upon the grave.
Sometimes, in fleeting glances
toward your seldom tender mother,
affection almost surfaces,
only to submerge as suddenly
beneath your face...a shy,
half-tried expression...
and then the man claps,
commanding you to leap again
and before any pain can
straddle your galloping heart,
your stinging soles outrace it,
chasing a brief pair of
actual tears to your eyes,
still blindly smiling. |
|
Engel! o nimms, pflücks, das kleinblütige
Heilkraut.
Schaff eine Vase, verwahrs! Stells unter jene, uns noch nicht
offenen Freuden; in lieblicher Urne
rühms mit blumiger schwungiger Aufschrift: "Subrisio Saltat.".
|
O angel, pluck that
small flower of healing!
Craft a vessel to contain it!
Set it amongst joys not
yet vouchsafed us.
Upon that fair herbal jar,
in flowing, fancy letters,
inscribe: "Subrisio Saltat."
...Smile of Acrobat... |
|
Du dann, Liebliche,
du, von den reizendsten Freuden
stumm Übersprungne.
Vielleicht sind
deine Fransen glücklich für dich
,
oder über den jungen
prallen Brüsten die grüne metallene Seide
fühlt sich unendlich verwöhnt und entbehrt nichts. |
And you, little sweetheart,
silently overlept by
the most exciting joys-
perhaps your skirthems
are happy in your stead,
or maybe the green metallic silk,
stretched tight by budding breasts,
feels itself sufficiently indulged. |
|
Du,
immerfort anders auf alle des Gleichgewichts schwankende Waagen
hingelegte Marktfrucht des Gleichmuts,
öffentlich unter den Schultern. |
You,
displaying, for all to see,
the fruit which tips the
swaying scales of balance,
suspended from the shoulders.
|
|
Wo, o wo ist der Ort
ich trag ihn im Herzen
,
wo sie noch lange nich konnten, noch von einander
abfieln, wie sich bespringende, nicht recht
paarlge Tiere;
wo die Gewichte noch schwer sind;
wo noch von ihren vergeblich
wirbelnden Stähen die Teller
torkeln ..... |
Where...O where is that place,
held in my heart, before they'd
all achieved such expertise,
were apt still to tumble asunder
like poorly fitted animals mating...
where the barbell still seems heavy,
where the discus wobbles and topples
from a badly twirled baton? |
|
Und plötzlich in diesem mühsamen
Nirgends, plötzlich
die unsägliche Stelle, wo sich das reine Zuwenig
unbegreiflich verwandelt
,
umspringt
in jenes leere Zuviel.
Wo die vielstellige Rechnung
zahlenlos aufgeht. |
Then: Presto! in this
exasperating nowhere:
the unspeakable space appears where
purity of insufficiency transforms
into overly efficient emptiness.
Where the monumental bill of charges,
in final arbitration, totals zero. |
|
Plätze, o Platz in Paris, unendlicher
Schauplatz,
wo die Modistin, Madame Lamort,
die ruhlosen Wege der Erde, endlose Bänder,
schlingt und windet und neue aus ihnen
Schleifen erfindet, Rüschen, Blumen, Kokarden, künstliche Früchte
,
alle
unwahr gefärbt,
für die billigen
Winterhüte des Schicksals.
.................................... |
Plazas, O plazas of Paris,
endless showcase, where
Madame Death the Milliner
twists and twines the
ribbons of restlessness,
designing ever new frills,
bows, rustles and brocades,
dyed in truthless colors,
to deck the trashy
winter hats of fate. |
|
Engel!: Es wäre ein Platz, den wir nicht
wissen, und dorten
auf unsäglichem Teppich, zeigten die Liebenden, die's hier
bis zum Können nie bringen, ihre kühnen
hohen Figuren des Herzschwungs,
ihre Türme aus Lust, ihre
längst, wo Boden nie war, nur an einander
lehnenden Leitern, bebend,
und könntens,
vor den Zuschauern rings, unzähligen lautlosen Toten:
Würfen
die dann ihre letzten, immer ersparten,
immer verborgenen, die wir nicht kennen, ewig
gültigen Münzen des Glücks vor das endlich
wahrhaft lächelnde Paar auf gestilltem
Teppich? |
Angel!
Were there an unknown place
where, upon an uncanny carpet, lovers
could disport themselves in ways
here inconceivable-daring ariel maneuvers
of the heart, scaling high plateaus of passion,
ladders leaning one against the other,
planted trembling upon the void...
Were there such a place, would their
performance prove convincing to an audience
of the innumerable and silent dead?
Would not these dead toss down their
final, hoarded, secret coins of joy,
legal tender of eternity, before the
couple smiling on that detumescent carpet,
fully satisfied? |
Die
sechste Elegie
Feigenbaum, seit wie lange schon ists mir
bedeutend,
wie du die Blüte beinah ganz überschlägst
und hinein in die zeitig entschlossene Frucht,
ungerühmt, drängst dein reines Geheimnis.
Wie der Fontäne Rohr treibt dein gebognes Gezweig
abwärts den Saft und hinan: und er springt aus dem Schlaf,
fast nicht erwachend, ins Glück seiner süßesten Leistung.
Sieh: wie der Gott in den Schwan. |
Sixth Elegy
Fig
tree, I've long found it significant
that you omit, almost entirely, to flower
but, early in the season press, untrumpeted,
your purest secret into resolute fruition.
Through your arched boughs the sap is driven
downward, then forced up, fountainlike,
where, hardly waking, it bursts from sleep
into the bliss of sweetest achievement.
Look-how Jupiter becomes the swan. |
-
-
- ...... Wir aber verweilen,
ach, uns rühmt es zu blühn, und ins
verspätete Innre
unserer endlichen Frucht gehn wir verraten hinein.
Wenigen steigt so stark der Andrang des Handelns,
daß sie schon anstehn und glühn in der Fülle des Herzens,
wenn die Verführung zum Blühn wie gelinderte Nachtluft
ihnen die Jugend des Munds, ihnen die Lider berührt:
Helden vielleicht und den frühe Hinüberbestimmten,
denen der gärtnernde Tod anders die Adern verbiegt.
