Es ist wenig bekannt und noch weniger beachtet, dass seit dem Beginne des 16. Jahrhunderts, also in neuerer Zeit, das slavische Bevölkerungselement auf süddeutschem Boden durch Zuzüge von auswärts eine Verstärkung erfahren hat, deren Nachwirkungen sich noch gegenwärtig geltend machen..

Zwar sind die betreffenden Wohngebiete dermalen in staatsrechtlicher Beziehung kein deutscher Boden mehr. Sie sind jetzt teils Bestandteile des vom Deutschen Reiche ausgeschlossenen Staates Oesterreich, teils zwischen diesem Staate und Ungarn streitig. Aber zur Zeit, wo die fraglichen Siedlungen stattfanden, waren sie sämtlich deutscher

Die hier in Betracht kommenden Gebiete sind:

I. Istrien,

soweit es ein altösterreichisches Besitztum ist und demgemäss dem Deutschen Bunde bis zu dessen Auflösung (1866) einverleibt war. Welche Gemeinden des Landes als in diesem Verbände begriffen angesehen wurden, ergibt sich am deutlichsten aus der Zusammensetzung der Wahlbezirke für die im April 1848 vom Gouverneur des österreichisch-illyrischen Küstenlandes dort ausgeschriebenen Wahlen zum Frankfurter Parlamente. Zur Teilnahme hieran wurden aufgefordert alle Gemeinden der heutigen Gerichtsbezirke Voloska, Castelnuovo und Pisino (Mitterburg); dann vom Gerichtsbezirke Albona die jetzigen Gemeindeparzellen Schumberg, Berdo, Ceppich, Chersano, Cosliaco (Wachsenstein), Jessenovich, Malacrasca und Vülanuova; vom heutigen Gerichtsbezirke Pinguente die Gemeindeparzellen Tibole, Dolenjavas, Gorenjavas, Lesišcine und Semić; endlich vom Gerichts bezirke Capodistria die grosse,seither aufgeteilte Gemeinde Dolina, welche dem Triester Wahlbezirk einbezogen ward (1). Eigentlich wurden, mit geringer Ausnahme, die betreffenden Pfarrsprengel der Zusammenstellung zu Grunde gelegt Weil aber der Umfang dieser sich noch schwerer definieren lässt, als das einzelne Gemeindegebiet, so habe ich im Vorstehenden mich an die Gemeinden und an die Parzellen solcher gehalten.

Ein Blick auf die Landkarte lehrt, dass es beinahe durchgehends verkarstete Gebirgsgegenden sind, welche das altösterreichische Istrien ausmachten. Darunter ist der Ucska-Gora (von den Italienern Monte maggiore) benannte Gebirgsstock und der nordwestlich davon sich ausbreitende "Tschitschen-Boden". Gerade diese beiden Punkte müssen wir hier näher ins Auge fassen; denn ihnen wendete sich zu Anfang des 16. Jahrhunderts und später noch die slavische Einwanderung zu, welche ein Beträchtliches zur ethnographischen Ausgestaltung Istriens beitrug. Dieselbe verdrängte hier sogar allem Anscheine nach keltischromanische Voreinwohner und Spuren deutscher Einwirkung, beziehungsweise die Träger der hierin sich äussernden Kultur. Carlo De Franceschi hat dies mit seinem vorzüglichen Werke "L'Istria, note storiche" (Parenzo 1879) sehr wahrscheinlich gemacht.

Nach ihm (s. den von der Grafschaft Mitterburg handelnden 40. Abschnitt S. 371 ff.) war im altösterreichischen Istrien der Adel von alters her deutsch und prägte derselbe der ganzen Verwaltung dieses Gebietes den Charakter der eigenen Nationalität auf (2). In der Hauptstadt Mitterburg lebten noch im Jahre 1579 die Edelleute Kaspar Raab, Christoph Klee, Sigmund Moser, N. Kroffzover (?), Joh. Schaurer (Scheyrer), Jakob Auer, N. Fegiber und mehrere, deren italienisierter Name immer noch den deutschen Ursprung verriet, wie z. B. die Rampelli. Als Besitzer von Herrschaften im Bereiche der Grafschaft Mitterburg (Pisino) erscheinen um diese Zeit die Krottendorfer, die Kerschainer u. a., welche bei ihren Korrespondenzen sich ausschliesslich der deutschen Sprache zu bedienen pflegten; in älterer Zeit aber ragten in dieser Hinsicht die Herren von Walsee, von Eberstein, von Walderstein, von Seisenberg, von Stein (die den Turm zu Gherdosella als österreichisches Lehen innehatten), die Hohenegger, Rauber, Dürer (von der Dürr) u. s. w. hervor, welchen es zugeschrieben werden muss, dass in [363] jenen Gegenden nicht nur Burgen, sondern auch Dörfer in früherer Zeit deutsche Namen trugen und zum Teile noch jetzt tragen. So hiess Cosliaco Wachsenstein, Lupoglav Marnfels, Vragna die Goldsburg, San Servolo Fünfenberg, Raspo Raspurg, das Dorf Male Loče (im Gerichtsbezirk Castelnuovo) Ladschach, das Dorf Sv. Ivanac (im Gerichtsbezirk Pisino) St. Johannesberg. Dermalen erinnern wohl nur mehr St. Peter im Walde, Bern (Vermo), Schumberg, Kaiserfeld (Cachierga), dessen Fraktion Valta (nach De Franceschi im Jahre 1365 urkundlich "Wald"), der Weiler Camusberg (Kamusbreg) bei Mitterburg und dieses selbst, endlich der Weiler Gaberg (Gaberk) in der Ortsgemeinde Castelnuovo an die Zeit, wo deutsche Dynasten und deren Pfleger gleicher Abkunft im altösterreichischen Istrien die Ansiedlungen mit Namen belegten, die ihnen von ihrer Muttersprache her geläufig waren. Von den deutschen Adelsfamilien, die einst dort wohnten, sollen nur noch die aus Schwaben stammenden Herren von Walderstein dort ansässig, übrigens auch schon längst aus dem Besitze ihrer Erbgüter verdrängt sein (3). Im Bereiche der ehemaligen Herrschaft Marnfels sind die Ortsbenennungen Oberdorf, Niederdorf, Fuchsdorf, Neusass und Schroflach, welche im Urbarsteuerregister vom Jahre 1560 vorkommen, vollständig verschwunden.

Slavische Namen sind an ihre Stelle getreten. Und älter noch als diese sind dort die slavischen Siedlungen, welche das meiste zu dem Umschwunge beigetragen haben, der im nordöstlichen Teile von Istrien während des 16. Jahrhunderts sich vollzog.

De Franceschi hebt (a. a. 0. S. 402 bis 405) namentlich die Tschitschen (Cicci) hervor, welche um das Jahr 1532 Gegenstand vieler Anfechtungen waren, weil die alteinheimische Bevölkerung diese Ankömmlinge nicht in ihrer Mitte dulden wollte, wogegen die landesfürstliche Kammer ihrer zur Bebauung der verödeten Landstriche in der Grafschaft Mitterburg nicht entbehren konnte.

Der eben genannte Schriftsteller identifiziert diese Tschitschen mit den Morlaken und meint, dass sie der Abstammung nach Serben waren, welche aus Bosnien, der Herzegowina, Dalmatien und Albanien nach Istrien und dem oberen Karstgebiete auf der Flucht vor den Türken kamen. Er bemerkt (S. 405), dass gleichzeitig auch Kroaten als unstät dort herumirrend erwähnt werden, dass diese von den [364] Tschitscheu durch ihre Tracht sich unterschieden, übrigens gleichfalls vor den Türken, die ihre Heimat besetzt hielten, in jene Gegenden sich geflüchtet hatten. Damit widerspricht er einerseits der Annahme, dass die Tschitschen eine Abart der Kroaten sind, andererseits aber auch der viel verbreiteten Meinung, dass ihr ursprünglicher Typus in den Rumänen, welche noch derzeit Istrien bewohnen, am reinsten sich erhalten hat. Und in der That sind die Tschitschen nicht mit den Istrianer Rumänen zu verwechseln, wenn schon ihr Name auf die letzteren übergegangen und zum Ausdruck eines Kollektivbegriffes geworden ist, der auch letztere in sich begreift.

Heutzutage rechnet man eben zu den Tschitschen alle Bewohner des Tschitschenbodens, die durch Tracht und Lebensweise, Sitten und Gebräuche, Bildung und Beschäftigung mit dem erwähnten Grundtypus übereinstimmen (4). Ob dieser wirklich derjenige ist, den die in Nord-Istrien eingewanderten Tschitschen an sich trugen, als sie ins Land kamen, oder nicht vielmehr von älteren Insassen desselben herrührt, das hat noch niemand untersucht, geschweige denn irgend jemand ergründet. Was über den Zuzug der Tschitschen zu Anfang des 16. Jahrhunderts bekannt ist, berechtigt die gegenteilige Behauptung aufzustellen und sie für ein Gemisch von Slaven und Romanen zu erklären. Ich habe einiges hierauf Bezügliche bereits vor zehn Jahren in meiner Schrift "Die Romanen und ihre Verbreitung in Oesterreich" (S. 86) aus einer 1523 verfassten "Beschreibung des Gschloss Marenfels" mitgeteilt. Bei nochmaliger Durchsicht dieser Handschrift drängte sich mir die Ueberzeugung auf, dass unter den damals nach Istrien gekommenen Tschitschen das slavische Element überwog. Dies ergibt sich aus den altkroatischen Eigennamen, welche die Mehrzahl derselben trug, und aus dem Hinweise auf Altkroatien als auf deren frühere Heimat. Als zu Schumberg (dermalen Fraktion der Ortsgemeinde Albona) vor kurzem sesshaft gewordene Tschitschen werden in obiger Handschrift neben den "Landt-Pauern" (und von diesen deutlich unterschieden) genannt: Thomas Velickh, Fabian Frainitsch, Lexa Frainitsch, Marco des Litzal Aiden (Eidam), Vido Vettula, Iban Mortion, Jacob des Litzal Sun, Margaretha des Lorenzen Wittib, Gregor Lutzolobitz, Simon Dobrasinitz und Jacob Tscherne. Dagegen erscheint unter den "Landt-Pauern", worunter man wohl die altansässige Bevölkerung zu verstehen hat, ein Peter (Detter?) Franckhobin und ein Ivan Pauca, welche beide Namen romanisch klingen. Zu Sveti Ivanac (Sankt Johannesberg), einer Fraktion der Ortsgemeinde Gimino im Gerichtsbezirke Pisino, wo im Jahre 1523 beinahe ausschliesslich Tschitschen sassen, führten die Familienhäupter folgende Namen: Stefan Walitsch (Supan, d. h. Ortsvorsteher), Matte Walitsch, Andrä Flockhobitz, Matte Pribolobitz, Ivan Medanitsch, Gregor Wiclitsch, [365] Simon Minischlitz, Gregor Wukhobitz, Thomas Korbabitz, Paul und Lucas Zwittitz, Lucas Kerkarbuzitz, Perko Pusche-Janitz, Thomas Penestickh, Thomas Millitz, Vid Padawinitsch, Michel Mamesitsch, Micla und Radim Grubesitz, Jade Dulmanitz, Ivan Ottasitz, Marco Wisitz, Stefan Peclibabitz, Die Endung bitz steht da statt witsch (vint>ć) und allgemein ist statt itz itsch (ić) zu lesen. Gleiches gilt von den Eigennamen der damals zu Ladschach, d. h. zu Male-Loče, einer Fraktion der Ortsgemeinde Castelnuovo (5), ansässig gewesenen Tschitschen: Barthol Balatitz, Andrä Waletitsch, Imre Gorschitz und Milekhobitz, während der dort vorgekommene Name Ivan Pilanebetz die slovenische Endung wetz (vec) aufweist.

Diesen Eigennamen nach zu urteilen waren es also mit geringer Ausnahme entweder Kroaten oder doch durch längeren Aufenthalt in Kroatien mit der dortigen Bevölkerung verschmolzene Fremdlinge, welche unter dem rätselhaften Namen Tschitschen in Istrien dem Mangel an heimischen Arbeitskräften abhalfen, indem sie daselbst sich niederliessen.

Dass diese Einwanderer aus Niederbosnien oder vielmehr aus Türkisch-Kroatien zugezogen sind, ergibt sich aus dem Gesandtschaftsberichte, welchen Benedikt Kuripeschitz Über eine im August 1530 nach Konstantinopel unternommene Reise erstattet hat (6) und in welchem es heisst, die Bewohner von Niederbosnien gehören drei verschiedenen Nationen und Glaubensbekenntnissen an; sie seien teils "alte Bossner", welche zum römischen Glauben sich bekennen, teils "Surffen, die nennen sie (die Bosnier?) Walachen und wir nennen sie Zygen oder Martholosen, die kommen von dem Ort Schmedrav (Smederevo) und Griechisch-Weissenburg (Belgrad an der Donau) und haben St. Pauls Glauben"; endlich "rechte Türken" (welche uns hier nicht weiter interessieren). Auf dem 15. Blatte wird noch bemerkt, dass die wahrnehmbare Entvölkerung Bosniens ihren Grund unter anderem darin habe, dass "die Surffen, Zitzen vnd Martholosen von wegen der schatzung der zynss vnd beschwerung der Herrschafft vast weg flyiehen".

