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Konzert in G-Dur, D.82
Für die kritische Ausgabe dieses Konzerts in G-Dur D.82 wurden zwei Quellen herangezogen: die handschriftliche Partitur DVII 1902 n.77 des Musikarchivs der Basilika Antoniana1 in Padua ist die einzige Quelle, die Dounias in seinem Katalog anführt;2 und das Manuskript in mehreren Teilen von Berkeley, aus der Musikbilbliothek der Universität von Californien, It.911.3
Die handschrifliche Quelle besteht aus einer Titelseite und aus sieben Blättern mit je 16 Notenliniensystemen pro Seite. Der Titel «Concerti Tartini Partit.a n.124» ist handgeschrieben am Deckblatt. Die Zahl wurde später zu 77 geändert und weiter oben auf die Seite gedruckt. Wie immer bei Tartini, ist das Manuskript sauber und präzise. Man Wndet keine Korrekturen oder Tilgungen, weder im musikalischen Text noch zwischen den Notenlinien. Es gibt keine Tempovorzeichen am Anfang des 2. und 3. Satzes. Der Komponist gibt auch keine Orchesterzusammensetzung an, bezeichnet jedoch vier Teile mit Tutti und drei Teile mit Soli. Die Berkeley Quelle besteht aus 9 Quarto-Blättern mit je 10 Notenliniensystemen und ist von 1 bis 14 numeriert. Sie ist Teil einer Handschriftensammlung, die auch andere Konzerte enthält. Diese Sammlung entstand wahrscheinlich später, aber sicher von einem Kopisten aus dem Kreis Tartinis. Die verschiedenen Teile sind für violino principale, violino p.mo obligato, violino secondo obligato, violetta obligata, basso. Die erste Seite mit Notenlinien ist zugleich das Deckblatt und trägt den Titel Violino principlale / Concerto / del Sig.r Giuseppe Tartini, ohne weitere Anmerkungen. Die Handschrift ist sauber und deutlich, ohne Korrekturen oder Tilgungen. Die Anweisungen Tutti, Solo und Soli entsprechen denen der Handschriftenpartitur. Verglichen mit Tartinis Original sind die Änderungen minimal, abgesehen von 20 völlig abweichenden Takten für Viola im 1. Satz (T.79-98). Der 2. Satz, für alle Stimmen Andante, weist nicht das „Motto" von Tartinis Handschrift auf. Der 3. Satz aus der Berkeley Quelle, Presto, weicht vom Original ab: tatsächlich ist es der 3. Satz des Konzerts in G-Dur D.79. Bis heute konnte keine überzeugende Erklärung für diese Änderung gefunden werden; noch gibt es Aufschlüsse über mögliche Quellen dieses 3. Satzes, um sie mit dem Original vergleichen zu können. Aus diesem Grund wurde für die vorliegende, kritische Ausgabe nur Tartinis Original herangezogen, das bis jetzt der einzige Beweis für diesen Satz des Konzertes ist. Kritische Ausgaben von Tartinis Konzerten stoßen immer wieder auf fundamentale Lücken, die die philologische und musikalische Aufarbeitung seines Werkes begrenzen.4 Die Orchesterzusammensetzung in Tartinis Partituren ist immer problematisch, da sie normalerweise nicht vorgegeben ist. Man darf jedoch nicht vergessen, daß Tartinis Konzerte gewöhnlich in der Basilica del Santo zum Anlaß hoher Festtage aufgeführt wurden.5 Höchstwahrscheinlich war Tartini selbst der Solist (seit 1721 war er „1. Geiger und Konzertmeister"). Dokumentarische Überlieferungen und sein Traité des agrémens bezeugen, daß ihm ein hervorragendes Orchester zur Verfügung stand, gewohnt, bei derartigen Aufführungen zu glänzen. Dadurch waren detaillierte musikalische Anmerkungen in der Partitur nicht nötig.6 Das Rätsel der Orchesterzusammensetzung bei Tartini ist aber noch immer ungelöst. Studien dazu kommen meist zu dem Schluß, daß die Zahl der Musiker und Instrumente von deren Anwesenheit sowie den Anlässen der Aufführungen abhing.7 Hier können, an Hand der Originalpartitur und ohne eine Lösung dieser sensiblen Frage in Anspruch zu nehmen, die Stellen, die Tartini mit Tutti