Diese stürzen dahin: dem eigenen Lächeln
sind sie voran, wie das Rossegespann in den milden
muldigen Bildern von Karnak dem siegenden König. |
.....But, sadly, we hang on.
Our glory is all in the flowering.
We press into our final tardy fruit
already swindled.
Few are moved so boldly by the
impetus to action that they stand
already glowing in fulness of heart
when, like a soft night breeze,
the temptation to flower brushes their
youthful lips and strokes their eyes.
That is the attitude of heroes-
and of those elected for an early grave,
veins trained differently by Death the Gardener.
They dash ahead of their own smiles like
the galloping team of conquering Pharoah
in the gently sculpted friezes at Karnak. |
|
Wunderlich nah ist der Held doch den
jugendlich Toten. Dauern
ficht ihn nicht an. Sein Aufgang ist Dasein; beständig
nimmt er sich fort und tritt ins veränderte Sternbild
seiner steten Gefahr. Dort fänden ihn wenige. Aber,
das uns finster verschweigt, das plötzlich begeisterte Schicksal
singt ihn hinein in den Sturm seiner aufrauschenden Welt.
Hör ich doch keinen wie ihn. Auf einmal durchgeht mich
mit der strömenden Luft sein verdunkelter Ton. |
Wondrously akin are the
young dead and the hero.
Survival is the mission of neither.
His is the ascent unending
through amorphous constellations
of everlasting personal peril.
Few could overtake him there.
But Fate, to us so mute,
toward him bends inspired,
singing the hero on to meet
her roaring storm in
his cataclysmic world.
I hear none like him.
Suddenly the river of wind
rushes through me, bearing
his voice of muted thunder. |
|
Dann, wie verbärg ich mich gern vor der
Sehnsucht: O wär ich,
wär ich ein Knabe und dürft es noch werden und säße
in die künftigen Arme gestützt und läse von Simson,
wie seine Mutter erst nichts und dann alles gebar.
War er nicht Held schon in dir, o Mutter,
begann nicht
dort schon, in dir, seine herrische Auswahl?
Tausende brauten im Schooß und wollten er sein,
aber sieh: er ergriff und ließ aus
,
wählte und konnte.
Und wenn er Säulen zerstieß, so wars, da er ausbrach
aus der Welt deines Leibs in die engere Welt, wo er weiter
wählte und konnte. O Mütter der Helden, o Ursprung
reißender Ströme! Ihr Schluchten, in die sich
hoch von dem Herzrand, klagend,
schon die Mädchen gestürzt, künftig die Opfer dem Sohn.
Denn
hinstürmte der Held durch Aufenthalte der Liebe,
jeder hob ihn hinaus, jeder ihn meinende Herzschlag,
abgewendet schon, stand er am Ende der Lächeln,
anders. |
Then do
I despair of my longing for
lost youth with future hope intact,
leaning on arms unmolded yet
to read of Samson: how his mother
gave birth at first to nothing,
then-to everything.
O Mother,
was he not, unborn, a hero?
Did his peremptory decisions
not begin while still within you?
Thousands broiled in your womb,
wishing to become him.
But observe: he chose one thing,
disdained another and by the
power of choice prevailed.
If ever he broke mighty columns,
it was in quitting the world of your body
to confront the more constricted world
where he continued to act and choose.
O mothers of heroes-
O fonts of storm whipped rivers!
Gorges where tearful virgins have
plunged from the heart's sheer cliff,
as sacrifice to the son!
Whenever the hero stormed
through the way stations of love,
each heart that beat for him
pushed him on beyond that heart,
where, turning away, he stood,
at smile's end-transfigured. |
Die siebente Elegie
Werbung nicht mehr, nicht Werbung,
entwachsene Stimme,
sei deines Schreies Natur; zwar schrieest du rein wie der Vogel,
wenn ihn die Jahreszeit aufhebt, die steigende, beinah vergessend,
daß er ein kümmerndes Tier und nicht nur ein einzelnes Herz sei,
das sie ins Heitere wirft, in die innigen Himmel. Wie er, so
würbest du wohl, nicht minder
,
daß, noch unsichtbar,
dich die Freundin erführ, die stille, in der eine Antwort
langsam erwacht und über dem Hören sich anwärmt,
deinem erkühnten Gefühl die erglühte Gefühlin. |
Seventh Elegy
Wooing no
more, no more shall wooing,
voice grown beyond it, be the nature
of your cry-though the cry be pure,
as of a bird when lifted by the
spiraling season-nearly forgetting
that it is a simple fretful creature,
not a solitary heart tossed into
the brightness of intimate skies.
Like him would you woo, so purely
that, all unseen, you might awaken
a silent lover, arousing in her,
ever so slowly, an answering call,
kindled by your own bright passion
into a complementary flame. |
O und der Frühling begriffe
,
da ist keine Stelle,
die nicht trüge den Ton der Verkündigung. Erst jenen kleinen
fragenden Auflaut, den, mit steigernder Stille,
weithin umschweigt ein reiner bejahender Tag.
Dann die Stufen hinan, Ruf-Stufen hinan, zum geträumten
Tempel der Zukunft
;
dann den Triller, Fontäne,
die zu dem drängenden Strahl schon das Fallen zuvornimmt
im versprechlichen Spiel .... Und vor sich, den Sommer. |
O and
springtime would take hold
and carry it everywhere until no
cavern nor crannie could fail to
echo your annunciation: the soft
first question of the frail flute
magnified in the limpid stillness
of a daytime of entire agreement.
Then up the ladder of your song,
rise to the temple of the future
discovered, on a time, in dream.
Then the trill-a geyser gathering
its spent streams back into itself,
in recirculation of playful promise
and still, ahead of you, the summer.
|
Nicht
nur die Morgen alle des Sommers
,
nicht nur
wie sie sich wandeln in Tag und strahlen vor Anfang.
Nicht nur die Tage, die zart sind um Blumen, und oben,
um die gestalteten Bäume, stark und gewaltig.
