Matthias Flacius Illyricus
Berühmte Istrianer

 

Deutsch | English | Hrvatski | Italiano

 
atthias Flacius wurde als Mattia Vlacich am 3. 3. 1520 in Carpano, Albona in Istrien geboren, zu jener Zeit venezianisches Hoheitsgebiet. Er entstammte zweier alteingesessener Familien, sein Vater ist  Andrea Vlacich alias Francovich, d.h. er entstammte der Familie Francovich und besaß den Beinamen Vlacich. Seine Mutter ist  Jacobea Luciani, Tochter einer einflußreichen albonesischen Patrizierfamilie, verwandt mit dem ebenfalls aus Albona stammenden lutheraner Baldo Lupetino, der für Mattias weiteres Leben wegweisend sein sollte.

Lutheran Reformer und Philologe

geboren in Albona
1520

Der latinisierte Name Matthias Flacius Illyricus ist von zweierlei Bedeutung. Zum einen ordnet er den Träger in die geistigen Bewegungen der Renaissance, des Humanismus und der Reformation ein und zum anderen weißt er auf die väterliche walachische Abstammung und Herkunft von der östlichen Adriaküste hin, die im 3. vorchristlichen Jahrhundert Illyrien genannt wurde. In seinen späteren Schriften fügte Mattia noch seine Geburtsstadt hinzu und zeichnete sie mit M. F. I. A. - Matthias Flacius Illyricus Albonensis. 

Bereits als Kind verlor Mattia beide Eltern und kam zu seinem Onkel mütterlicherseits, der mit der Schwester des Minoritenprovinzials Baldo Lupetina (Baldus Lupetinus) verheiratet war. Jener Fra Baldo Lupetina wurde später als Lutheraner in Venedig eingekerkert und vom Santo Ufficio 20 Jahre gefangengehalten. Da er nicht widerrief wurde er zum Tode verurteilt und 1562 ertränkt. In jungen Jahren wurde Mattia zunächst in Albona von dem Mailänder Franciscus Ascerius unterrichtet. Mit sechzehn Jahren ging Mattia nach Vendig, wo er von Giambattista Cipelli (Johann Baptista Aegnatius) eine humanistische Ausbildung bekam. Baldo Lupetina wies  Mattia auf die reformatorischen Schriften Martin Luthers hin und  gab ihm den Anstoß zum Studium nach Deutschland zu gehen. Über Augsburg kam er 1539 nach Basel und inskribierte am 1.5.1539 an der dortigen protestantischen Universität als „Matheus de Franciscis de Albona Polensi Diocesi in Illyrico sub Venetorum dicione, pauper“.
   
Copyright © 2000, Guido Villa. All rights reserved.
 

1540 verließ er Basel und erreichte zunächst Tübingen, wo er seine Studien begann, doch schon ein Jahr später durch Camerarius nach Wittenberg empfohlen wurde. Dort schloß er sich zunächst Melanchton an schloß seine Studien des griechischen und hebräischen ab, wurde als Korrepetitor eingesetzt  und erwarb 1543 seinen Magistergrad. In Wittenberg lernte er Martin Luther kennen und fand bei ihm seelsorgerlichen Zuspruch bei seinen Anfechtungen.

Er überwandt seine religiösen Skrupel und wurde zu einem glühenden Lutherianer. Bereits 1543 schickte Luther ihn nach Venedig, um dem Dogen und dem Senat einen Botschaft des Schmalkaldischen Bundes überbringen zu lassen, um das Leben des inzwischen eingekerkerten Baldo Lupetina zu retten. 

Trotz des Mißerfolges dieser Missioon stieg dadurch Mattias Ansehen derart, dass er 1544 durch Unterstützung von Luther, Melanchton und Budenhagen Professor für Hebräisch an der Philosophischen Fakultät Wittenberg wurde.  Somit begann er seine akademische Laufbahn als Philologe und unterrichtet zusätzlich Griechisch. Im Jahre 1545 heiratet er eine Pastorentochter aus der Umgebung von Wittenberg.

Seine erste Schrift De vocabulo fidei verfaßte er 1549, eine vom hebräischen ausgehende sprachliche Auslegung des Glaubensbegriffes.  Sie wurde später erweitert durch eine Abhandlung über Begriff und Gehalt des Glaubens De voce et re fidei (Basel 1555). Bekannt wurde Matthias Flacius durch seinen Kampf gegen das „Augsburger Interim“ des Kaisers Karl V., eine neue kirchenpolitische Regelung von 1548, der gegenüber sich Melanchton allerdings kompromißbereit zeigte. Es entstand eine der ersten religiös-publizistischen Werke Mattias Flacius', die Apologia, eine Rechtfertigungsschrift gegen das Interim.