bezeichnet, wie folgt zugeteilt werden: die ersten Notenlinien der Sologeige und der ersten Geigen gemeinsam; die zweiten Notenlinien, gekennzeichnet mit Soli, einer obligaten Geige (oder einer Guppe der zweiten Geigen); die dritte, im Violaschlüssel, der Viola (oder einer Gruppe vonViolas); die letzte schließlich, im Baßschlüssel, dem Violoncello und Generalbaß. Die Stellen, die mit drei Systemen notiert sind, müssen sowohl erste und zweite Geigen als auch eine Sologeige haben, da alle Stimmen im Violinschlüssel geschrieben sind.8 Die Gegenüberstellung von Instrumentengruppen, die einen stilistischen Dialog von Klangintensitäten hervorrufen will, erinnert an die Strukturen der concerti grossi bei Arcangelo Corelli. Als Kontrast ist der 2. Satz des Konzerts in drei Teilen und im Violinschlüssel geschrieben, ohne weitere Vorzeichen. Für die Ausführung werden hier erste und zweite Geigen angedeutet. Auch der 2. Satz lehnt sich an Corellis adagi an, mit der omnipresenten cantabile höheren Stimme unabhängig von den beiden anderen, die eine harmonische Begleitung darstellen. In der handschriftlichen Partitur Wnden wir auch keine Stimme für ein Tastaturinstrument als Generalbaß, der der Forschung zufolge gegenwärtig war. Er scheint in keiner Partitur auf, und wenn basso erwähnt wird, bezieht es sich auf die Stimme und nicht das Instrument; es gibt keine Bezifferung. Die Benützung des Cembalos scheint ausgeschlossen, jedoch bezeugen einige Dokumente ausserhalb der Musikwissenschaft den Gebrauch der Orgel; besonders hinsichtlich der Sakralkonzerte für die Basilica del Santo, wo die Orgel dominierte.10 Allerdings herrscht Übereinstimmung, daß der Generalbaß die Tutti-Stellen begleitete, jedoch nicht die Soli.11 Diese Ausgabe überläßt die Ausführung des Generalbasses den Musikern.12 In Tartinis handschriftlicher Partitur gibt es am Anfang ein verschlüsseltes Motto, das Dounias entzifferte, «So pietà no hai».13 Den neuesten Untersuchungen zufolge ist dies weder ein Zitat aus der Literatur noch melodramatisch, sondern einfach eine Silbenfolge der Melodie der 1. Geige. Noch ist unklar, warum Tartini so einen kryptischen Weg zur Unterscheidung seiner Themen einschlug. Jedoch erscheint der gleiche Vers in Rosmira, Aria II, 2, einer von Vivaldi zusammengestellten Oper von mehr als einer Komponistenhand, die 1738 in Klagenfurt aufgeführt wurde.14 Tartini könnte entweder das Libretto oder die Partitur gekannt haben; daher könnte diese Stelle ein musikalisches Zitat sein, wobei er dasselbe musikalische Material verwendete; oder einfach ein persönlicher Kommentar der Arie. Diese Ausgabe folgt getreu Tartinis Handschrift, etwaige Änderungen begrenzen sich auf die Modernisierung des Schriftbildes. Die Variationen in der Berkeley Quelle sind in den Fußnoten der Einleitung aufgelistet. Keine dynamischen Vorzeichen wurden hinzugefügt, da diese für den sorgfältigen Musiker klar sein sollten. Die Ornamentik wurde vom Original übernommen, ohne Angabe für Ausführungen. Die Regeln des 18. Jahrhunderts für Routineausführungen von Verzierungen und Kadenzen an den Höhepunkten stellen die Forschung von Tartinis Stil bis heute vor ein ungelöstes Problem, obwohl der große Geiger Traite des agremens für seine Schule schrieb. 15 Diese Ausgabe möchte die Musik in ihrem historischen Kontext kritisch beleuchten, um dadurch die heutigen Aufführungen so weit wie möglich den Originalpraktiken und dem Stil des Komponisten annähern zu können. Padua, Oktober 1998
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The page compliments of Marisa Ciceran Created: Tuesday, July 22,
2003, Updated Monday, January 15, 2007
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