Nicht nur die Andacht dieser entfalteten Kräfte,
nicht nur die Wege, nicht nur die Wiesen im Abend,
nicht nur, nach spätem Gewitter, das atmende Klarsein,
nicht nur der nahende Schlaf und ein Ahnen, abends ...
sondern die Nächte! Sondern die hohen, des Sommers,
Nächte, sondern die Sterne, die Sterne der Erde.
O einst tot sein und sie wissen unendlich,
alle die Sterne: denn wie, wie, wie sie vergessen! |
Not only each and every sun
of summer at a single rising;
not only the way they steal
dawn's gold into high noon...
Not only the days themselves
which roll so grandly
over constellated trees
be they never so gentle
in amongst the blossoms;
not only the ardent zeal of
each of these unfolded forces,
nor only the footpaths
through twilight meadows,
not these alone, nor the
clarity of breath in the wake
of an afternoon thunderstorm;
not only the approach of sleep
with its omens in tow...
but these NIGHTS!
Heights of the summer's nights,
stars above and stars
of Earth besides:
O to be dead at last and
at long last eternally to
know the stars...
the stars! How, how, how
can they ever be forgotten? |
Siehe, da rief ich die Liebende. Aber
nicht sie nur
käme ... Es kämen aus schwächlichen Gräbern
Mädchen und ständen ... Denn, wie beschränk ich,
wie, den gerufenen Ruf? Die Versunkenen suchen
immer noch Erde.
Ihr Kinder, ein hiesig
einmal ergriffenes Ding gälte für viele.
Glaubt nicht, Schicksal sei mehr, als das Dichte der Kindheit;
wie überholtet ihr oft den Geliebten, atmend,
atmend nach seligem Lauf, auf nichts zu, ins Freie. |
I called my love.
She came, but not alone.
From out of unsecured graves
other girls arose and gathered round.
How could my call, once sounded,
be limited to one?
These unfinished ones
seek again the Earth.
O children, one thing
fully learned here is
fit harvest for a lifetime.
Destiny is only the
dense residue of childhood.
Often, if truth be known,
you caught up with the beloved,
short of breath from joy of the race,
panting for further chase
into entire freedom. |
Hiersein ist herrlich. Ihr wußtet es,
Mädchen, ihr auch,
die ihr scheinbar entbehrtet, versankt
,
ihr, in den ärgsten
Gassen der Städte, Schwärende, oder dem Abfall
Offene. Denn eine Stunde war jeder, vielleicht nicht
ganz eine Stunde, ein mit den Maßen der Zeit kaum
Meßliches zwischen zwei Weilen
,
da sie ein Dasein
hatte. Alles. Die Adern voll Dasein.
Nur, wir vergessen so leicht, was der lachende Nachbar
uns nicht bestätigt oder beneidet. Sichtbar
wollen wirs heben, wo doch das sichtbarste Glück uns
erst zu erkennen sich giebt, wenn wir es innen verwandeln. |
To be here at all is a glory.
You knew it, maidens,
even those of you seemingly
passed over, sinking into
the city's meanest streets,
festering alleys choked with
trash and stinking of excretions.
Each of you had her hour,
or if not an hour,
an instant, at least,
between two moments when
life burst into flower.
Every blessed petal.
Your veins throbbed with it.
But we so soon forget what
our laughing neighbor neither
applauds nor envies.
We desire that they be admired,
but even the most visible
of joys cannot be seen
until transformed-within.
|
Nirgends, Geliebte, wird Welt sein, als
innen. Unser
Leben geht hin mit Verwandlung. Und immer geringer
schwindet das Außen. Wo einmal ein dauerndes Haus war,
schlägt sich erdachtes Gebild vor, quer, zu Erdenklichem
völlig gehörig, als ständ es noch ganz im Gehirne.
Weite Speicher der Kraft schafft sich der Zeitgeist, gestaltlos
wie der spannende Drang, den er aus allem gewinnt.
Tempel kennt er nicht mehr. Diese, des Herzens, Verschwendung
sparen wir heimlicher ein. Ja, wo noch eins übersteht,
ein einst gebetetes Ding, ein gedientes, geknietes
,
hält es sich, so wie es ist, schon ins Unsichtbare hin.
Viele gewahrens nicht mehr, doch ohne den Vorteil,
daß sie's nun innerlich baun, mit Pfeilern und Statuen, größer! |
Nowhere, beloved, does any
world exist save that within.
Life spends itself in
the act of transformation,
dissolving, bit by bit,
the world as it appeared.
Where stood a solid house
now stands a mental construct,
entirely conceptual, as though
its rafters supported a
rooftop in the very brain.
The spirit of our time has raised
storehouses of infernal powers,
edifices shapeless as the primal force
he wrenches from creation.
Temples are unknown to him.
It is we who try in secret
to perpetuate such wasteful
luxuriance of the heart.
Yes, if one thing survives
before which we genuflected,
which we served or worshiped,
it passes intact into the invisible.
Many, perceiving it no more,
fail to seize the chance to
build it up anew, with greater
pillars and more commanding statues
than in days of yore-within! |
Jede
dumpfe Umkehr der Welt hat solche Enterbte,
denen das Frühere nicht und noch nicht das Nächste gehört.
Denn auch das Nächste ist weit für die Menschen. Uns soll
dies nicht verwirren; es stärke in uns die Bewahrung
der noch erkannten Gestalt.
Dies stand einmal unter Menschen,
mitten im Schicksal stands, im vernichtenden, mitten
im Nichtwissen-Wohin stand es, wie seiend, und bog
Sterne zu sich aus gesicherten Himmeln. Engel,
dir noch zeig ich es, da! in deinem Anschaun
steh es gerettet zuletzt, nun endlich aufrecht.
Säulen, Pylone, der Sphinx, das strebende Stemmen,
grau aus vergehender Stadt oder aus fremder, des Doms. |
Each
sluggish revolution of the world
leaves its dispossessed-heirs neither
of things past nor of those impending.
The immediate future is distant for man.
This should not confuse but confirm
the needfulness of preserving those forms
we still can recognize.