Wenn, was kaum zu bezweifeln ist, die da zuerst erwähnten Zygen identisch sind mit den nachher erwähnten Zitzen und wenn diese Angaben überhaupt Glauben verdienen, so kann daraus gefolgert werden, dass die Tschitschen aus Bulgarien, wo die Sekte der Paulichianer am stärksten vertreten war, nach dem heutigen Serbien, von [366] hier nach Bosnien und von hier nach Altkroatien ihre Schritte lenkten, um schliesslich am Karst als an der äussersten Grenze ihrer Verbreitung gegen Westen Halt zu machen (7). Dass sie noch im Jahre 1527 Altkroatien nicht ganz geräumt hatten, erhellt aus einem Schreiben der niederösterreichischen Regierung in Wien d. d. 8. Februar 1527 an die Verordneten der Krainer Landschaft, wonach die Bane in Kroatien, in Erledigung einer von jenen vorgebrachten Bitte, damals den Auftrag erhielten, "ain anzall Tschitschen zu den geringen Pferden in Crabaten" aufzunehmen, und unterm 7. Januar 1528 wiesen die Stände des Herzogtums Krain neuerdings auf die Notwendigkeit hin, "mit etlichen Tschitschen oder anderen, die nach Modrusch oder Bründl gelegt werden könnten, ain gegenwer wider die Martalosen aufzurichten". Diesem Wunsche wurde entsprochen, bald darauf aber, unterm 6. und 9. September 1530, sowohl den Tschitschen in Istrien und am Karst als denjenigen, welche "ausser Lands gesessen", der Einkauf von Getreide zu Rudolfswörth und in der Möttling verboten, offenbar um den Schmuggel zu verhindern, welchen dieselben damit trieben (8). Einige Jahre später geschieht ihrer in Verbindung mit den sogenannten Uskoken Erwähnung, welche im Südosten von Krain unterzukommen suchten. Da hier im Jahre 1538 kein Platz mehr für sie war, beantragten die Krainer Stände: "die Tschitschen möchten zu Starigrad (unterhalb Zengg an der Küste von Altkroatien) unterpracht werden." Aber noch im folgenden Jahre klagten Tschitschen und Uskoken über ungenügende Unterkunft und über die deshalb den Winter hindurch erlittenen Drangsale, worauf der königliche Kommissär Erasmus von Thurn unterm 1. Juni 1539 dem König Ferdinand das Gesuch der Tschitschen um Anweisung öder Grundstücke am Karst und in Istrien zur Gewährung vorlegte (9). Da trotzdem diesem Begehren nur mangelhaft entsprochen wurde, gelang es im Jahre 1540 einem türkischen Emissär, welcher an der venetianischen Grenze sein Unwesen trieb, viele Tschitschen zur Rückkehr in die Türkei zu bereden (10), welche im nächsten Winter wirklich stattfand (De Franceschi a. a. 0. S. 405). Immerhin blieb eine beträchtliche Zahl solcher am Karst zurück. Sonst hätte nicht ein ansehnliches Stück dieses Gebirges bleibend nach ihnen benannt werden können und wäre ihr Name längst aus der Geschichte von Istrien verschwunden.

Zur nämlichen Zeit, wo die Tschitschen über den Karst sich ausbreiteten, fassten auch viele Altkroaten hier festen Fuss.

[367] Die oben angeführte "Beschreibung des Gschloss Marenfels" vom Jahre 1523 enthält mehrere hierauf bezügliche Vermerke. Von der Ortschaft Borutto (bei Bogliuno in Istrien) wird gemeldet, dass unter den dortigen 5 Bauern einer "aus Krabattn" sei, welcher 1000 Frischlinge, d. h. zur Aufzucht bestimmte Lämmer mitbrachte und auch so viel Zehnt davon entrichtete, als die übrigen 4 Bauern zusammen. Bei der Ortschaft St. Johannesberg (Sv. Ivanac) heisst es vom Bauer Jure Bray Milobitz: "ein Krabat so jetz der Turkhen halber herauss zogen ist, hadt auch ein solchen Grundt am 13. Tag Juny 1523 empfangen." Bald darauf fanden auch im Waffengebrauche geübte Männer von altkroatischer Abkunft im Bereiche der Herrschaft Marnfels eine neue Heimat. Ferdinand I. verpfändete unterm 10. Dezember 1527 dem Hauptmann von Zengg, Peter Krusitsch, um ihn an sich zu fesseln, diese Herrschaft (11), und letzterer verlieh dort seinen Kriegsgefährten Thomas Gwozdanovich, Georg Waryakitsch und Anton Homitsch für (bei der Verteidigung von Clissa in Dalmatien ?) treu geleistete Dienste mehrere Ansässigkeiten, in deren Besitze belassen zu werden dieselben im November 1537 den König Ferdinand baten (12). Drei Enkel jenes Gwozdanovich erneuerten diese Bitte im Jahre 1585 (13). Auf dem Gebiete der Herrschaft Castelnuovo füllten damals Ankömmlinge aus Kroatien sogar ganze Dörfer.

Als im Winter von 1574 auf 1575 eine ambulante Kommission im Auftrag des Erzherzogs Karl von Innerösterreich die landesfürstlichen Pfandgüter am Karst bereiste, stiessen derselben Zweifel darüber auf, ob die Dörfer Gross- und Klein-Munach (Mune grande und Mune piccolo) und Seyach (Zajevse) zum Schlosse Castelnuovo oder zur Herrschaft Schwarzenegg gehören. Bei den Erhebungen hierüber (14) stellte sich heraus, dass diese drei Dörfer zur Zeit, wo Graf Christoph Frangepan (Frankopan) Pfandinhaber des Schlosses Castelnuovo gewesen war, nämlich in den Jahren 1510 bis 1525, durch ihn mit "vertriebenen Unterthanen aus Crabathen" besetzt worden waren. Die bejahrten Insassen derselben, welche von jener Kommission einvernommen wurden, sagten sämtlich aus: weder sie noch ihre Väter seien daselbst geboren, sondern der genannte Graf habe sie dahin gebracht. Die Wohnplätze und Grundstücke, welche sie durch letzteren zugewiesen erhalten hatten, waren vordem im Besitz venetianischer Unterthanen gewesen, die unter dem Hauptmann zu Raspo standen, jedoch nach Zerstörung dieses Schlosses durch den Grafen Frangepan abgezogen waren. Nach der von der Kommission veranstalteten Urbarialbeschreibung fanden sich im Dezember 1574 vor: zu Mune grande 20 Bauern und 5 Untersassen (vornehmlich Träger der Namen Vitzig, Androschig [368] und Wurlonig), zu Mune piccolo 5 und zu Zajevse 12 Bauern (die zur Mehrzahl Sankhonig hiessen, was wohl richtiger Sanjkowitsch gelautet haben wird, so wie der Berne Stambulig, welcher im Verzeichnisse eingetragen ist, sicher Stambulitsch hiess). Ein viertes Dorf, das um die nämliche Zeit Kroaten zu Bewohnern erhielt, war im Bereiche der Herrschaft Castelnuovo laut einem damals verfassten Verzeichnisse ihrer Bestandteile (im Krainer Landesarchiv, Camer. Lit. N. VIII) Dobillane, von welchem gesagt ist, dass es früher Damian de Tarsia besass und dass die unlängst mit Peter Wukalitsch aus Kroatien dahin übersiedelten Bauern auf mehrere Jahre abgabenfrei sind.

Eine dritte Gattung Slaven, welche im 16. Jahrhundert das nördliche Istrien bevölkern half, waren die Morlaken, d. h. aus Dalmatien zugewanderte Flüchtlinge, welche diese ihre Bezeichnung von dort mitbrachten und deren Voreltern wahrscheinlich in der gleichen Eigenschaft Dalmatien betreten hatten. De Franceschi erwähnt (a. a. 0. S. 403) ein Gesuch zweier Edelleute von Mitterburg, welches diese im Jahre 1598 an die innerösterreichische Hofkammer zu dem Zwecke richteten, dass ihnen Ländereien im Gebiete von Gimino, in deren Besitz 12 Familien aus Clissa in Dalmatien durch landesfürstliche Verleihung gelangt waren, infolge des Aussterbens derselben überlassen werden. Mit diesen Ansiedlern hat es nun nachstehende Bewandtnis (15). Sie waren im Jahre 1584 durch die Republik Venedig vertrieben und ihrer ererbten Güter beraubt worden, weil sie an einem die Eroberung der Festung Clissa bezweckenden Anschlage sich beteiligt hatten. Sie begaben sich zunächst nach Fiume, wo sie Handelsgeschäfte zu betreiben sich anschickten und samt ihrem Gesinde seitens des Erzherzogs Karl eine monatliche Unterstützung genossen. Anfänglich nur 5 Familien, d. h. Hauskommunionen umfassend, wuchs diese Emigration im Frühjahre 1585 auf 8 Familienoberhäupter mit ihren Hausgenossen an, welchen sich ein dalmatinischer Priester, Simon Urbanéo, beigesellte. Obschon sie um Grundstücke baten, auf welchen sie Landwirtschaft treiben könnten, gedachte doch die österreichische Regierung, sie vorerst der Grenzmiliz einzuverleiben. Erst als eine andere Schar derartiger "Klisischer Priwegen", d. h. aus der Umgebung von Clissa weggewiesener Ueberläufer in der Nähe von Schwingkh (Gimino) Oedungen zum Wiederanbau eingeräumt erhielt, schlossen sich dieser Schar, an deren Spitze Mathias Crajatsch stand, einzelne Angehörige jener vorbezeichneten Gesuchsteller an. Dass das Vorgeben, diese Ansiedler seien im Jahre 1598 grösstenteils nicht mehr am Leben gewesen, wenig Glauben verdient, erhellt aus einer Gnadengabe, welche Erzherzog Karl ihnen im Jahre 1589 zugewendet hat, und daraus, dass sie im Jahre 1585 sich um die Erweiterung des Territoriums, welches ihnen überlassen worden war, bewarben. Sie wünschten damals zum Berge Arlatz, der ihrem Vieh als Weide diente, auch noch den sogenannten Marnfelser Berg zu erhalten, was ihnen jedoch verweigert wurde. Indessen kann gerade [369] dieser abschlägige Bescheid sie veranlasst haben, sich neue Wohnsitze im venetianischen Gebiete zu suchen.

Zu Anfang des 17. Jahrhunderts haben auch Zengger Uskoken, ihrem Wesen nach vermutlich gleichfalls Morlaken, am Utschkaberge Grundstücke erworben, auf welchen sie sich niederliessen. Als Oberhaupt der Hauskommunion, welche diese Ansiedlung begründete, erscheint der Woiwode Michael Raditsch, insgemein Novakowitsch genannt, und die betreffende Oertlichkeit ist im landesfürstlichen Verleihungsbriefe als "Albn oder Viehweidt" bezeichnet. Sie hiess Cobilli. Ihre Einantwortung an den "generoso Voivoda Miko Radich da Segna" erfolgte am 15. November 1605 zu Bogliuno durch den Hauptmann von Mitterburg (Pisino), Bernardin Barbo, welcher zum Zeichen der Uebergabe dem Vorgenannten Erdreich, Wurzeln und Blätter von den Grundstücken, die nebst einem Meierhof sein künftiges Besitztum ausmachten, in die Hände drückte. Raditsch genoss, wie es in der bezüglichen Konzessionsurkunde vom 3. April 1604 ausdrücklich hervorgehoben ist, "vmb seines adelichen Herkhombens und seiner mannlichen Khriegsdienst willen" volle Freiheit von allen Roboten und sonstigen bäuerlichen Verrichtungen (16). Auf derartige Kolonisten, beziehungsweise deren Nachkommen, ist wohl eher als, wie De Franceschi S. 404 meint, auf Sprösslinge der unter Peter Krusitsch aus Clissa dahin verpflanzten Uskoken die Aehnlichkeit in der Tracht mit den Morlaken Dalmatiens zurückzuführen, welche zu Semić, Dolenjavas, Gorenjavas und Lesišcine (sämtlich Fraktionen der heutigen Ortsgemeinde Rozzo im Gerichtsbezirk Pinguente, welche in früherer Zeit Bestandteile der Gemeinde Bogliuno im Bezirk Bellai gewesen sind), sich ansiedelten. Denn die Zengger Uskoken entstammen zumeist den dalmatinischen Slaven, welche, um der Türkenherrschaft zu entgehen oder durch die venetianische Republik dazu gezwungen, Seeräuber wurden (17). Uebrigens trägt auch ein Teil der Bevölkerung in der Umgegend von Voloska die kleine rote Kappe, deren das Landvolk um Sebenico in Dalmatien und die Mehrzahl der hiesigen Morlaken überhaupt sich als einer charakteristischen Kopfbedeckung bedient. Diese Kappe wird aus Sebenico bezogen. In den Liedern jener Landleute klingen dalmatinische Reminiszenzen an, so namentlich in dem Liede vom goldenen Apfel, welcher die Thore von Zara, Traú und Sebenico sprengte (18).

[370] Ein Beweis für die Stärke der diesbezüglichen Einwanderung in Nordistrien, welche durchgehends erst in neuerer Zeit vor sich ging, ist die Hervorhebung der Morlaken als eines namhaften Bevölkerungsbestandteils der ehemaligen Diözese Pedena in einer zu Anfang des 18. Jahrhunderts verfassten Beschreibung dieses bischöflichen Sprengeis (19).