Die Streitigkeiten führten dazu, dass er 1549 seine Professur aufgeben mußte, Wittenberg verließ und sich nach Magdeburg begab, wo er als freier Gelehrter und Schriftsteller arbeitet Von hier aus bekämpfte er, im festen Glauben an die Reinheit der lutherischen Glaubenslehre gegen den Philipismus, dessen Konzept einer Unterscheidung von Haupt- und Nebensächlichkeiten innerhalb des evangelischen Glaubens er nicht mittragen konnte. Später bekämpfter er die Majoristen, die die Werkgerechtigkeit des Menschen neben dem Glauben für die Rechtfertigung des Christen vor Gott in Anspruch nehmen wolten. Es entstanden umfangreiche Werke wie der Catalogus testium veritatis von 1556, ein Verzeichnis hunderter ‘Zeugen’ der christlichen Wahrheit aus den vergangenen Jahrhunderten, die er als Vorkämpfer der Reformation betrachtete.  Diese theoretische Grundlegung wurde zum Kern der „Magdeburger Centurien“ (1559-1574), ein Werk in 13 Bänden, in denen Flacius die historische Entwicklung der einzelenen Jahrhunderte (Centurien) des Christentums darstellte. Die Ausarbeitung des 14.-16. Jahrhunderts blieb unvollständig und ist nur handschriftlich überliefert, diese Handschriften werden heute in Wolfenbüttel aufbewahrt.

Ein weiteres Werk der Magdeburger Zeit ist das Confessio Waldensium (1586 in Basel erschienen), ein Ergebnis Flacius’ langjähriger Erforschung des Hussitentums, in dem er darstellt, wie die Zerissenheit der Hussiten von Prag und Tabor nach Hus’ Tod ihren Zusammenbruch herbeigeführt hatte. Daraus sollte der deutsche Protestantismus seine Lehren ziehen und keinen Versuch eines Kompromisses zur Versöhnung mit Rom unternehmen, da dies unweigerlich das Ende des Protestantismus und der reinen christlichen Lehre wäre.


Labin

1557 folgte er einem Ruf der Universität Jena in Thüringen und übernahm dort eine Professur  für das Neue Testament an der Theologischen Fakultät und die Stelle des Generalsuperintendenten. 1559 wurde das sog. Konfutationsbuch, das den Bürgern die Pflicht auferlegen sollte die aufgezählten Irrlehren zu bekämpfen, darunter auch die der Adiaphoristen, d.h. der Wittenberger um Melanchton.

Bereits 1558 kam es bei den 'Wormser Gesprächen' zwischen Katholiken und Protestanten zu Differenzen im protestantischen Lager, wobei die Gegnerschaft gegen Flacius und seine Anhänger wuchs. Die Streitigkeiten an der Jenaer Universität und die starre Haltung der Flacianer bei theologischen Auseinandersetzungen um die Erbsündenlehre endeten im Dezember 1561 mit der Entlassung Matthias’ Flacius. Sein streitbares Auftreten verstimmte Herzog Albrecht, der ihn 1561 des Landes verweisen ließ. Über Nürnberg kam er im Februar 1562 als Flüchtling nach Regensburg, wo er eine Aufenthaltsgenehmigung für sich und seine Familie erhielt, allerdings unter der Bedingung sich nicht mehr in kirchliche Angelegenheiten einzumischen.  Er zog sich zunächst zurück, gab privaten Hebräischunterricht und arbeitet an einem seiner bedeutendsten Werke der Clavis Scripturae sacrae das 1567 erschien. In diesem Buch verarbeitete er die exegetischen Leistungen von Luther, Melanchton und Calvin. Neben der Auslegung der heiligen Schrift werden hermeneutische und anthropogeographische (methodische) Probleme ausgeführt. Er bot darin im ersten Teil ein biblisch-theologisches Wörterbuch und im zweiten Teil sieben hermeneutische Traktate, die Hinweise auf die wissenschftlichen Hilfsmittel  für Auslegung und Erklärung der Bibel gaben. Flacius wird dadurch als Begründer einer neueren Hermeneutik angesehen.