This once stood amongst us,
here in the province of
Fate the Great Annihilator,
in the very midst,
knowing not whither nor whence,
firm in its existence,
calling down stars from
their secure heavens
to stand in witness.
Angel, behold the vision.
I will show it to you-Voila!
Gather it into your eternal sight
where it may at last endure,
upright and redeemed:
pillars, monoliths, the Sphinx,
the gray cathedral's striving thrust
o'er some strange and fading city. |
War es nicht Wunder? O staune, Engel,
denn wir sinds,
wir, o du Großer, erzähls, daß wir solches vermochten, mein Atem
reicht für die Rühmung nicht aus. So haben wir dennoch
nicht die Räume versäumt, diese gewährenden, diese
unseren Räume. (Was müssen sie fürchterlich groß sein,
da sie Jahrtausende nicht unseres Fühlns überfülln.)
Aber ein Turm war groß, nicht wahr? O Engel, er war es,
groß, auch noch neben dir? Chartres war groß
,
und Musik
reichte noch weiter hinan und überstieg uns. Doch selbst nur
eine Liebende
,
oh, allein am nächtlichen Fenster....
reichte sie dir nicht ans Knie
? |
Is it not miraculous?
Attend well, O angel;
This is what we are,
O Great One.
Be thou herald of these wonders!
My own scant breath will not
suffice to celebrate it fully.
We have not, after all, failed
to employ our assigned spaces,
these generous spaces of our own.
(How fearfully vast they must be-
aeons of our feelings
have not overfilled them.)
Was not a single tower great?
|
-
-
- Glaub nicht, daß ich
werbe.
Engel, und würb ich dich auch! Du kommst
nicht. Denn mein
Anruf ist immer voll Hinweg; wider so starke
Strömung kannst du nicht schreiten. Wie ein gestreckter
Arm ist mein Rufen. Und seine zum Greifen
oben offene Hand bleibt vor dir
offen, wie Abwehr und Warnung,
Unfaßlicher, weitauf. |
O angel, indeed it was,
even by your measure.
The cathedral at Chartres was great-
music rose higher still,
quite surpassing us.
Even a girl in love, at night,
alone by her window...
didn't she reach to your knee?
Do not think I woo thee, angel!
Should I do so, you would not be moved,
so full of conflict is my cry.
Against such utter counter force
you cannot prevail. My call is like
an open hand thrust out to seize,
to defend, to warn off-while you,
unattainable, receed far beyond its grasp. |
Die
achte Elegie
Rudolf Kassner zugeeignet
Mit allen Augen sieht die Kreatur
das Offene. Nur unsre Augen sind
wie umgekehrt und ganz um sie gestellt
als Fallen, rings um ihren freien Ausgang.
Was draußen ist, wir wissens aus des Tiers
Antlitz allein; denn schon das frühe Kind
wenden wir um und zwingens, daß es rückwärts
Gestaltung sehe, nicht das Offne, das
im Tiergesicht so tief ist. Frei von Tod.
Ihn sehen wir allein; das freie Tier
hat seinen Untergang stets hinter sich
und vor sich Gott, und wenn es geht, so gehts
in Ewigkeit, so wie die Brunnen gehen. |
Eighth Elegy
Animals see the unobstructed
world with their whole eyes.
But our eyes, turned back upon
themselves, encircle and
seek to snare the world,
setting traps for freedom.
The faces of the beasts
show what truly IS to us:
we who up-end the infant and
force its sight to fix upon
things and shapes, not the
freedom that they occupy,
that openess which lies so deep
within the faces of the animals,
free from death!
We alone face death.
The beast, death behind and
God before, moves free through
eternity like a river running. |
|
Wir haben nie, nicht einen einzigen Tag,
den reinen Raum vor uns, in den die Blumen
unendlich aufgehn. Immer ist es Welt
und niemals Nirgends ohne Nicht: das Reine,
Unüberwachte, das man atmet und
unendlich weiß und nicht begehrt. Als Kind
verliert sich eins im Stilln an dies und wird
gerüttelt. Oder jener stirbt und ists.
Denn nah am Tod sieht man den Tod nicht mehr
und starrt hinaus, vielleicht mit großem Tierblick.
Liebende, wäre nicht der andre, der
die Sicht verstellt, sind nah daran und staunen ...
Wie aus Versehn ist ihnen aufgetan
hinter dem andern ... Aber über ihn
kommt keiner fort, und wieder wird ihm Welt.
Der Schöpfung immer zugewendet, sehn
wir nur auf ihr die Spiegelung des Frein,
von uns verdunkelt. Oder daß ein Tier,
ein stummes, aufschaut, ruhig durch uns durch.
Dieses heißt Schicksal: gegenüber sein
und nichts als das und immer gegenüber. |
Never for one day do we
turn from forms to face
that place of endless purity
blooming flowers forever know.
Always a world for us, never
the nowhere minus the no:
that innocent, unguarded
space which we could breathe,
know endlessly, and never require.
A child, at times, may lose
himself within the stillness
of it, until rudely ripped away.
Or one dies and IS the place.
As death draws near,
one sees death no more, rather
looks beyond it with, perhaps,
the broader vision of the beasts.
Lovers, serving only to obstruct
one another's view of it,
approach the place with awe...
as if by accident, it appears
to each behind that precise spot
before which the other stands...
neither can slip behind the other
and so, again, the world returns.
We behold creation's face as though
reflected in a mirror
misted with our breath.
Sometimes a speechless beast
lifts its docile head
and looks right through us.
This is destiny: to be opposites,
always and only to face
one another and nothing else. |
Wäre Bewußtheit unsrer Art in dem
sicheren Tier, das uns entgegenzieht
in anderer Richtung
,
riß es uns herum
mit seinem Wandel. Doch sein Sein ist ihm
unendlich, ungefaßt und ohne Blick
auf seinen Zustand, rein, so wie sein Ausblick.
Und wo wir Zukunft sehn, dort sieht es Alles
und sich in Allem und geheilt für immer. |
Could that surefooted beast,
approaching from a direction
different than our own, aquire
the mental knack to think as do we,
he would spin us round
and drag us with him.