II. Görz-Gradiska.

Von der engen Verbindung mit dem Deutschen Reiche, in welcher man vor Zeiten diese Doppelgrafschaft oder vielmehr Görz mit der erst im Jahre 1647 zur Grafschaft erhobenen Hauptmannschaft Gradiska sich dachte, gibt das Diplom vom 16. Juli 1626 Zeugnis, womit Kaiser Ferdinand II. die Görzer Stände auf ihre Bitte "zu rechten, gebornen, natürlichen, alten Teutschen" und die Grafschaft Görz zu einem Lehen des Deutschen Reichs erklärte. Karl Frhr. von Czörnig teilt diese Urkunde in seinem Werke: "Das Land Görz und Gradiska", Wien 1873, S. 601, mit. Er führt dort aber auch zahllose, diese Verbindung und ihre Wirkungen erläuternde Thatsachen an, so dass es genügt, hier auf dieses mustergültige Werk zu verweisen. Eine natürliche Folge hiervon war, dass Görz-Gradiska auch nach seiner Vergrösserung durch venetianische Enklaven im alten Verbande blieb und erst mit der Auflösung des Deutschen Bundes ein Bestandteil des Gebietes zu sein aufhörte, das unter dessen Schutz gestellt war.

Dass die Einwanderung der Tschitschen ihre Vorposten sogar bis in die Nähe der Stadt Görz vorgeschoben hat, ergibt sich aus einem Görzer Urbar vom Jahre 1670, welches in der alten Registratur der k. k. Statthalterei zu Triest aufbewahrt wird. Danach gab es zu Fratta ober Vertoiba ein Grundstück, welches die Bezeichnung trug: "vndter der Tschitschen Ranckh gelegen".

Zahlreich sind die Belege für das, wenn schon nur vereinzelte Eindringen von Kroaten in diese Gegenden. Gericht und Maut zu Cromaun (Cormons) hatte Stephan Kalamanitsch, der in alten Aktenstücken mit dem Prädikate "Krabat" erscheint, seit dem Jahre 1521 inne. Unterm 13. Februar 1528 erging seitens der Wiener Hofkammer der Befehl, das Amt Marano, welches später zum Teile wieder venetianisch wurde, dem Thomas Gardonitsch einzuantworten (20). Dabei ist nicht zu übersehen, dass Karl V. mit Diplom d. d. Brüssel 7. Juli 1521 dem Grafen Christoph Frangepan die Hauptmannschaften Marano und Gradiska zum Fruchtgenusse übergeben hatte (21), womit kroatischem [371] Einflüsse auf diese Gegenden die Bahn gebrochen war. Ein Urbar der Herrschaft Tybein (Duino) vom 17. Mai 1524 (im Krainer Landesarchiv) führt als zu Prosecco, das dermalen dem Triester Territorium einverleibt ist, sesshaft u. a. einen Lucas von Modrusch in Altkroatien an. In einem Görzer Urbar aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts (ebenda) erscheint als Supan (župan), d. h. Ortsvorsteher zu Doberdò (Gerichtsbezirk Monfalcone) Gregor Krobat und zu St. Martin bei Gradiska ein Valentin Krabath als Zeuge. Der Bericht über eine "Bereitung" der Grafschaft Görz vom Jahre 1523 (ebenda) ist mit einer Beilage versehen, aus welcher erhellt, dass zu Dörnach im Amt Haidenschaft eine öde Hube sich befand, welche um das Jahr 1485 ein Kroat namens Mathias erkauft und in einen Meierhof verwandelt hatte. Noch lange nachher wurde demselben dieser Kulturfortschritt als Verdienst angerechnet. Grundherr darüber war aber Heinrich Ellacher, welchem Kaiser Max I. "ein altes ödes haydnisch gemeur" samt allen dazu gehörigen öden Grundstücken ins erbliche Eigentum übergeben hatte. Der hiernach "Haidenschafft" genannte Burgfrieden begriff später auch jenen Meierhof in sich und seine Umtaufe in Ajdovšćina (italienisch: Aidussina) ist der beste Beweis, wie deutsche Gründungen hier selbst in Ansehung ihrer Benennung der Entnationalisierung ausgesetzt sind.

Noch mehr gilt dies freilich von den ehemals deutschen Berggemeinden im Gerichtebezirk Tolmein, welche nicht bloss durch slavischen Gottesdienst und durch Einschulung in slovenische Orte, sondern auch durch Einsiedlung slovenischer Familien ihrer angestammten Nationalität entfremdet wurden ( (22). Aber es lässt sich der Beweis dafür nicht aus Urkunden führen, die von Zuwanderungen Nachricht geben, sondern es offenbart sich da die Expansivkraft des alteinheimischen Slaventums.

III. Krain.

Die Angehörigkeit dieses Landes an das Deutsche Reich fand, wie Valvasor im 10. Buche seiner historisch-topographischen Beschreibung [372] von Krain, III. Teil, S. 352, berichtet, noch durch die Bestätigung seiner Privilegien Ausdruck, welche Kaiser Rudolph II. ihm auf dem Regensburger Reichstag vom Jahr 1594 unter Mitfertigung des Kurfürsten von Mainz als des Erzkanzlers von Deutschland erteilte. Sie wirkte auch darin nach, dass die eingeborenen Krainer im Auslande durchaus für Deutsche, d. h. für Angehörige der deutschen Nation galten, weshalb ihnen, wenn sie auch Slaven waren und sich brüsteten, es zu sein, die Aufnahme in das illyrische Seminar zu Rom von den dortigen geistlichen Behörden verweigert wurde (23).

Gerade aber die Slavisierung Krains hat in den letzten vier Jahrhund erten grosse Fortschritte gemacht, und sie träte noch auffälliger hervor, wenn nicht ein ansehnlicher Teil des Landes, welcher in der Zeit von 1530. bis 1600 Tausende von Serben und daneben auch viele Kroaten zu Bewohnern erhielt, dermalen noch ein davon getrenntes Gebiet bilden würde.

Das ist der sogenannte Sichelburger Distrikt, welcher, seit 1746 dem Militärgrenzverbande einbezogen, nach dessen Auflösung dem Banus von Kroatien zur provisorischen Verwaltung anvertraut wurde und dessen Rückeinverleibung an Krain dermalen Gegenstand von Verhandlungen ist, welche zwischen der österreichischen und ungarischen Regierung gepflogen werden. Rechtlich gehört er ohne Zweifel zu Krain, und da seine vorerwähnte Besiedelung zu einer Zeit erfolgte, wo er unter der Obhut der Krainer Landesbehörden stand, so ist hier der rechte Ort, davon zu reden.

Fälschlich hat man diese Ansiedler, insofern sie Serben waren und Uskoken genannt wurden, aus Clissa in Dalmatien und aus der Hafenstadt Zengg einwandern lassen. Sie kamen in Wirklichkeit teils aus dem Quellgebiete der Unna, teils vom Flusse Cetina, der allerdings Dalmatien durchfliesst, hatten jedoch mit den Clissaer und Zengger Uskoken nichts gemein als den Namen. Ihnen mussten manche Bauern kroatischer und altslovenischer Abkunft weichen, welche die Regierung geradezu vertreiben Hess, um diese Ankömmlinge mit ihren Familien im Gorianzgebirge unterzubringen, wo sie durchaus angesiedelt sein wollten, und zwar als kompakte Masse zu wohnen wünschten. Letzterer Wunsch ging allerdings nicht vollkommen in Erfüllung. Denn es fehlte vom Anbeginn dieser (militärischen) Kolonisation nicht an Kroaten, welche zwischen ihnen zurückblieben oder von der Regierung absichtlich ihnen beigemengt wurden. Im Laufe der Zeit haben diese Uskoken das griechisch-orientalische Bekenntnis mit dem griechisch-katholischen oder wohl gar mit dem römisch-katholischen vertauscht und sind sie demzufolge aus Serben Kroaten geworden, sowohl der Lebensart und Sprache nach als in Bezug auf Gesinnung und geistiges Wesen [373] überhaupt (24). Nur eine kleine, im Schematismus der griechisch-orientalischen Karlstädter Diözese vom Jahre 1880 mit 692 Seelen bezifferte Gruppe, deren Wohnsitze auch in die Provinz Krain hineinragen, bewahrte sich den angestammten Glauben und repräsentiert da noch heute das serbische Volkstum. Dass die Uskoken nicht allein den Sichelburger Distrikt, wozu die abseits davon gelegene Steuergemeinde Marindol gerechnet wird, sondern auch ausserhalb desselben mehrere Gegenden im Herzogtum Krain besetzten, hat schon Valvasor (im 12. Buche seines oben citierten Werkes, IV. Bd., S. 75) hervorgehoben. Alle diese Niederlassungen, nämlich solche bei Freyenthurn (Podbrezje), Tschernerabl, Möttling, Weiniz u. s. w., standen, solange auf dem Schlosse Sichelburg ein besonderer Grenzhauptmann residierte, unter dessen militärischem Befehle. Als das Militär-Grenzterritorium unter Maria Theresia abgerundet wurde, verblieben diese bei Krain. So erklärt es sich, dass noch heutigen Tags hier im Dorfe Bojanci über 200, in der Ortsgemeinde Weiniz mehr als ein Dutzend griechischgläubige Einwohner angetroffen werden, welche gleich den 185 griechisch-unierten Katholiken, die im Jahre 1880 den Gerichtsbezirk Möttling bewohnten, Nachkommen jener serbischen Flüchtlinge aus Türkisch-Kroatien und aus Dalmatien sind. Nach dem Schematismus der griechisch-katholischen Kreutzer Diözese vom Jahre 1868, dem neuesten, dessen ich habhaft wurde, leben die Griechisch - Katholiken in Krain, welche damals kirchlicherseits zu 245 veranschlagt wurden, zu Hrast, Skemlouz, Jugorje, Malinje, Mackovec, Dule, Božičy-Vrch, Krasni-Vrch u. s. w. Es sind das zumeist Oertlichkeiten der politischen Gemeinde Suchor; bloss Krasni-Vrch (Kraschenberg) gehört zur politischen Gemeinde Radovica und Malinje zur politischen Gemeinde Semitsch. Das vorgenannte Dorf Bojanci aber gehört zur politischen oder Ortsgemeinde Adleschiz im Gerichtsbezirk Tschernembl, in welchem auch Weiniz (Vinica) liegt.

Manche Familien gleicher Abkunft sind im Laufe der Zeit in dem Gemische von Altkroaten und Slovenen aufgegangen, von welchem umgeben sie dort wohnen, und werden jetzt der römisch-katholischen Bevölkerung beigezählt. Bringt man dies mit in Anschlag, so überschätzt man die Zahl der Uskoken in Krain und im Sichelburger Distrikte nicht, indem man sie gegenwärtig mit 11500 beziffert. Vorzeiten waren sie noch zahlreicher. So sollen sie im Jahre 1746 auf dem Gebiete von Sichelburg allein 3899 Familien ausgemacht haben. Die Militärverfassung, unter welcher sie seither hier lebten, begünstigte Uebersiedlungen nach dem Innern des Grenzlandes.

[374] Uebrigens soll nicht geleugnet werden und wurde bereits angedeutet, dass im Sichelburger Distrikte gleichzeitig mit den serbischen Uskoken (25) auch Altkroaten heimisch wurden, und dass erstere bei ihrer Ankunft daselbst bereits Kroaten vorfanden, welchen zur Seite sie ihre neuen Wohnsitze bezogen (26). Die bekannteste unter den kroatischen Adelsfamilien, welche in deren Mitte festen Fuss fasste, ist die der Čolnić (Tscholnitsch), welche zu Anfang des 16. Jahrhunderts ihr Stammgut Csolka (Tscholka) bei Bihac (27) im Stiche gelassen hatte. Und eine zweite Adelsfamilie der nämlichen Herkunft, die der Kobašić (Kobasitsch), hatte seit dem Jahre 1526 das Schloss Sichelburg (Sicherberg) inne, nachdem sie den Burgstall Brekovica bei Bihać gegen die Türken behaupten zu können immer mehr verzweifelte. Ihr wurde der unterzubringenden Uskoken halber jener Wohnsitz allerdings wieder entzogen (sie verliess ihn im Jahre 1533); aber eine Menge anderer altkroatischer Edelleute sammelte sich in Krain, erwarb hier Güter und gönnte auf diesen den altkroatischen Bauern, welche um Aufnahme baten, eine Zufluchtsstätte. Ich nenne hier beispielsweise die Blagaj, Lenkowitsch, Fabianitsch, Gregoriantschitsch, Gussitsch, Gustisitsch (zu Obererkenstein), Mikulitsch, Merheritsch, Tadiolowitsch, Pleschkowitsch. Juritsch, Bohoritsch, Krisanitsch, Petschowitsch, Wukowatschki. Alle diese Familien und noch ein Dutzend solcher darüber erlangten das krainische Indigenat, d. h. sie wurden in die Ständematrikel des Landes aufgenommen (28). Ein Graf Frangepan (Stephan) war unter Kaiser Friedrich IV. Landeshauptmann von Krain; unter Ferdinand I. bekleidete dieses Amt der aus dem kroatischen Küstenlande stammende Nikolaus Frhr. von Jurisitsch, und im Jahre 1593 ward es dem Georg Frhrn. von Lenkowitsch verliehen (29), dessen Grossvater in Krain eingewandert zu sein scheint. Mindestens war um das Jahr 1527 ein Michael Lenkowitsch Pfleger [375] des Grafen Christoph Frangepan zu Adelsberg, und der Vorgenannte dürfte dessen Enkel sein. Kurz vorher versah diesen Posten Thomas Nemanitsch (30). Damals erreichte der kroatische Zuzug seinen Höhepunkt. Denn auch die Herrschaft Senosetsch am Karste befand sich um diese Zeit im pfandweisen Besitze jenes Frangepan. Leonhard Krabat war hier im Jahre 1521 sein Amtmann.