1566 findet Flacius Aufnahme und eine Stelle als Pfarrer bei der lutherischen Gemeinde in Antwerpen. Vom Krieg vertrieben verläßt er die Stadt und erhielt 1567 in Straßburg eine Aufenthaltsbewilligung. Er beendete sein letzten großes gedrucktes Werk, die Glossa compendiaria in Novum Testamentum (erschienen in Basel 1570). Es enthält den griechischen Text des Neuen Testaments, die lateinische Übersetzung von Erasmus mit Ergänzugen und einem umfangreichen Kommentar von Flacius. In den letzten Jahren arbeitete er an Kommentaren zu den Paulusbriefen, der Apokalypse und dem Alten Testament. Dieses etwa 5000 Seiten umfassenden Werk befindet sich ebenfalls im schriftlichen Nachlaß in Wolfenbüttel. In der Straßburger Zeit bringt er den althochdeutschen 'Liber Evangeliorum' Otfrieds von Weißenburg aus dem 9. Jahrhundert zum Erstdruck. Als ein Streit um die Erbsündenlehre ausbrach, wurde  Flacius 1573 aus Straßburg ausgewiesen. In Frankfurt am Main fand er gegen den Willen des Stadtrates Asyl im Weißfrauenkloster unter dem Schutz der jungen Priorin Katharina von Meerfeld. 1574 unternahm er noch Reisen nach Berlin, Thüringen und Schlesien, hielt Vorträge und nahm an Colloquien teil. Zurückgekehrt nach Frankfurt starb er mit erst 55 Jahren am 11. März 1575. 

Flacius war einer der konsequentesten Gnesiolutheraner der zweiten Reformatorengeneration. Die lutherische Kirchengeschichtsschreibung verdankt ihm ihre theoretische und praktische Grundlegung. Neben der  herausragenden kirchen- und geisteshistorischen Arbeit ist er für die Bibelwissenschaft von  großer Bedeutung geworden durch seinen Hermeneutik ‘Clavis scripturae sacrae seu de sermone Sacrarum literarum’ und durch sein Bibelwerk ‘Glossa compendiaria'. 

Veröffentlichungen: 

  • 1549: De vocabulo fidei (Vom Begriff des Glaubens)
  • 1555: De voce et re fidei (Vom Begriff und Gehalt des Glaubens)
  • 1556: Catalogus testium veritatis, qui ante nostram aetatem reclamarunt Papae (Katalog der Zeugen der Wahrheit), verm. Aufl. 1562; hrsg. v. Johann Conrad Dietericus, Frankfurt 1672.
  • 1558: Confessio Waldensium
  • 1559: Konfutationsbuch
  • 1559-1574: Ecclesiastica historia, integram Ecclesiae Christi ideam ... secundum singulas Centurias, perspicuo ordine complectens ... ex vetustissimis historicis ...congesta: Per aliquot studiosos et pios viros in urbe Magdeburgica, (Magdeburger Zenturien) 13 Bde., Basel 1559-74. 
  • 1567: Clavis Scripturae Sacrae seu de Sermone Sacrarum literarum, (Schlüssel zur Heiligen Schrift) ebd. 1567.
  • 1570: Glossa compendiaria in Novum Testamentum 

Das Bild zeigt Matthias Flacius in einem Kupferstich von De Bruy

Literatur:

  • Baur, Jörg. Flacius - "Radikale Theorie". In: Matthias Flacius Illyricus. Schriftenreihe des Regensburger Osteuropainstituts, Band 2. Lassleben, Regensburg 1975.
  • Bratulic, Josip. Mirkovicev Flacius -Vlacic. In: Znanstveni skup posvecen Miji Mirkovicu. Pula/Pola-Rijeka/Fiume-Zagreb 1971. 
  • Preger, Wilhelm. Matthias Flacius Illyricus und seine Zeit.  Hälfte 1. und 2. Hildesheim, Olms 1964. Neudruck der Ausgabe Erlangen 1859-1861.
  • Stadler, Hubert. Martin Luther und die Reformation. ECON Verlag 1983 Wien.
  • Stupperich, Robert. Reformatorenlexikon. Gütersloher Verlag 1984 Gütersloh.
  • Wedel, Erwin. Matthias Flacius Illyricus. Schriftenreihe des Regensburger Osteuropainstituts, Band 2. Verlag Lassleben, Regensburg 1975. 

Links:

  • http://www.flacius.net/ (English, Deutsch, Italiano and Hrvatski)
  • Flacius Illyricus Matthias - http://www.fwkc.com/encyclopedia/low/articles/f/f008000631f.html
  • Biblical Theology and the Analogy of Faith - http://www.fuller.edu/ministry/berean/analogy.htm
  • Paracelsianism as a religion, in conflict with the established churches - http://www.ritmanlibrary.nl/theophrastia.html
  • Concordia Lutheran Conference, The Flacian Controversy - http://www.concordialutheranconf.com/cl_articles/CLO_articleMLN_sept1995.cfm

Main Menu


This page  compliments of Michael Plass

Created: Sunday, June 18, 2000. Last Updated: Tuesday November 27, 2012
Copyright © 1998 IstriaNet.org, USA