But he is without end unto himself:
devoid of comprehension,
unselfscrutinized, pure
as his outgoing glance.
We see future; he sees
eternal completion.
Himself in all. |
Und doch ist in dem wachsam warmen Tier
Gewicht und Sorge einer großen Schwermut.
Denn ihm auch haftet immer an, was uns
oft überwältigt,
die Erinnerung,
als sei schon einmal das, wonach man drängt,
näher gewesen, treuer und sein Anschluß
unendlich zärtlich. Hier ist alles Abstand,
und dort wars Atem. Nach der ersten Heimat
ist ihm die zweite zwitterig und windig. |
Even
so, within the alert warmth
of that animal, the weight and care
of one great sadness dwells.
He is not exempt from an unclear
memory-which subdues us as well:
the notion that what we seek was once
closer and truer by far than now...
and infinitely tender.
Here... distances unending.
There... a gentle breathing.
After that first home, this one
seems windstruck and degenerate.
|
|
O
Seligkeit der kleinen Kreatur,
die immer bleibt im Schooße, der sie austrug;
o Glück der Mücke, die noch innen hüpft,
selbst wenn sie Hochzeit hat: denn Schooß ist Alles.
Und sieh die halbe Sicherheit des Vogels,
der beinah beides weiß aus seinem Ursprung,
als wär er eine Seele der Etrusker,
aus einem Toten, den ein Raum empfing,
doch mit der ruhenden Figur als Deckel.
Und wie bestürzt ist eins, das fliegen muß
und stammt aus einem Schooß. Wie vor sich selbst
erschreckt, durchzuckts die Luft, wie wenn ein Sprung
durch eine Tasse geht. So reißt die Spur
der Fledermaus durchs Porzellan des Abends.
Und wir: Zuschauer, immer, überall,
dem allen zugewandt und nie hinaus!
Uns überfüllts. Wir ordnens. Es zerfällt.
Wir ordnens wieder und zerfallen selbst.
Wer hat uns also umgedreht, daß wir,
was wir auch tun, in jener Haltung sind
von einem, welcher fortgeht? Wie er auf
dem letzten Hügel, der ihm ganz sein Tal
noch einmal zeigt, sich wendet, anhält, weilt
,
so leben wir und nehmen immer Abschied. |
O bliss of the diminutive:
creature born from a particular womb
into womb perpetual.
O delight of the mite who
leaps on, embryonic, though
his wedding day impends!
All is womb to him.
But observe the lesser
certainty of the birds
who seem to know both
circumstances, by
very birthright, like
some Etruscan soul rising from
the cadaver of a sarcophagus
sculpted with its tenant's face.
Imagine the general bafflement
of anything born of the womb
and required to take flight!
Frightened by its very self, it
cuts the air with fractured arcs,
jagged as bat tracks, cracking
the porcelain sky of evening.
We are,
above all, eternal spectators
looking upon, never from,
the place itself. We are the
essence of it. We construct it.
It falls apart. We reconstruct it
and fall apart ourselves.
Who formed us thus:
that always, despite
our aspirations, we wave
as though departing?
Like one lingering to look,
from a high final hill,
out over the valley he
intends to leave forever,
we spend our lives saying
goodbye. |
Die
neunte Elegie
Warum, wenn es angeht, also die Frist des
Daseins
hinzubringen, als Lorbeer, ein wenig dunkler als alles
andere Grün, mit kleinen Wellen an jedem
Blattrand (wie eines Windes Lächeln)
:
warum dann
Menschliches müssen
und, Schicksal vermeidend,
sich sehnen nach Schicksal? ... |
Ninth Elegy
Since this short span might
well be lived as lives the laurel,
deeper in its green than
all other green surrounding,
leaves, edged by wavelets,
smiling like the breeze-
then why, destiny overcome,
must we still be human
and long for further fate? |
-
-
- Oh, nicht, weil Glück
ist,
dieser voreilige Vorteil eines nahen
Verlusts.
Nicht aus Neugier, oder zur Übung des Herzens,
das auch im Lorbeer wäre .....
Aber weil Hiersein viel ist, und weil uns
scheinbar
alles das Hiesige braucht, dieses Schwindende, das
seltsam uns angeht. Uns, die Schwindendsten. Ein Mal
jedes, nur ein Mal. Ein Mal und nichtmer. Und wir auch
ein Mal. Nie wieder. Aber dieses
ein Mal gewesen zu sein, wenn auch nur ein Mal:
irdisch gewesen zu sein, scheint nicht widerrufbar. |
Not because happiness exists,
that apparent advantage
which barely presages loss.
Not out of curiosity,
nor as an exercise of
such a heart as likewise
in the laurel lies...
But because to be here
means so very much.
Because this fleeting sphere
appears to need us-
in some strange way
concerns us: we...
most fleeting of all.
Once and once only for
each thing-then no more.
For us as well. Once.
Then no more... ever.
But to have been as one,
though but the once,
with this world,
never can be undone. |
|
Und so drängen wir uns und wollen es
leisten,
wollens enthalten in unsern einfachen Händen,
im überfüllteren Blick und im sprachlosen Herzen.
Wollen es werden.
Wem es geben? Am liebsten
alles behalten für immer ... Ach, in den andern Bezug,
wehe, was nimmt man hinüber? Nicht das Anschaun, das hier
langsam erlernte, und kein hier Ereignetes. Keins.
Also die Schmerzen. Also vor allem das Schwersein,
also der Liebe lange Erfahrung,
also
lauter Unsägliches. Aber später,
unter den Sternen, was solls: die sind besser unsäglich.
Bringt doch der Wanderer auch vom Hange des Bergrands
nicht eine Hand voll Erde ins Tal, die Allen unsägliche, sondern
ein erworbenes Wort, reines, den gelben und blaun
Enzian. Sind wir vielleicht hier, um zu sagen: Haus,
Brücke, Brunnen, Tor, Krug, Obstbaum, Fenster,
höchstens: Säule, Turm .... aber zu sagen, verstehs,
oh zu sagen so, wie selber die Dinge niemals
innig meinten zu sein. Ist nicht die heimliche List
dieser verschwiegenen Erde, wenn sie die Liehenden drängt,
daß sich in ihrem Gefühl jedes und jedes entzückt?