Das zu dieser Herrschaft zinspflichtige Dorf Potoče, Fraktion der Ortsgemeinde Niederdorf im Gerichtsbezirk Senosetsch, beherbergte laut dem betreffenden Urbar vom Jahre 1524 vier Jahre früher Tschitschen und wurde bald darauf von Kroaten wieder zu einigem Ertrage gebracht (31). Doch hielt "ain Zutsch, genannt Lukatsch", mit seiner Familie noch im Jahre 1524 im Dorfe Misliče, Fraktion der Ortsgemeinde Naklo im Gerichtsbezirk Sessana, drei Huben besetzt, welche früher "Miklaw Krabath" in seinem Besitz gehabt hatte.

Es unterliegt wohl keinem Zweifel, dass diese Einwanderer mitunter auch an Orten sich niederliessen, wo früher Deutsche gehaust hatten. Zwei in die Augen fallende Beispiele mögen genügen. Das Senosetscher Urbar von 1524 nennt als Supan des Dorfes Loze bei Wippach einen Martin Machöritsch (Mohoritsch ?) und bemerkt dazu: der frühere Ortsvorsteher sei "der Praytschuech" gewesen; als Supan des Dorfes Laže bei Senosetsch ist Lukas Masselitz genannt mit dem Beifügen: der frühere habe Gregor Wolslaher (Wollschläger) geheissen. Noch jetzt trägt eine Fraktion der Ortsgemeinde St. Peter am Karste die Bezeichnung Nemškavas (Deutschdorf), und weitere "Deutschdörfer", aber nur noch dem Namen nach, giebt es im Gerichtsbezirk Reifnitz, Ortsgemeinde Niederdorf, im Gerichtsbezirk Nassenfuss, Ortsgemeinde St. Ruprecht, im Gerichtsbezirk Laas, Ortsgemeinde Oblak, und im Gerichtsbezirk Treffen, Ortsgemeinde Grosslack. Namentlich an der südöstlichen Grenze des Landes ist das deutsche Bevölkerungselement aus Anlass wiederholter Türkeneinfälle dem mit solchen Gefahren vertrauteren altkroatischen Elemente gewichen. Nichts ist in dieser Beziehung so lehrreich wie ein Vergleich zwischen den älteren Urbaren der Herrschaften Pöllau, Möttling und Meichau mit den bezüglichen Ortsrepertorien der Gegenwart. In vielen Dörfern dieser Jurisdiktionsbezirke, wo jetzt nur oder fast ausschliesslich Slaven wohnen, wurden noch gegen das Ende des 16. Jahrhunderts deutsche Haus- und Hubenbesitzer in grösserer Anzahl vorgefunden. So z. B. in der Ortsgemeinde Altenmarkt, Gerichtsbezirk Tschernembl, im Jahre 1576: 14 Träger deutscher Namen, wie Spitznagl, Vonderlinden, Paldauf, Peer, Fleckh u. s. w., im Dorfe Altenmarkt selbst, zu welchem damals eine "in den teutschen Auen" genannte Lokalität gehörte; bei der letzten Volkszählung dagegen gab es hier bloss 6 Deutsche neben 178 Slovenen. Das dermalen [376] bloss von Slovenen bewohnte Dorf Paka dieser Ortsgemeinde hatte damals nur Deutsche (namens Spitznagl, Killian, Khindmal, Ostermann, Zimmermann, Christian Schmied) zu Bewohnern. Das im gleichen Verbande stehende Dorf Gerdenschlag (Prelesje), jetzt ausschliesslich slovenisch, war zur Hälfte von Deutschen bewohnt. Und es rührt wohl von dieser ausgebreiteteren deutschen Bevölkerung her, dass noch andere Fraktionen jener Ortsgemeinde bis zur Stunde unter deutschen Benennungen (Bretterdorf, Hirschdorf, Schmieddorf, Vornschloss) bekannt sind, obschon nur in einer derselben (zu Vornschloss) jetzt Deutsche (ihrer 18) angetroffen werden. In der Ortsgemeinde Radence, Gerichtsbezirk Tschernembl, war damals ein Drittel der Hubenbesitzer deutscher Abkunft, und speziell im Dorfe Ober-Radence bildeten diese (darunter 2 Schwegl und 1 Witthai) die Mehrheit. Heutzutage ist sie ganz slovenisch. Das Nämliche gilt von der Ortsgemeinde Schweinberg (ebendort), deren Fraktion Draga übrigens schon im Jahre 1576 drei Familien namens Khrabat in sich begriff.

Wenn die heutigen Bewohner der vorangeführten Ortschaften offiziell als Slovenen bezeichnet werden, so drückt dies den wahren Sachverhalt allerdings nur unvollkommen aus. Dieselben sind eigentlich Kroaten und werden auch von den gegen das Innere des Herzogtums Krain zu sesshaften Slovenen längsther durch die Benennung " weisse Krainer" unterschieden (32). Die am deutlichsten das altkroatische Gepräge tragenden Familiennamen kommen gerade in denjenigen Ortschaften vor, von welchen positiv bekannt ist, dass sie zu Anfang des 16. Jahrhunderts der Verödung anheimfielen, wie z. B. im Möttlinger Gerichtsbezirk zu Mladitza, Ortsgemeinde Semitsch, zu Dobrawicz, Ortsgemeinde Podsemel, zu Blutsberg, Ortsgemeinde Kerschdorf. Die 9 "Gottschewischen" (Gotscheer) Huben "am Khaag", deren noch im Meichauer Urbar von 1603 Erwähnung geschieht, sind vollends verschwunden (33).

Die hiesigen Stände betrachteten sich von jeher als Grenzhüter des Deutschen Reiches und bekannten sich zu dieser Anschauung [377] besonders im Jahre 1607 durch die Besorgnis, dass die Türken nach Eroberung von Kanischa "den teutschen Poden leichtlich erreichen können", sowie durch den Vorschlag, "auf teutschem Poden unterhalb Radkersburg" neue Befestigungen anzulegen (34) dann im Jahre 1620, wo sie der slavonischen Militärgrenze nur so lange, als sie "in einer ersamen Landschaft zu Steyr als in der Teutschen Disposition verbleibt", sich noch anzunehmen erklärten (35).

Aber sie thaten der Nationalität ihrer slavischen Unterthanen keinen Zwang an (36) und sahen diese daher im 16. Jahrhundert durch Zuzügler vermehrt, welche sowohl aus Slavonien als aus der Gegend von Sluin sich nach Steiermark begaben.

Die aus Slavonien stammenden Serben, welche in Steiermark ansässig wurden, hatten von 1552 bis 1588 den Margetić-Hof zu Wernsee an der Mur inne; ferner von 1556 bis ins 17. Jahrhundert den Aichhof ober Pettau und die Ortschaft Skok südwestlich von Marburg; um das Jahr 1572, aber nur vorübergehend, 7 Huben im Dorfe Rogeis; von der Mitte des 16. Jahrhunderts an durch beiläufig 30 Jahre mehrere Huben im Dorfe Scherschowitza bei St. Marein, östlich von Ponigl: endlich um das Jahr 1583 (gleichfalls nur zeitweilig) eine Hube zu Kötsch am Ostabhange des Bacherngebirges. Ausser diesen speziell bekannten und durch Urkunden beglaubigten Siedlungen müssen noch viele Niederlassungen der nämlichen Art auf steiermärkischem Boden stattgefunden haben. Denn noch gegenwärtig tragen im Gerichtsbezirk Pettau mehrere hundert Personen Familiennamen, welche, wie z. B. Smigoz, Shok, Sok, Lah, auf serbischen Ursprung oder mindestens auf eine verwandte Herkunft hinweisen. Auch in den Gerichtsbezirken Friedau und Rohitsch fehlt es nicht an solchen. Einzelne Träger derartiger Namen mögen geradezu Nachkommen der vorerwähnten Ansiedler sein. Aber auch der Typus der Bevölkerung in mehreren Ortschaften des Draufeldes, so namentlich zu Cirkovec (Zirkowitz), St. Lorenzen, Haidin, Gross-Okitsch, Gruschkaberg u. s. w., kennzeichnet dieselbe als eine serbo-kroatische (37).

Zahlreicher noch als obige Familiennamen kommen in den genannten Gerichtsbezirken Anklänge kroatischer Einwanderung vor (38), [378] wobei es allerdings fraglich bleibt, ob wir es da mit Altkroaten oder mit Oberslavoniern zu thun haben, welche eigentlich pannonische Slovenen sind. Nur von einer bestimmten Gruppe der Bevölkerung im Gerichtsbezirk Rann, nämlich von den Weilern Rakowitz, Ortsgemeinde Pischätz, und St. Lorenz, Ortsgemeinde Wisell, sowie von der Ortsgemeinde Michalovetz wissen wir verlässlich, dass sie Altkroaten in sich fasst. Die Voreltern dieser hat um das Jahr 1570(unclear number) der Priester Peter Szalković und ein Edelmann namens Dežić aus den Dörfern Stoimerić und Radonja im nachmaligen Sluiner Grenzregimentsgebiete herbeigeführt, wie gelegentlich einer im Jahre 1590 stattgefundenen Zeugenvernehmung konstatiert wurde (39).

Eine der neuesten Zeit angehörende Erscheinung sind die czechischen Kolonisten, welche, ungefähr 30 Familien stark, vor 40 Jahren aus Böhmen in den Gerichtsbezirk Voitsberg eingewandert sind. Sie kamen sämtlich aus der Gegend von Schüttenhofen im Böhmerwalde und erwarben kleine Bauernwirtschaften zu Gross- und Kleinwölniss, zu St. Martin am Wölnissberge und in der Gemeinde Hochtregist. Dermalen sprechen diese Familien mit geringer Ausnahme deutsch. Nur die schon erwachsen ins Land gekommenen Angehörigen derselben sind noch der czechischen Sprache mächtig und bedienen sich ihrer im Verkehr unter sich (40). Auch im Köflacher Kohlenrevier leben Czechen, und zwar in beträchtlicher Zahl; allein das sind so wenig als die hier wohnhaften Slovenen und als die im Leobner Kohlenrevier lebenden Slaven beiderlei Art echte Kolonisten, sondern bloss Grubenarbeiter, welche, wenn sie schon zum Teil ihre eigene Hütte bewohnen und ausserdem einige winzige Grundstücke daselbst ihr eigen nennen, doch keine festen Niederlassungen begründet haben.

IV. Steiermark.

Die hiesigen Stände betrachteten sich von jeher als Grenzhüter des Deutschen Reiches und bekannten sich zu dieser Anschauung [377] besonders im Jahre 1607 durch die Besorgnis, dass die Türken nach Eroberung von Eanischa "den teutschen Poden leichtlich erreichen können", sowie durch den Vorschlag, "auf teutschem Poden unterhalb Radkersburg" neue Befestigungen anzulegen (41); dann im Jahre 1620, wo sie der slavonischen Militärgrenze nur so lange, als sie "in einer ersamen Landschaft zu Steyr als in der Teutschen Disposition verbleibt", sich noch anzunehmen erklärten (42).

Aber sie thaten der Nationalität ihrer slavischen Unterthanen keinen Zwang an (43) und sahen diese daher im 16. Jahrhundert durch Zuzügler vermehrt, welche sowohl aus Slavonien als aus der Gegend von Sluin sich nach Steiermark begaben.

Die aus Slavonien stammenden Serben, welche in Steiermark ansässig wurden, hatten von 1552 bis 1588 den Margetić-Hof zu Wernsee an der Mur inne; ferner von 1556 bis ins 17. Jahrhundert den Aichhof ober Pettau und die Ortschaft Skok südwestlich von Marburg; um das Jahr 1572, aber nur vorübergehend, 7 Huben im Dorfe Rogeis; von der Mitte des 16. Jahrhunderts an durch beiläufig 30 Jahre mehrere Huben im Dorfe Scherschowitza bei St. Marein, östlich von Ponigl; endlich um das Jahr 1583 (gleichfalls nur zeitweilig) eine Hube zu Kötsch am Ostabhange des Bacherngebirges. Ausser diesen speziell bekannten und durch Urkunden beglaubigten Siedlungen müssen noch viele Niederlassungen der nämlichen Art auf steiermärkischem Boden stattgefunden haben. Denn noch gegenwärtig tragen im Gerichtsbezirk Pettau mehrere hundert Personen Familiennamen, welche, wie z. B.

Smigoz, Šhok, Šok, Lah, auf serbischen Ursprung oder mindestens auf eine verwandte Herkunft hinweisen. Auch in den Gerichtsbezirken Friedau und Rohitsch fehlt es nicht an solchen. Einzelne Träger derartiger Namen mögen geradezu Nachkommen der vorerwähnten Ansiedler sein. Aber auch der Typus der Bevölkerung in mehreren Ortschaften des Draufeldes, so namentlich zu Cirkovec (Zirkowitz), St. Lorenzen, Haidin, Gross-Okitsch, Grusehkaberg u. s. w., kennzeichnet dieselbe als eine serbo-kroatische (44).