Schwelle: was ists für zwei
Liebende, daß sie die eigne ältere Schwelle der Tür
ein wenig verbrauchen, auch sie, nach den vielen vorher
und vor den Künftigen ...., leicht. |
So we persevere,
attempting to resolve it
and contain it in our grasp,
in overfilled eyes and
within our voiceless heart;
attempting to be it,
as a gift-for whom?
For ourselves, forever!
But what can we abscond with?
We cannot take our insight with us
into the other realm, no matter
how painfully gathered.
Nor anything which happened.
Not one thing; neither suffering
nor the heaviness of our lot.
Not the hard earned lore of love,
nor that which is beyond speaking.
What can these things matter,
later, underneath the stars?
Better these things remain unsaid.
When the rambler returns
from the mountain to the vale,
he carries no esoteric clump
of soil, but some hard won word,
pure and simple: a blossom of
gentian, yellow and blue.
Could it not be that we
are here to say: house,
bridge, cistern, gate,
pitcher, flowering tree,
window-or at most:
monolith... skyscraper?
But to say them in a way
they, themselves, never
knew themselves to be?
Is not the undeclared intent
of Earth, in urging lovers on,
to make creation thrill to
the rhythms of their rapture?
Threshold.
What do lovers care if,
splinter by ancient splinter,
they shred the lintels
of their own front doors?
As well they as the many before
and the multitude to come...
it was ever so. |
|
Hier ist des Säglichen
Zeit, hier seine Heimat.
Sprich und bekenn. Mehr als je
fallen die Dinge dahin, die erlebbaren, denn,
was sie verdrängend ersetzt, ist ein Tun ohne Bild.
Tun unter Krusten, die willig zerspringen, sobald
innen das Handeln entwächst und sich anders begrenzt.
Zwischen den Hämmern besteht
unser Herz, wie die Zunge
zwischen den Zähnen, die doch,
dennoch, die preisende bleibt. |
Here is the home and
the time of the tellable!
Speak out and testify.
This time is the time when
the things we love are dying
and the things we do not love
are rushing to replace them,
shadows cast by shadows:
things willingly restrained
by temporary confines
but ready to spew forth as
outer change of form decrees.
Between its hammer blows
the heart survives-as does,
between the teeth, the tongue:
in spite of all,
the fount of praise. |
Preise dem Engel die Welt, nicht die
unsägliche, ihm
kannst du nicht großtun mit herrlich Erfühltem; im Weltall,
wo er fühlender fühlt, bist du ein Neuling. Drum zeig
ihm das Einfache, das, von Geschlecht zu Geschlechtern gestaltet,
als ein Unsriges lebt, neben der Hand und im Blick.
Sag ihm die Dinge. Er wird staunender stehn; wie du standest
bei dem Seiler in Rom, oder beim Töpfer am Nil.
Zeig ihm, wie glücklich ein Ding sein kann, wie schuldlos und unser,
wie selbst das klagende Leid rein zur Gestalt sich entschließt,
dient als ein Ding, oder stirbt in ein Ding
,
und jenseits
selig der Geige entgeht.
Und diese, von Hingang
lebenden Dinge verstehn, daß du sie rühmst; vergänglich,
traun sie ein Rettendes uns, den Vergänglichsten, zu.
Wollen, wir sollen sie ganz im unsichtbarn Herzen verwandeln
in
o unendlich
in uns! Wer wir am Ende auch seien. |
Exalt no ineffable,
rather a known world
unto the angel.
What do your splendors
signify to him?
You are an ingénue
in the sphere of
feeling he inhabits.
So show him a common thing,
the crafting of which has been
passed down from age to age
until our hands are, themselves,
shaped to the making of it
and our eyes to its beholding.
Speak of objects! His eyes will
grow wide, as did yours at the
twister of the ropes in Rome
or the pot-spinner by the Nile.
Show him creature joy,
without blame, entirely our own;
how grief's bitter wail
can live as song or
transcend the utmost
eloquence of violin
in service of sorrow.
These things that live upon
the gesture of farewell know
full well when they are praised:
dwindling away, they demand rescue!
And, that, through us-
the most dwindling of all!
They desire that we change them,
whole, within our invisible hearts;
transform them endlessly, Ah!...
into ourselves.
Whomever we are to be. |
|
Erde,
ist es nicht dies, was du willst: unsichtbar
in uns erstehn?
Ist es dein Traum nicht,
einmal unsichtbar zu sein?
Erde! unsichtbar!
Was, wenn Verwandlung nicht, ist dein drängender Auftrag?
Erde, du liebe, ich will. Oh glaub, es bedürfte
nicht deiner Frühlinge mehr, mich dir zu gewinnen
,
einer,
ach, ein einziger ist schon dem Blute zu viel.
Namenlos bin ich zu dir entschlossen, von weit her.
Immer warst du im Recht, und dein heiliger Einfall
ist der vertrauliche Tod.
Siehe, ich lebe. Woraus? Weder Kindheit
noch Zukunft
werden weniger ..... Überzähliges Dasein
entspringt mir im Herzen. |
Earth, is this your will?
An invisible resurrection
within ourselves?
Is it your desire
one day to vanish?
Earth! Invisible!
What do you demand
but transformation?
Beloved Earth, I will!
Further springtimes are
not required to win me-
On my word, a single May
is too heady for my blood.
I have been your
tongue-tied subject
lo, these many years.
Ever you spoke true
and your holiest idea is
Death, our constant friend.
Look, I live! On what?
Neither childhood nor future
grows less... prodigious springs
of being swell within my heart. |
Die zehnte Elegie
Daß ich dereinst, an dem Ausgang der
grimmigen Einsicht,
Jubel und Ruhm aufsinge zustimmenden Engeln.
Daß von den klar geschlagenen Hämmern des Herzens
keiner versage an weichen, zweifelnden oder
reißenden Saiten. Daß mich mein strömendes Antlitz
glänzender mache; daß das unscheinbare Weinen
blühe. O wie werdet ihr dann, Nächte, mir lieb sein,
gehärmte. Daß ich euch knieender nicht, untröstliche Schwestern,
hinnahm, nicht in euer gelöstes
Haar mich gelöster ergab. Wir, Vergeuder der Schmerzen.
Wie wir sie absehn voraus, in die traurige Dauer,
ob sie nicht enden vielleicht. Sie aber sind ja
unser winterwähriges Laub, unser dunkeles Sinngrün,
eine der Zeiten des heimlichen Jahres
,
nicht nur
Zeit
,
sind Stelle, Siedelung, Lager, Boden, Wohnort. |
Tenth Elegy
That
someday, delivered at last
from this terrifying vision,
I might sing out in praise and
jubilation unto approving angels;
that no single tone shall fail
to sound due to a slack,
a doubtful or a broken string
when clearly struck by
the hammer of my heart;
that my joyful face
might stream with radiance
and these hidden tears at last
erupt in blossoms fully blown,
I must learn to hold these
nights of anguish dear!
O Sisters Of Lament,
why did I not kneel
more lowly to receive you-
surrender myself more fully
to your loose and flowing hair?
We are wastrels of our sorrows,
gazing beyond them into the
desolate reaches of endurance
where we seek to know their ends.
They are but our winter foliage,
our somber evergreen,
a single season of our inner year;
nor season only, but land,
colony, storehouse,
floor and residence. |
|
Freilich, wehe, wie fremd sind die Gassen
der Leid-Stadt,
wo in der falschen, aus Übertönung gemachten
Stille, stark, aus der Gußform des Leeren der Ausguß
prahlt: der vergoldete Lärm, das platzende Denkmal.
O, wie spurlos zerträte ein Engel ihnen den Trostmarkt,
den die Kirche begrenzt, ihre fertig gekaufte:
reinlich und zu und enttäuscht wie ein Postamt am Sonntag. |
It is certain, alas,
that we are strangers
to the alleys of the
City of Sorrow, where
in the falsified silence
born of continual clatter,
the mold of emptiness ejects
a strutting figure: the gilded din,
the exploding memorial.
O, with what finality
would an angel trample to dust
their marketplace of consolation,
bounded by the church with its
off-the-rack indulgences: as
tidy, dull and shut tight
as a post office on Sunday.
|
Draußen aber kräuseln sich immer die
Ränder von Jahrmarkt.
Schaukeln der Freiheit! Taucher und Gaukler des Eifers!
Und des behübschten Glücks figürliche Schießstatt,
wo es zappelt von Ziel und sich blechern benimmt,
wenn ein Geschickterer trifft. Von Beifall zu Zufall
taumelt er weiter; denn Buden jeglicher Neugier
werben, trommeln und plärrn. Für Erwachsene aber
ist noch besonders zu sehn, wie das Geld sich vermehrt, anatomisch,
nicht zur Belustigung nur: der Geschlechtsteil des Gelds,
alles, das Ganze, der Vorgang
,
das unterrichtet und macht
fruchtbar ......... |
Outside, always, curls
the edge of the carnival.
Swings of freedom!
High divers and
dedicated jugglers!
And cosmeticized fortune's
metaphoric shooting gallery
whose tin targets clang and
spin when struck by some
marksman's chance shot-
who, dizzy with applause,
seeking further luck,
stumbles down the midway
where diverse attractions
seduce, drum and hawk their wares.
For adults only-a special attraction:
graphic reproduction of currency!
Titillating! The sex life of money,
in the nude, gonads and all,
before your very eyes -
educational and guaranteed
to enhance your virility.... |
.... Oh aber gleich darüber hinaus,
hinter der letzten Planke, beklebt mit Plakaten des "Todlos",
jenes bitteren Biers, das den Trinkenden süß scheint,
wenn sie immer dazu frische Zerstreuungen kaun ...,
gleich im Rücken der Planke, gleich dahinter, ists wirklich.
Kinder spielen, und Liebende halten einander,
abseits,
ernst, im ärmlichen Gras, und Hunde haben Natur.
Weiter noch zieht es den Jüngling; vielleicht, daß er eine junge
Klage liebt ..... Hinter ihr her kommt er in Wiesen. Sie sagt:
Weit. Wir wohnen dort draußen .... |
Beyond the last billboard -
plastered with ads for "Deathless,"
the bitter beer, sweet
to those who drink it
(so long as they nibble fresh
distractions between sips)-
behind the billboard,
just to the rear: the real world.
Children play and lovers touch,
off to the side,
intent in the thin grass,
while dogs do as nature bids.
A youth is drawn further on,
enamoured of a young Lament.
Into the fields he follows-
"Beyond," says she,
"far distant do we dwell!"
"Where?" he inquires,
by her bearing swayed.
Her shoulder, her neck,
bespeak a noble origin.
Anon he leaves her;
turns...waves.
What's the use?
She is a lament. |
|
Wo? Und der Jüngling
folgt. Ihn rührt ihre Haltung. Die
Schulter, der Hals
,
vielleicht
ist sie von herrlicher Herkunft. Aber er läßt sie, kehrt um,
wendet sich, winkt ... Was solls? Sie ist eine Klage.
Nur die jungen Toten, im ersten Zustand
zeitlosen Gleichmuts, dem der Entwöhnung,
folgen ihr liebend. Mädchen
wartet sie ab und befreundet sie. Zeigt ihnen leise,
was sie an sich hat. Perlen des Leids und die feinen
Schleier der Duldung.
Mit Jünglingen geht sie
schweigend.
Aber dort, wo sie wohnen, im Tal, der
Älteren eine, der Klagen,
nimmt sich des Jünglinges an, wenn er fragt:
Wir waren,
sagt sie, ein Großes Geschlecht, einmal, wir Klagen. Die Väter
trieben den Bergbau dort in dem großen Gebirg; bei Menschen
findest du manchmal ein Stück geschliffenes Ur-Leid
oder, aus altem Vulkan, schlackig versteinerten Zorn.