Zahlreicher noch als obige Familiennamen kommen in den genannten Gerichtsbezirken Anklänge kroatischer Einwanderung vor (45), [378] wobei es allerdings fraglich bleibt, ob wir es da mit Altkroaten oder mit Oberslavoniern zu thun haben, welche eigentlich pannonische Slovenen sind. Nur von einer bestimmten Gruppe der Bevölkerung im Gerichtsbezirk Rann, nämlich von den Weilern Rakowitz, Ortsgemeinde Pischätz, und St. Lorenz, Ortsgemeinde Wisell, sowie von der Ortsgemeinde Michalovetz wissen wir verlässlich, dass sie Altkroaten in sich fasst. Die Voreltern dieser hat um das Jahr 1570 der Priester Peter Szalković und ein Edelmann namens Dežić aus den Dörfern Stoimerić und Radonja im nachmaligen Sluiner Grenzregimentsgebiete herbeigeführt, wie gelegentlich einer im Jahre 1590 stattgefundenen Zeugenvernehmung konstatiert wurde (46).

Eine der neuesten Zeit angehörende Erscheinung sind die czechisehen Kolonisten, welche, ungefähr 30 Familien stark, vor 40 Jahren aus Böhmen in den Gerichtsbezirk Voitsberg eingewandert sind. Sie kamen sämtlich aus der Gegend von Schüttenhofen im Böhmerwalde und erwarben kleine Bauernwirtschaften zu Gross- und Kleinwölniss, zu St. Martin am Wölnissberge und in der Gemeinde Hochtregist. Dermalen sprechen diese Familien mit geringer Ausnahme deutsch. Nur die schon erwachsen ins Land gekommenen Angehörigen derselben sind noch der czechischen. Sprache mächtig und bedienen sich ihrer im Verkehr unter sich (47). Auch im Köflacher Kohlenrevier leben Czechen, und zwar in beträchtlicher Zahl; allein das sind so wenig als die hier wohnhaften Slovenen und als die im Leobner Kohlenrevier lebenden Slaven beiderlei Art echte Kolonisten, sondern bloss Grubenarbeiter, welche, wenn sie schon zum Teil ihre eigene Hütte bewohnen und ausserdem einige winzige Grundstücke daselbst ihr eigen nennen, doch keine festen Niederlassungen begründet haben

.V. Niederösterreich.

Eine ähnliche Bewandtnis, wie mit den meisten Czechen der Steiermark, hat es mit der Mehrheit der in Niederösterreich (dem Lande unter der Enns) bei der letzten Volkszählung angetroffenen Czechen (48). Sie sind grösstenteils Handwerker, Fabriks- und Hüttenarbeiter. Aber es gibt unter ihnen auch Bauern, und von vielen bei [379] den Ziegelwerken am Wienerberg, namentlich zu Inzersdorf, beschäftigten, samt ihren Familien hier weilenden Czechen kann gleichfalls behauptet werden, dass sie daselbst sesshaft geworden sind. Wechselt gleich die Zusammensetzung der bezüglichen Haushaltungen, so ist es doch grossenteils schon die dritte Generation, welche den Kern derselben bildet, und die unter 40 Jahre alten Leute in deren Mitte sind mit geringer Ausnahme im Bereiche der genannten Ortsgemeinde geboren. Um sie schart sich allerdings eine flottierende Menge, die jedoch den sesshaften Grundstock nicht an Zahl überwiegt. Bei der Volkszählung am Schlusse des Jahres 1880 wurden zu Inzersdorf 2039 Czechen neben 5864 Deutschen gezählt. Czörnig gibt in seiner Ethnographie der österreichischen Monarchie, welche im Jahre 1857 erschienen ist (I. Bd. S. 662) die Zahl der dortigen Czechen mit 1958 an. Danach hat seither nur eine schwache Zunahme stattgefunden. Die herrschaftliche Kanzlei zu Inzersdorf sprach sich jedoch dahin aus, dass in den Jahren 1860 bis 1870 die Anzahl der daselbst sich aufhaltenden Czechen durchschnittlich 2200 betrug, und der gegenwärtige Pfarrer von Inzersdorf schätzt sie (49) dermalen auf mehr als 4000. Von diesen fühlen sich nur die am Wienerberge ansässigen noch als Czechen, und hier allein halten sie an der böhmischen Muttersprache fest, wogegen die an der Triesterstrasse, am Steinhof, in den sogenannten Weberhäusern, am Rudolfshügel u. s. w. zerstreut wohnenden der deutschen Sprache, wenn schon mit czechischer Betonung der Worte, sich bedienen und weniger Gewicht darauf legen, dass man sie als Czechen betrachtet. Die Schule, in welche sie alle ihre Kinder zu senden haben, ist deutsch, und ebenso der Gottesdienst in der dortigen Pfarrkirche, mit Ausnahme der Festpredigten, welche zur Feier des heiligen Johann von Nepomuk und des heiligen Wenzel an den diesen Heiligen gewidmeten Tagen in Verbindung mit einer öffentlichen Prozession gehalten werden. Den Grund zur massenhaften Ziegelerzeugung, bei welcher oder vermöge welcher diese Czechen ihren Unterhalt finden, hat vor ungefähr 50 Jahren ein Unternehmer namens Miesbach gelegt, dessen Sendboten insbesondere aus der Klattauer Gegend Arbeiterfamilien herbeiholten. Derartige Zuzüge haben in neuerer Zeit fast ganz aufgehört. Um so zäher beharren die Nachkommen der früher Eingewanderten bei der angestammten Nationalität.

Ob diese bisher vereinzelt dastehende Erscheinung im Lande unter der Enns nicht sich vervielfältigen wird, wenn die hiesige Fabriksthätigkeit auch in anderen Gegenden die Zahl der Czechen zu steigern fortfährt, das erörtere ich im Schlusswort. Bedeutsam sind in dieser Hinsicht nachstehende Ergebnisse der letzten Volkszählung. Es gab ihnen gemäss Ende 1880: zu Vösendorf im Gerichtsbezirk Mödling 867 Czechen neben 1160 Deutschen, zu Hennersdorf im Gerichtsbezirk Schwechat 273 Czechen neben 526 Deutschen, zu Gramatsneusiedl im Gerichtsbezirk Ebreichsdorf 582 Czechen neben [380] 817 Deutschen. Wie stark unter den Handwerkern der Stadt Wien die Czechen vertreten sind, erhellt aus der Gesamtzahl von 3300 czechischen Zöglingen, welche im Schuljahre 1884/5 neben 3800 deutschen Schülern die Vorbereitungskurse der dortigen Fortbildungsschulen besuchten. Aber auch ausserhalb Wiens war damals das Verhältnis der beiden Nationalitäten an den genannten Schulen, was die Vorbereitungskurse betrifft, ungefähr das gleiche (6025 Czechen neben 6700 Deutschen).

Am rechten Donauufer überhaupt wurden innerhalb der Landesgrenzen — abgesehen von der Stadt Wien — im Jahre 1851 bloss 1958, im Jahre 1880 jedoch über 20 000 (einheimische) Czechen als anwesend nachgewiesen. Diese Vermehrung ist vornehmlich auf Rechnung der in der Zwischenzeit stattgehabten Zuwanderung von Fabriksarbeitern zu setzen und nur zum kleineren Teile der Vergrösserung der Familien aus sich selbst zuzuschreiben. Als Bauern kommen Leute mit czechischer Umgangssprache in der Südhälfte des Landes fast gar nicht vor, obschon es gewiss ist, dass bis ins 9. Jahrhundert herauf die Gelände des Ybbsflusses "Sclavinia" hiessen, gegen die steiermärkische Grenze zu Ortsnamen, wie Gloggnitz, Gostritz, Edlitz, Ternitz, die ehemalige Anwesenheit von Slaven bezeugen und es im Gerichtsbezirk Amstetten eine Rotte "Windischendorf" mit dem Kollmitzberg dabei gibt, im Gerichtsbezirk St. Pölten (bei Neulengbach) eine Ortschaft den Namen "Böheimkirchen" trägt u. s. w.

Dagegen weist das Land am linken Donauufer viele Czechen als sesshafte Landwirte auf. Im Gerichtsbezirk Feldsberg gab es laut der letzten Volkszählung 4551 Czechen, und zwar angeblich zu Unterthemenau 1536 (neben 132 Deutschen), zu Rabeusburg 1051 (neben 778 Deutschen), zu Oberthemenau 990 (neben 53 Deutschen), zu Bischofswart 828 (neben 36 Deutschen); im Gerichtsbezirk Zistersdorf 2096, und zwar im Dorfe Ringelsdorf 1000 (neben 210 Deutschen), im Markte Hohenau 680 (neben 2238 Deutschen), im Dorfe Waltersdorf 305 (neben 100 Deutschen); im Gerichtsbezirk Schrems 4429, und zwar in den Dörfern Beinhöfen (Nemećke) 590 (neben 23 Deutschen), Grundschachen 287 (neben 31 Deutschen), Rottenschachen 1628 (neben 171 Deutschen), Schwarzbach 619 (neben 32 Deutschen), Witschkoberg 394 (neben 15 Deutschen), Unterwielands 130 (neben 263 Deutschen) u. s. w.; im Gerichtsbezirk Weitra 283, und zwar in der Ortsgemeinde Thiergarten 191 (neben 133 Deutschen), wovon 162 (neben 56 Deutschen) auf das Dorf Tanebruck allein entfallen.

Freilich sind im Vorstehenden zu den Czechen auch die Slovaken und mährischenSlaven gerechnet (50) und in jeder dieser beiden Gruppen sind Slaven enthalten, welche der Abstammung nach eigentlich als [381] Kroaten klassifiziert werden müssen (51). Allein die in den Gerichtsbezirken Schrems und Weitra befindlichen sind ohne Zweifel wirkliche Czechen im engeren, ethnographischen Sinne des Wortes. Sie sprechen den sogenannten Budweiser Dialekt und hängen mit den jenseits der Landesgrenze sesshaften Slaven gleicher Art zusammen, aus deren Mitte wohl in neuerer Zeit sie sich ergänzt haben. Die Rodung des Heidenreichsteiner Waldes und Errichtung von Glashütten in demselben gaben Anlass zu solchen Uebersiedlungen. Trotzdem ist das czechische Element in dieser Gegend, die einst zu Böhmen gehört hat (52) und wo dasselbe demgemäss als ein bodenständiges sich darstellt, an manchen Orten in der Abnahme begriffen.

In der 79 zerstreute Häuser umfassenden Ortschaft Brand (Lomy) des Gerichtsbezirks Schrems, wo noch im Jahre 1851 neben 190 Deutschen 600 Czechen gezählt wurden, sind die letzteren seither beinahe ganz verschwunden, und ebenso in dem nach Brand eingepfarrten Dorfe Finsterau. Die Gemeinde Witschkoberg sprach sich am 30. November 1884 für Beibehaltung des deutschen Unterrichts an ihrer Schule aus, kann daher als vom Czechentume abgefallen angesehen werden. Auch 3 andere Gemeinden des sog. Waldviertls, welche noch wenige Jahre zuvor um slavische Schulen gebeten hatten, sollen sich damals im gleichen Sinne geäussert haben. Hinwieder hat der Ankauf einer im Gerichtsbezirk Raabs gelegenen Herrschaft durch die Königgrätzer Sparkasse zur Folge, dass daselbst, namentlich im Dorfe Grossau, czechische Feldarbeiter sich einfinden, welche hier sesshaft zu werden bestrebt sind. Schon ist die Errichtung einer czechischen Volksschule im genannten Dorfe durch den czechischen Schulverein in Aussicht genommen.

Sehr ausgedehnt waren einst im Lande unter der Enns die kroatischen Ansiedlungen. Noch gegenwärtig gibt es hier zwei Ortsgemeinden, nämlich die Marktgemeinde Au an der Leitha und das Dorf Loimersdorf im Gerichtsbezirk Marchegg, deren Einwohner eingestandenermassen zur Mehrzahl (nach der Volkszählung vom Jahre 1880: 265 neben 170 Deutschen und 13 Czechen, beziehungsweise 633 neben 161 Deutschen) Kroaten sind. Und in anderen Gemeinden am linken Donauufer, wo Loimersdorf liegt, haben noch vor 16 Jahren die Slaven sich lieber als Kroaten denn als Czechoslaven einbekannt oder wurden wenigstens deren Kinder von den Leitern der Volksschulen als Kroaten angegeben. Die Konskription der Schulkinder im politischen Bezirk [382] Mistelbach ergab für das Schuljahr 1870/71 neben 46 czechischen Kindern 929 kroatische (53). Also darf mit Recht angenommen werden, dass die im genannten politischen Bezirke wohnenden Slaven überhaupt in Wirklichkeit bis auf eine verschwindend kleine Minderheit noch dermalen Kroaten sind. Dies gilt insbesondere von den Ortsgemeinden des Gerichtsbezirks Feldsberg: Unterthemenau, Oberthemenau (welcher Ort einst Nova ves chorwátska hiess) und Bischofswart (wo noch im Jahre 1851 Kroaten verzeichnet wurden); dann von den Ortsgemeinden des Gerichtsbezirks Zistersdorf: Markt Hohenau und Ringelsdorf. Auch in den Namen vieler Gemeinderepräsentanten lebt am linken Donauufer, d. h. im ehemaligen Viertl unter dem Manhartsberge, die Erinnerung an die kroatische Einwanderung fort. So funktionierten im Jahre 1885 (54) zu Oberthemenau die Gemeinderäte Slunsky, d. h. aus Sluin, und Bartholschitz; zu Unterthemenau die Gemeinderäte Barthol-schitz und Fabikowitsch; zu Engelhartsstetten der Bürgermeister Michalitsch, die Gemeinderäte Tamschitsch und Pabitsch; zu Breitensee der Bürgermeister Ankowitsch, der Gemeinderat Nakowitsch, der Ortsschulrat Wogowitsch; zu Bischofswart: der Bürgermeister Slunsky, der Gemeinderat Wlaschitsch; zu Zwerndorf (im Gerichtsbezirk Marchegg) die Gemeinderäte Prossenitsch und Grainmanitsch; zu Orth der Gemeinderat Nikowitsch u. s. w. Minder häufig, doch immerhin überzeugend genug tritt diese Erscheinung am rechten Donauufer, d. h. im ehemaligen Viertl unter dem Wienerwalde, auf, wo im Jahre 1885, ganz abgesehen vom Markte Hof an der Leitha, dessen Bürgermeister damals Prekunitsch und unter dessen Gemeinderäten Einer Messeritsch hiess, zu Sommerein, Landegg bei Pottendorf, Mannersdorf, Wilfleinsdorf, Ellend und Kroatisch-Haslau Träger kroatischer Namen Gemeindeämter bekleideten.

Czörnig erhob (55) für das Jahr 1851 6460 im Lande unter der Enns wohnhafte Kroaten, und zwar:

I. am rechten Donauufer

zu Hof an der Leitha (908), zu Au (723), zu Mannersdorf am Leithaberg (584), zu Pischelsdorf im Gerichtsbezirk Bruck (160), zu Sommerein ebenda (72), zu Wildungsmauer im Gerichtsbezirk Hainburg (70) und zu Kroatisch-Haslau ebenda (60);

II. am linken Donauufer

zu Orth (481), zu Zwerndorf (435), zu Loimersdorf (428), zu Breitensee (341), zu Haringsee (319), zu Engelhartsstetten (309), zu Mannersdorf (283), zu Eckartsau (274), zu Kroatisch-Wagram (207), zu Pframa (131),

[383] zu Andlersdorf (130), zu Bischofswart (113), zu Straudorf (97) und zu Fuchsenbigl (14).

Czörnig fügt diesen Angaben noch bei: es gebe auch zu Mannersdorf und Baumgarten an der March, zu Schönfeld, Untersiebenbrunn, Landegg, Drösing, Bernhardsthal und Regelsbrunn Kroaten; doch sei deren Germanisierung bereits so weit vorgeschritten, dass ihre Ausscheidung von den Deutschen der Zahl nach in ethnographischer Hinsicht von keinem Belang wäre.

Nahezu gleichzeitig veranschlagte Dr. A. W. Šembera, der spätere Lehrer der böhmischen Sprache und Litteratur an der Wiener Universität, die Kroaten des Landes unter der Enns zu 6171 (56). Seine Zahlenangaben stimmen, was das linke Donauufer anbelangt, mit denen Czörnigs, soweit solche überhaupt vorliegen, bis auf Eckartsau, dessen kroatische Bevölkerung Šembera aus Versehen übergeht, vollkommen überein; nur bringt er für mehrere Orte, welche Czörnig nahezu ganz germanisiert sein lässt, Ziffern bei, welche die Zahl der dortigen Kroaten ausdrücken; so beziffert er diese zu Mannersdorf a. d. M. mit 182, zu Baumgarten mit 15, zu Untersiebenbrunn mit 14, und in der Stadt Marchegg wohnten damals nach ihm 28. In Ansehung des rechten Donauufers weichen aber seine Angaben von denen Czörnigs zumeist ab. Bei Pischelsdorf setzt er bloss 60 (statt 160), bei Hof 908 (statt 900), bei Au 800 (statt 723), bei Mannersdorf 500 (statt 584), bei Wildungsmauer 50 (statt 70), und Sommerein lässt er gänzlich unberücksichtigt. Andererseits weist er der Ortschaft Landegg bei Pottendorf im Gerichtsbezirk Ebreichsdorf 120 Kroaten zu, welche Czörnig nicht beziffert.

Wenige Jahre bevor Šembera seine Daten sammelte, schätzte der ungarische Schriftsteller Georg Gyurikovics (57) die niederösterreichischen Kroaten auf 5000. Er nennt als deren Wohnorte am rechten Donauufer ausser Kroatisch-Haslau, Wildungsmauer, Au und Hof noch Deutsch-Altenburg; am linken Donauufer ausser Loimersdorf, Breitensee, Eckartsau, Kroatisch-Wagram und Pframa noch Groissenbrunn, Lassee, Witzelsdorf, welche 3 Ortschaften im heutigen Gerichtsbezirk Marchegg liegen, und Kopfstetten (im heutigen Gerichtsbezirk Grossenzersdorf).

Stellen sich demnach die Ziffern bei Czörnig gleich als zu hoch und die der letzten Volkzählung als zu niedrig gegriffen dar, so ist doch an der raschen Verminderung der niederösterreichischen Kroaten [384] nicht zu zweifeln, und ihr Rückgang weist grosse Dimensionen auf, wenn man die Geschichte ihrer Ansiedlungen im Lande unter der Enns bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgt.

Die älteste Spur dieser Siedlungen datiert aus dem Jahre 1524. Damals erteilte Erzherzog Ferdinand dem kroatischen Edelmann Michael Butschitsch, der sich bereits in Wien aufhielt, die Erlaubnis, "mit ettlichen seinen Lewten heraus in Oesterreich zu ziehen und alda zu wonen"' (58). Dieser war aller Wahrscheinlichkeit nach ein Emigrant aus dem Unnagebiete, welcher einen Teil seiner Unterthanen nach Oesterreich verpflanzte. Andere kroatische Edelleute traten damals in Ferdinands Kriegsdienste, wie denn dieser Fürst überhaupt das Ableben seines Schwagers auf dem ungarischen Throne keineswegs abwartete, bevor er zu dem altkroatischen Adel in nähere Beziehungen trat, sondern diesem früher schon seine hilfreiche Hand bot und im Jahre 1524 Abgesandte desselben in der Wiener Hofburg empfing (59). Dass bald darauf die Auswanderung im Unnagebiete stark um sich griff, berichtete unterm 20. April 1527 der Kommandant der dahin bestimmten österreichischen Truppen mit dem Beisatze: er wolle nach Bihać eilen, um die bäuerliche Bevölkerung, die im Begriffe sei, "aus dem Land Crobaten zu ziehen", dort zurückzuhalten (60). Doch war dies eine vergebliche Mühe. Die Wogen dieser Menschenflut lagerten im Lande unter der Enns und im benachbarten Ungarn mehrorts Sedimente ab, welche zur Veranlassung wurden, dass späterhin neue Scharen von altkroatischen Auswanderern gerade dorthin zogen. Zu Doljani in der ehemaligen Karlstädter Militärgrenze (dermalen Bestandteil der politischen Gemeinde Škare des Likka-Crbavaer Komitats) erhielt sich die Ueberlieferung, dass die ursprüngliche Bewohnerschaft des Orts im genannten Jahre 1527 türkischer Streifzüge halber in die Gegend um Oedenburg sich begab (61). Von einem Teil der kroatischen Einwohner des Wieselburger Komitats (um Karlsburg, Mannersdorf und Eisenstadt) steht fest, dass ihre Voreltern [385] aus der Gegend von Podzwizd und Vranograć im heutigen Bosnien dorthin übersiedelten und schon im Jahre 1583 sich dort befanden (62).

Dass schon im Jahre 1534 zwischen Blumau im Oedenburger und Steinbach im Eisenburger Komitate, knapp an der steiermärkischen Grenze, "ain Dörfl mit Chrabathen" sich befand, welches Peter Bathiany "gestiftet" hatte, erhellt aus einer Beschwerdeschrift der steiermärkischen Landschaft (63). Demgemäss ist es in hohem Grade wahrscheinlich, dass um diese Zeit auch im Lande unter der Enns ganze Ortschaften durch Kroaten begründet wurden, wenn schon zunächst die Neigung zum Ausharren unter diesen Zuwanderern gering war. Letzteres ergibt sich aus einer im Jahre 1537 von der gräflichen Familie Salm bei der Landesregierung in Wien geführten Klage, wonach Kroaten, denen sie einige Jahre zuvor beim Schlosse Orth (am linken Donauufer, der Pfarre Ellend gegenüber) Grundstücke angewiesen hatte, anlässlich einer Ueberschwemmung fortgezogen waren und zurückzukehren sich weigerten (64). Dass gleichzeitig zu Wilfersdorf, südlich von Bruck an der Leitha (also am rechten Donauufer) eine kroatische Kirchengemeinde bestand, darf aus der Thatsache gefolgert werden, dass bereits unter dem Jahre 1542 ein Kroat dort Pfarrer war und dass nach dessen damals (1542) erfolgtem Ableben der Kirchenpatron einen Priester der Agramer Diözese für diesen Seelsorgerposten in Vorschlag brachte (65). Den Edelhof daselbst, d. h. einen mit gewissen Freiheiten ausgestatteten adeligen Ansitz, hatte unterm 2. September 1541 "mit aller Zugehör auf dem Ungrischen und Teutschen" Peter Lassitz verliehen erhalten, welches rittermässige Lehen König Ferdinand I. zwei Jahre später bestätigte (66). Man darf hierin einen weiteren Beleg dafür erblicken, dass diese Gegend damals bereits von Kroaten bewohnt war, in deren Mitte eben jener kroatische Edelmann zu leben wünschte. Inzwischen war auch die Kolonie beim Schlosse Orth vom neuen zu Stande gekommen. Peter Karlović versah im Jahre 1552 für dieselbe das Predigtamt, offenbar im protestantischen Geiste, weshalb ihn der katholische Ortspfarrer zu verdrängen suchte. Acht Jahre später finden [386] wir am linken Donauufer ausserdem die Orte Bischofswart, Kopfstetten, Pframa, Wagram und Eckartsau mit Kroaten besiedelt (67). Das war die Wirkung der von 1553 bis 1557 stattgehabten Einfälle der Türken in Slavonien und im Gebiete zwischen der Unna und Kulpa. Noch weit mehr Südslaven wurden jedoch durch die Beutezüge des Pascha Ferhat von Bosnien im Jahre 1575 und durch die das Jahr zuvor zur Abwehr solchen Unheils verfügte Inundierung des Flussgebietes der Lonya aufgescheucht. Bei den Kroaten im benachbarten ungarischen Landesteile hat sich die Sage erhalten: ein Agramer Bischof habe, als die Türken ihn nötigten, nach der Festung Ivanić zu fliehen, den Auftrag erteilt, sowohl die Mündung des nahe bei dieser Festung in die Save fliessenden Baches Činac zu schliessen, als auch die Flüsse Čazma und Lonya zu verrammeln; durch Vollziehung dieses Befehls allein seien die Bewohner von mehr als 20 Dörfern gezwungen worden, ihre alte Heimat zu verlassen (68). Und in der That ist ein solcher Befehl im Jahre 1574 ergangen (679). Von den nach Eroberung der Festung Kostajnicza durch die Türken (1556 bis 1559) erfolgten Auswanderungen der Bewohner des Savegebiets spricht aber ausdrücklich der päpstliche Nuntius Malaspina in einem Berichte vom Jahre 1580, indem er die Zahl der zu jener Zeit nach Oesterreich und Ungarn übersiedelten Kroaten, beziehungsweise die der damals dort vorfindlichen auf 40000 schätzt. Nach diesem Berichte (70) waren dieselben mehr oder minder alle der Gefahr, Protestanten zu werden, ausgesetzt, und es wird daher vom genannten Nuntius als ein Glück gepriesen, dass im Jahre 1577 (er nennt fälschlich das darauf folgende Jahr) ganze Scharen jener Einwanderer auf die Nachricht, dass der Erzherzog Karl einen Feldzug wider die Türken plane, sich in Bewegung gesetzt hatten, um wieder von der alten Heimat, deren Rückeroberung sie als unmittelbar bevorstehend betrachteten, Besitz zu ergreifen.

Mit dieser Repatriierung hat es übrigens eine andere Bewandtnis, als welche der päpstliche Nuntius andeutet, indem er sie auf die religiöse Verstimmung der kroatischen Ansiedler zurückführt oder wenigstens damit in Zusammenhang bringt. Sie war, vom Heimweh abgesehen, gewiss weit mehr die Folge politischer Anfeindungen und Bedrückungen, als die Wirkung der angeblichen Intoleranz, womit die österreichischen und ungarischen Herrschaftsbesitzer ihren aus Kroatien [387] herbeigekommenen Unterthanen den Zuspruch katholischer Priester versagten; denn es liegen Beweise dafür vor, dass solche Kroaten ihre protestantischen Geistlichen gegen die kirchlichen Obrigkeiten, welche ihnen dieselben entziehen wollten, in Schutz nahmen (71). Ueberhaupt war der Protestantismus unter den Auswanderern dieser Nationalität damals sehr verbreitet und allem Anscheine nach sogar für viele ein Beweggrund, der alten Heimat den Rücken zu kehren (72).