Ja, das stammte von dort. Einst waren wir reich.

Und sie leitet ihn leicht durch die
weite Landschaft der Klagen,
zeigt ihm die Säulen der Tempel oder die Trümmer
jener Burgen, von wo Klage-Fürsten das Land
einstens weise beherrscht. Zeigt ihm die hohen
Tränenbäume und Felder blühender Wehmut,
(Lebendige kennen sie nur als sanftes Blattwerk);
zeigt ihm die Tiere der Trauer, weidend,
und manchmal
schreckt ein Vogel und zieht, flach ihnen fliegend durchs Aufschaun,
weithin das schriftliche Bild seines vereinsamten Schreis.
Abends führt sie ihn hin zu den Gräbern der Alten
aus dem Klage-Geschlecht, den Sibyllen und Warn-Herrn.
Naht aber Nacht, so wandeln sie leiser, und bald
mondets empor, das über Alles
wachende Grab-Mal. Brüderlich jenem am Nil,
der erhabene Sphinx
:
der verschwiegenen Kammer
Antlitz.
Und sie staunen dem krönlichen Haupt, das für immer,
schweigend, der Menschen Gesicht
auf die Waage der Sterne gelegt.
Nicht erfaßt es sein Blick, im Frühtod
schwindelnd. Aber ihr Schaun,
hinter dem Pschent-Rand hervor, scheucht es die Eule. Und sie,
streifend im langsamen Abstrich die Wange entlang,
jene der reifesten Rundung,
zeichnet weich in das neue
Totengehör, über ein doppelt
aufgeschlagenes Blatt, den unbeschreiblichen Umriß.
Und höher, die Sterne. Neue. Die Sterne
des Leidlands.
Langsam nennt sie die Klage:
Hier,
siehe: den Reiter, den Stab, und das vollere Sternbild
nennen sie: Fruchtkranz. Dann, weiter, dem Pol zu:
Wiege; Weg; Das Brennende Buch; Puppe; Fenster.
Aber im südlichen Himmel, rein wie im Innern
einer gesegneten Hand, das klar erglänzende "M",
das die Mütter bedeutet .....

Doch der Tote muß fort, und schweigend
bringt ihn die ältere
Klage bis an die Talschlucht,
wo es schimmert im Mondschein:
die Quelle der Freude. In Ehrfurcht
nennt sie sie, sagt:
Bei den Menschen
ist sie ein tragender Strom.

Stehn am Fuß des Gebirgs.
Und da umarmt sie ihn, weinend.
Einsam steigt er dahin, in die Berge
des Ur-Leids.
Und nicht einmal sein Schritt klingt aus dem tonlosen Los. ***
Aber erweckten sie uns, die unendlich
Toten, ein Gleichnis,
siehe, sie zeigten vielleicht auf die Kätzchen der leeren
Hasel, die hängenden, oder
meinten den Regen, der fällt aufdunkles Erdreich im Frühjahr.
 |
Only those who died young,
in the primordial equanimity
of their weaning,
follow her lovingly.
She waits for maidens
and befriends them,
gently shows them
her attire: pearls
of sorrow and veils
fine-spun of patience.
Alongside young men
she walks in silence.
Beyond, in the valley
where they dwell, an
elderly Lament fondly indulges
a youth who questions her.
"Once," she tells him, "we were
a great family, we Laments.
Our fathers worked the mines
of yon mountain range.
Among men you still might find,
at times, a polished lump
of original sorrow-or a nugget
of petrified rage from the slag
of some ancient volcano.
Aye, from yonder range it came.
We once were wealthy."
And
lightly she leads him through
the spacious landscape of Lament,
shows him the pillars of the temples
and the crumbled towers from which,
in olden days, the Lords of Lament
so wisely ruled... shows him the
tall trees of tears and the fields
of woe full flowered
(such woe as the living know
only as a shrub unbudded);
shows him the herds of grief
where they stand grazing.
Once in awhile a startled bird,
darting through their skyward gaze,
inscribes its lonely cry upon the clouds.
At dusk she leads him to the graves
of the sibyls and dire prophets-
of all the Lords of Lament
the longest lived.
As night lowers, their steps slacken
and soon, rising like the moon,
the Guardian Sepulchre is seen,
kin to the Sphinx of Nile fame,
lofty in cavernous countenance.
They marvel at the regal head
which silently presents the human
face to be weighed upon the
scale of the stars, eternally.
His sight cannot grasp it,
giddy still from early death,
but her's startles an owl from
behind the rim of the crown,
who brushes the rounder of
his cheeks, leaving a faint
impression upon the new
hearing born of his death;
an indescribable outline
scrawled as though across
the leaves of an open book.
And higher, the stars. New.
Stars of the Land of Lament.
Slowly the elder names their names:
"Look there: the Rider, the Staff,
and that larger constellation
they call the Fruit Garland.
Higher still, toward the Pole,
the Cradle, the Path, the
Burning Book, the Doll, the Window.
In the southern sky,
clearcut as the lines within
a consecrated hand,
sparkles the luminous M
denoting Mothers."
But the dead must away
and silently the Elder Lament
leads him as far as the Arroyo,
where gleaming in the moonlight
springs the source of joy.
With reverence she names it,
saying: "Endlessly it flows
into the world of men."
They
stand at the mountain's foot.
Weeping, she embraces him.
Alone, he starts his climb
up the peak of Primal Pain.
Not once do his footsteps echo
from this soundless path of fate.
Were the endlessly dead
to awaken some symbol,
within us, to indicate
themselves, they might
point to the catkins
dangling from the leafless
branches of the Hazel trees.
Or speak in drops of rain
falling to dark earth
in early spring. |
|
Und wir, die an steigendes Glück
denken, empfänden die Rührung,
die uns beinah bestürzt,
wenn ein Glückliches fällt.
|
Then we,
who have known joy
only as it escapes us,
rising to the sky,
would receive the
overwhelming benediction
of happiness descending. |
Sources:
|