Was ihnen im Lande unter der Enns das Heimischwerden erschwerte, das war der nationale Gegensatz, in welchem sie zu den altgesessenen Einwohnern standen und der sich in dem Mass verschärfte, als sie, durch Nachschübe verstärkt, sich ihrer physischen Macht bewusst wurden. Die Stände des Landes beschuldigten sie in einer Beschwerdeschrift vom Januar 1572 (73), dass sie ("die Krabaten") "schier anfahen wollen, vber Ire benachbarte Leuth, sonderlich wo Sy denen etwo in der Menig (Menge) vberlegen, (sich) zu schwingen und zu erheben". Daran ist die Bitte geknüpft: der Kaiser möge den Befehl erlassen, "dass weiter keine Krabaten ins Land aufgenommen werden, und dass alle Obrigkeiten, unter welchen Kroaten schon sind, dieselben durch Teutsche ersetzen und dort, wo teutsche Unterthanen neben In (ihnen) sein (sind), die Kroaten weder zu Richtern noch anderen Aemtern nit nemen oder gebrauchen". Der Kaiser erwiderte (74): es sei wahr, dass "der Krabaten im Lanndt vill, dasselb auch ain wehrhafft Volkh, auf das guete Achtung zu geben ist"; allein durch Befolgung jenes Antrags könnten die Kroaten leicht misstrauisch gemacht und veranlasst werden, ihre neuen Wohnsitze erst recht zu behaupten. Bisher hätten sie weder einen Aufruhr erregt, noch sich den Obrigkeiten gegenüber widerspenstig benommen; es liege daher kein Grund vor, sie "ausser Landts zu schaffen". Andererseits dürfe nicht übersehen werden, dass sie in ihrer Heimat den Türken bis aufs äusserste Widerstand geleistet haben und dass ihre dort zurückgebliebenen Angehörigen noch jetzt fortfahren, Proben grosser Tapferkeit zu liefern. Ferner wäre es eine durch nichts gerechtfertigte Härte, diese Ansiedler, die nun schon seit vielen Jahren den Boden des Landes treulich bebauen, dadurch das Einkommen der Landschaft fordern und bei einer künftigen Feindesnot nicht wenig nützen könnten, zum Fortziehen zu zwingen. Der Kaiser müsste sich dann üble Nachreden gefallen lassen, durch welche obendrein die an den Grenzen gegen die Türkei zu sitzenden Kroaten leicht entmutigt werden würden. Deshalb wurde den Ständen im Namen des Kaisers bedeutet:

[388] die ganze Angelegenheit sei strengstens geheimzuhalten und am nächsten Landtage wolle er darüber verhandeln lassen, inzwischen aber den einzelnen Herrschaftsbesitzern verschlossene Dekrete zufertigen, mit welchen er ihnen aufträgt, so oft mit einem "crabatischen Hause" eine Besitzveränderung sich ergibt, "einen Teutschen" darauf zu setzen, auch als Richter, dann zu Rats- und Geschworenenämtern bloss "die Teutschen" zu gebrauchen.

Dass diese Anordnungen trotz der eingeschärften Geheimhaltung für die Kroaten des Landes unter der Enns kein Geheimnis blieben, versteht sich wohl von selbst, da deren Vollzug den Bestand derartiger Vorsichtsmassregeln verriet. Hieraus erklärt es sich auch, dass im Jahre 1577 die oben erwähnte Rückströmung eintrat, und zwar auf die Nachricht hin, dass mit der Pforte Friede geschlossen worden sei (75). Nun war es an den Ständen des Landes unter der Enns, auf Mittel zu denken, wie dem Fortziehen eines Teils der wehrhaftesten Mannschaft, über die sie verfügten, entgegengewirkt werden konnte. So misstrauisch sie sich früher gegen die Kroaten gezeigt hatten, so zuvorkommend behandelten sie dieselben nunmehr. In der Defensionsordnung für Niederösterreich, welche im Jahre 1577 Gegenstand der zu Wien abgehaltenen "Grenzhauptberatschlagung" war, heisst es (Art. 8): "Mit den Crabatten, die in disem Lanndt angesessen, wird von nötten sein, ain abtailung zu machen, dass Sy vndter Ire sonndere Fendlein abgetailt, Inen auch solche Haupt- und Bevelchs-Lewt geben (werden), die mit Inen reden vnd Ir Art kennen; sollen auch bei Irer gewönlichen Wehren, als ain Haggen vnd Darda, gelassen werden, wiewol mit der Zeit, wann man es für guet acht, vndter denselben auch Schützen angericht können werden" (76). Und zwei Jahre später erklärten die Stände auf die ihnen vom Kaiser gemachte Landtagsproposition: die einzelnen kroatischen Hausgenossen könne man unmöglich so besteuern wie andere Inwohner der Bauernhäuser, da sie "nicht mit abgeteiltem Hauswesen beisammen wohnen", sondern als Blutsverwandte "Dem, so das guet besitzt vnd sein Mitlaiden davon raicht, anstatt anderer Dienstpoten die Arbait verrichten helffen" (77).

Die in Rede stehenden Einwanderer hatten also auch die südslavische Hauskommunion auf den Boden des Landes unter der Enns verpflanzt und hielten mit aller Wärme ihres Stammgefühls daran fest. Aber eine merkliche Beunruhigung veranlasste sie, um das Jahr 1579 innerhalb des Landes ihre Wohnsitze zu wechseln, was zu ihrer Ausbreitung diente. So ist vom Dorfe Breitensee auf dem Marchfelde bekannt, dass Graf Niclas von Salm es damals mit Kroaten bestiftet hat (78). Im Jahre 1584 räumte solchen der Propst des Stifts [389] Klosterneuburg die öden Dorffluren von Thimenthal-Neusiedl bei Pirawart ein, in deren Genüsse sie aber durch die deutschen Bauern von Raggendorf dergestalt gestört wurden, dass sie wieder abzogen. Andere Neugründungen dieser Art gediehen desto kräftiger, so dass sie einen Ueberschuss abgaben, der weitere Kolonisationen bewirkte.

Sicher ist, dass in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts Orte, an deren Bevölkerung derzeit ausser einigen Familiennamen keine Spur kroatischer Beimischung mehr wahrzunehmen ist, Kroaten zu Bewohnern hatten, so z. B. Ellend im Gerichtsbezirk Hainburg (79) Leopoldsdorf bei Himberg im Gerichtsbezirk Schwechat (80), Landegg bei Pottendorf im Gerichtsbezirk Ebreichsdorf (81) und Schönau an der Triesting im Gerichtsbezirk Baden (82).

Zur Verminderung dieser kroatischen Siedlungen haben die Seuchen in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und die damals von den Türken besonders im Viertel unter dem Wiener Walde, aber auch längs der Marchlinie angerichteten Verheerungen ohne Zweifel das meiste beigetragen (83). Die Entnationalisierung der immerhin noch beträchtlichen Ueberbleibsel vollzog sich hauptsächlich in der Zeit von 1780 bis 1825, reicht jedoch an einzelnen Orten noch um 50 bis 60 Jahre weiter zurück; ja wenn man auch die Verwandlung der Kroaten in Slovaken hier in Betracht zieht, so versetzt die bezügliche Forschung in die Mitte des 17. Jahrhunderts, wo nämlich das Bestreben erwachte, die Gemeinde Unterthemenau der Pfarre Lundenburg einzuverleiben, und der mit den Vorerhebungen betraute Dechant unterm 27. Januar 1655 dem Wiener Konsistorium berichtete: "in beiden Orthen werde die teutsche und schlavonische Sprach, doch vil mehr die schlavonische geredt". Dass 130 Jahre später zu Unterthemenau. die Slovakisierung durchgegriffen hatte, beweist ein Gesuch des dortigen Pfarrers vom Jahre 1786 um Zuweisung eines der böhmischen (czechischen) Sprache kundigen Kaplans. Indessen war schon die vorerwähnte Vereinigung im Jahre 1655 damit motiviert worden, dass an Geistlichen, welche deutsch und böhmisch sprechen, grosser Mangel sei (84).

[390] Am frühesten scheint kirchlicherseits unter den Kroaten am rechten Donauufer die deutsche Sprache beim Gottesdienst eingeführt worden zu sein. Am 8. Januar 1710 klagte der "Wolfersdorfer Pfarrer Georg Kauschitz dem fursterzbischöflichen Konsistorium in Wien: er sei am letzten Christtag, als er auf Befehl des ihm vorgesetzten Dechants "zu Trost der vielen allda wohnenden Teutschen" eine deutsche Predigt hielt, von der Gemeinde vorstehung gröblich insultiert worden, ungeachtet es in Wilfersdorf herkömmlich sei, dass jenes zu Ostern und Pfingsten geschieht. Das Konsistorium war nicht imstande, diesen übereifrigen Pfarrer zu schützen, sondern musste ihn im. Jahre 1714 anderswohin versetzen. Minder nachgiebig zeigte sich hierin der Wiener Erzbischof Graf Siegmund Kollonitsch (1716 bis 1751). Von ihm sagt der Eilender Pfarrer J. N. Koväcs in einer Eingabe an das Konsistorium vom 18. November 1765: während seiner Diözesanverwaltung sei (bei den kroatischen Kirchengemeinden) "überhaupt Alles auf dem teutsehen Fuss eingerichtet" und namentlich zu Ellend ein deutscher Schullehrer eingesetzt worden. Ja derselbe griff, wie ebenda berichtet wird, zu sehr drastischen Mitteln, um jenen Zweck desto rascher zu erreichen. Er verbrannte zu (Maria-} Ellend öffentlich ein in kroatischer Sprache abgefasstes Evangelienbuch und zerstörte eigenhändig den Privataltar, welchen Kroaten auf dem dortigen Friedhof aufgerichtet hatten, offenbar damit sie eine geweihte Stätte besitzen, wo sie kroatische Gebete zu verrichten fortfuhren. Der genannte Erzbischof duldete nämlich nicht, dass in der Kirche oder bei Prozessionen kroatische Lieder gesungen wurden, und stellte sogar das "kroatisch Beten" bei Leichenbegängnissen ab. Dass er Predigten in dieser Sprache gleichfalls verbot, versteht sich danach von selbst. Nach Markt Hof an der Leitha schickte die Kaiserin Maria Theresia im Jahre 1740 den deutschen Priester Reichart. Die hiesigen Kroaten widersetzten sich ihm und misshandelten ihn. Daraufhin beorderte sie eine Abteilung berittener Soldaten nach diesem Ort und Hess sie den Anstifter der vorgefallenen Unruhen, namens Dwornikowitsch, festnehmen und bestrafen. Die deutschen Geistlichen, welche von da an ohne Ausnahme die Seelsorge im Markt Hof verrichteten, blieben weiterhin unbehelligt; sie waren freilich so klug, zunächst mit der kroatischen Gegenströmung sich dadurch abzufinden, dass sie zum Beichthören einen der kroatischen Sprache mächtigen Kaplan hielten, welcher auch zu den vier sogenannten heiligen Zeiten das Evangelium in dieser Sprache verlas. Die Christenlehre aber wurde deutsch abgehalten, und im Laufe der Zeit erfuhr der Gebrauch der kroatischen Sprache zu Markt Hof eine weitere Einschränkung, indem das [391] Evangelium dann in ihr nur mehr am ersten Weihnachtstage beim Frühgottesdienst verkündigt ward. Dieser letztere Brauch hat sich auch in anderen ehemals kroatischen Kirchengemeinden des Landes unter der. Enns verhältnismässig am längsten erhalten, besonders am rechten Donauufer.

Zu Ellend, wo um das Jahr 1765 das Verbot, kroatisch zu singen oder laut zu beten, erneuert werden musste und diese Einschärfung unter den Kroaten eine grosse Aufregung hervorrief, suchte das Konsistorium die Gemüter dadurch zu beschwichtigen, dass es an einzelnen hohen Festtagen die Berufung von kroatisch sprechenden Mönchen aus dem Kapuzinerkloster zu Bruck an der Leitha gestattete, die sodann kroatischen Gottesdienst abhielten und im Beichtstuhle aushalfen. Mit Rücksicht auf dieses Auskunftsmittel wurden übrigens die kroatischen Kapläne nach und nach beseitigt, was freilich zur Folge hatte, dass sofort das Verlangen nach der Wiedereinsetzung kroatischer Pfarrer auftauchte. In der Marktgemeinde Hof dauerte die diesbezügliche Agitation bis ins zweite Viertel des laufenden Jahrhunderts und bekannten sich im Jahre 1790 von 164 Hausbesitzern 94 zur kroatischen Nationalität, worunter aber höchstens 20 der deutschen Sprache nicht vollkommen Kundige waren. Schliesslich errang auch hier die deutsche Sprache die Alleinherrschaft, und heutzutage besteht ein doppelsprachiger Gottesdienst am rechten Donauufer nur mehr in der Marktgemeinde Au, die sich der gegenteiligen Anordnung durchaus nicht fugen wollte, so oft sie auch daran erinnert worden war (85).

Auch am linken Ufer der Donau stiess die Verdrängung des kroatischen Gottesdienstes auf Schwierigkeiten. Die vornehmsten Stützpunkte des Widerstandes waren hier einerseits Haringsee und andererseits Engelhartstetten, beziehungsweise die Filiale Loimersdorf, von welcher oben bereits gemeldet wurde, dass sie sich bis zur Gegenwart der Germanisierung erwehrt hat. Zu Haringsee schürte im Jahre 1782 der Pfarrer Martin Prossenitsch die Unzufriedenheit mit dem Verbote, das öffentliche Gebete und Gesänge bei Prozessionen in einer andern Sprache als in der deutschen unterdrückte. Er selbst hielt den Gottesdienst kroatisch, liess beim Hochamte durch den Schullehrer kroatische Lieder anstimmen u. s. w. Angeblich zerfiel die Gemeinde damals in 23 deutsche und 40 kroatische Hauswirtschaften. Die "Deutsche Nation" stand unter einem eigenen Richter der "kroatischen" gegenüber, welche eben das numerische Uebergewicht zu haben behauptete. Die Hofkanzlei in Wien mahnte mit Resolution vom 27. Dezember 1782 von der Verhetzung ab, welche diese unerquicklichen Zustände geschaffen hatte, richtete aber damit so wenig aus, dass sie unterm 20. September 1784 sich zu dem Zugeständnisse gezwungen sah, es dürfe der Pfarrer von Haringsee an bestimmten Tagen, der ihm obliegenden deutschen Predigt unbeschadet, auch in kroatischer Sprache von der Kanzel herab zu den Pfarrgenossen sprechen. Als beigelegt konnten diese Konflikte erst im folgenden Jahre be [392] trachtet werden, wo der die Unruhe nährende Pfarrer von diesem Posten entfernt wurde. Was Loimersdorf anbelangt, so blieb hier der kroatische Gottesdienst bis zum Jahre 1792 unangefochten. Als die niederösterreichische Landesregierung damals (mit Erlass vom 17. März) das Verbot erliess, dass im Bereiche der Pfarre Engelhartstetten, wozu eben die Gemeinde Loimersdorf gehörte, künftig kroatischer Gottesdienst stattfinde, machte diese dagegen Vorstellungen, indem sie versicherte, unter 900 Pfarrkindern seien kaum 50, welche zur Not sich in der deutschen Sprache auszudrücken vermögen. Die Gemeinde bat, kroatische Predigten noch so lange zu gestatten, bis der Nachwuchs in der Dorfschule sich die deutsche Sprache genugsam werde angeeignet haben. Der Bezirksdechant unterstützte dieses Gesuch und die Landesregierung gewährte von 3 zu 3 Jahren die Verlängerung eines Provisoriums, welches darin bestand, dass ein doppelsprachiger Pfarrer seine geistlichen Funktionen in beiden Sprachen ausüben durfte. Hieran änderte auch ein Tumult nichts, welcher im Jahre 1797 in der Kirche zu Engelhartstetten entstand, als die dahin eingepfarrten Loimersdorfer Kroaten die anwesenden Deutschen am Singen deutscher Kirchenlieder hinderten. — Dagegen waren die Bemühungen eines Kaplans der Pfarre Eckart sau, zu welcher die Gemeinden Pframa, Kopfstetten und Kroatisch-Wagram gehörten, für die Kroaten dieser 3 Gemeinden einen besonderen, und zwar kroatischen Pfarrer durchzusetzen, vergebens, obschon der Agitator (Peter von Farketitsch, Sohn eines Ototschaner Grenzoffiziers) unterm 7. April 1783 sogar ein Majestätsgesuch zu diesem Ende einreichte und nicht in Abrede zu stellen war, dass, wie die darauf hin eingeleitete Untersuchung ergab, zu Kopfstetten seit mindestens 150 Jahren Kroaten in grosser Zahl sich aufhielten, auch zu Pframa und Kroatisch-Wagram ihrer viele vorhanden waren. Als man in weiterem Kreise Umschau hielt, erwies sich die Ortschaft Breitstetten als zur Hälfte kroatisch und als mindestens ebenso alt wie Kopfstetten. Ja es wurde kundbar, dass zu Zwerndorf an der March bis vor kurzem sowohl die Predigt als die Christenlehre kroatisch gewesen waren. Aber weder die geistliche noch die weltliche Obrigkeit kümmerte sich um derlei Argumente, was sicher das beste Mittel war, den natürlichen Entwicklungsgang, dem die kroatische Nationalität in jenen Gegenden von selbst zum Opfer fiel, vor Behinderungen zu bewahren.

Wenn die Gemeinden Au und Loimersdorf bis zum heutigen Tage eine Ausnahme von dem Schicksale bilden, das die übrigen kroatischen Siedlungen des Landes unter der Enns teils im letztverflossenen, teils im laufenden Jahrhunderte betroffen hat, so hat dies in Umständen seine Ursache, deren ich hier noch zum Schlüsse ausführlicher gedenke.

Vor allem erklärt es sich aus dem Rückhalte, welchen diese beiden Gemeinden vermöge ihrer geographischen Lage, d. h. als knapp an der ungarischen Grenze gelegen, an ihren jenseits dieser Grenze wohnenden Nationsgenossen haben. Und diese sind hier wahrlich zahlreich genug, um einen festen Rückhalt zu bilden. Denn bei der letzten Volkszählung (1880) wurden im Pressburger [393] Komitate 2081, im Wieselburger 8464, im Oedenburger 27 691 Serbo-Kroaten gezählt (86). Davon lebten nahe an der Grenze: zu Theben-Ujfalu 1171, zu Hidegküt 173, zu Horvát-Gurab 545, zu Lajtafalu 287, zu Pärndorff 1929, zu Ujfalu 917. Vor dritthalb Jahrhunderten schied diese dermalen ungarischen Ansiedlungen südlich von der Donau nicht einmal eine politische Grenze von den österreichischen, sondern es erstreckte sich damals das Erzherzogtum Oesterreich unter der Enns tief ins heutige Ungarn hinein (87). Demzufolge entstanden zwischen beiden Gruppen Wechselbeziehungen, welche die politische Zusammengehörigkeit überdauerten.

Hierzu kommt, dass sowohl Au als Loimersdorf verhältnismässig junge Ansiedlungen sind. Ersterer Ort soll neuerdings nach dem Jahre 1684 mit Kroaten besetzt worden sein (88); letzterer wird als eine Schöpfung der Herzogin M. A. Viktoria von Sachsen-Hildburghausen betrachtet, welche als Besitzerin der Herrschaft Schlosshof dieselbe vermutlich im Jahre 1739 hervorrief (49).

Endlich ist beim Markt Au nicht zu übersehen, dass in ihm nach und nach das kroatische Element, welches früher über eine Kette von Ortschaften (Sommerein, Mannersdorf, Hof, Pischlsdorf, Götzendorf) am Saume des Leithagebirges verteilt war, gewissennassen sich konzentriert und verdichtet hat. Dieses Element wurde obendrein wiederholt durch Träger kroatischer Intelligenz, welche sich inmitten der kroatischen Bevölkerung niederliessen, gehoben und sein Selbstgefühl solchergestalt aufgefrischt. So erwarb im Jahre 1623 Philipp Lukowitsch, gewesener Hauptmann über 100 kroatische Pferde (Reiter), die früher Enziansche Realität im Markte Mannersdorf; 1642 war der Rittmeister Georg Radimilowitsch Besitzer des Thurnhofs im Markt Hof; ihm folgte 1650 der Oberst Joh. Gussenitsch in diesem Besitze (90). Und an Leuten von reinster kroatischer Abstammung, denen die Bewahrung ihrer angeborenen Nationalität als eine besondere Ehrensache erscheinen musste, hat es unter diesen Leithakroaten auch sonst nicht gefehlt. Ein Verzeichnis derjenigen, welche im Jahre 1559 zu Mannersdorf Grundstücke urbar machten, enthält die Namen Holkowitsch, Stalitrawitsch, Subitsch, Pauganitsch, Gerdanitsch, Zajdschitsch, Bartakowitsch, Buganitsch. Als Weingärtenbesitzer erscheinen 1569 in der Gemeinde Au: Kerschnawitsch, Mekenitsch, Pisanitsch, Babitsch, Sunkawitsch, Czuczolitsch, Schimatowitsch, Dragowitsch, Koprisonitsch, Dribodella (91).

[394] Zu welcher Zeit die Familie Dwornikowitsch, aus deren Mitte die Führer der kroatischen Partei im Markt Hof sowohl im Jahre 1740 als 1790 hervorgingen, dahin eingewandert ist, vermag ich nicht zu bestimmen; doch ist dies der Thatsache gegenüber, dass sie es war, die in dieser Gegend für die Erhaltung der kroatischen Nationalität nachdrücklichst eintrat, eine gleichgültige Sache. Jedenfalls hat gerade sie viel beigetragen, dass, während sie durch ihren Ungestüm die Blicke der Behörden von der Gemeinde Au ablenkte, das kroatische Wesen in letzterer verschont blieb, ja an Lebensfähigkeit gewann und deshalb auch sich behauptete.

Lange Fortdauer ist ihm übrigens auch hier kaum mehr beschieden. Denn ein Bericht über die kroatischen Einwohner von Au aus neuester Zeit (92) lautet: "...sie halten noch auf ihre nationale Kleidung und einzelne Bräuche, sprechen aber neben ihrer Muttersprache deutsch, sowie bei deutsch-kroatischen Ehen die Familie meist die deutsche Sprache pflegt."


Ueberblickt man die im Vorstehenden mitgeteilten Ereignisse, so offenbart sich

erstens: eine Wirkung der Türkenkriege, durch welche die Verbreitung der Deutschen in Oesterreich nicht nur eingeengt, sondern auch zurückgeschraubt wurde;

zweitens: eine in den sozialen Verhältnissen der Gegenwart begründete Ausbreitung der Czechen, welche mit dem Vorrücken der Italiener in Südtirol Aehnlichkeit hat.

Jene Wirkung hat im Laufe der Jahrhunderte sich abgeschwächt; aber in einzelnen Gegenden von Istrien, Görz-Gradiska und Krain vernichtete sie Keime des Deutschtums auf immer und im Lande unter der Enns besteht sie an drei Punkten (an der Leitha, March und Thaya) in der Gestalt von Gemeinden fort, welche mit Rücksicht auf den geschichtlichen Charakter des Landes und auf die nationale Eigenart seiner vom Beginne der Markenbildung an hier heimischen Bevölkerung als fremdartige bezeichnet werden müssen.

Das Ueberhandnehmen der Czechen in Gegenden, wo sie früher nur sehr vereinzelt vorkamen, ist eine das Deutschtum noch mehr bedrohende Erscheinung. Denn es wird hierdurch über das Land unter der Enns und darüber hinaus ein Netz von nationalen Beziehungen gespannt, das, je dichter es wird, auch den bereits verdeutschten Czechen daselbst eine desto grössere Versuchung bereitet, aus ihrem Stillleben hervorzutreten und eine nationale Sonderstellung anzustreben. Die zum Gelingen solcher Bestrebungen erforderlichen Kräfte und die Gabe, sie zu sammeln, sind bei den durch nationale Langlebigkeit [395] sich auszeichnenden Czechen reichlich vorhanden. Gegenmassregeln, wie sie die Vorzeit kannte und bei den kroatischen Einwanderern ohne Bedenken in Anwendung brachte, sind durch den Geist des 19. Jahrhunderts nicht minder als durch Verfassungszustände, die als Erzeugnis desselben Dauer beanspruchen, geradezu ausgeschlossen.

Es birgt also diese Erscheinung in sich ein gesellschaftliches Problem, mit dessen Lösung zum spätesten die nächste Generation sich zu beschäftigen haben wird.

Zu welchem Grade von Selbstgefühl das nationale Bewusstsein einzelner Gruppen der ins Land unter der Enns eingewanderten Slaven sich entwickelt hat und welche Folgen damit verknüpft sind, lehren beispielsweise zwei Beschwerden, mit welchen das österreichische Reichsgericht sich beschäftigen musste.

Am 2. März 1877 führten nämlich die Gemeinden Ober- und Unter-Themenau und Bischofswart (s. o. S. 382 [26]) bei diesem Gerichtshofe Klage über einen Erlass des Landesschulrates, womit der Gebrauch der slavischen Sprache in ihren Schulen auf die Vermittlung des Verständnisses des deutschen Unterrichts beschränkt und letzterer den betreffenden Lehrern zur Pflicht gemacht wurde. Das Reichsgericht konnte nicht umhin, in diesem Erlasse eine Kränkung der den Volksstämmen des österreichischen Staates durch den Artikel 19 des Staatsgrundgesetzes über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger (vom 21. Dezember 1867) gewährleisteten Gleichberechtigung zu erblicken und den Unterrichtsbehörden zu bedeuten, dass der Unterricht an jenen Schulen in slavischer Sprache zu erteilen sei (93). Daraufhin vereinbarte die oben erwähnte Behörde mit den drei klagbar gewordenen Gemeinden Lehreinrichtungen, welche die allmähliche Einführung des deutschen Unterrichts bezweckten, zunächst aber dem Erkenntnisse des Reichsgerichts Rechnung trugen. Dabei wurde die Unterweisung in der Religion ausser Acht gelassen, und da trotzdem der Landesschulrat begehrte, dass auch diese dort in deutscher Sprache erteilt werde, wendeten sich die Gemeinden Unter-Themenau und Bischofswart unterm 18. August 1882 neuerdings an das Reichsgericht, welches nun abermals dem Klagebegehren derselben beipflichtete, auch der berührten Uebereinkunft gegenüber von neuem betonte, dass in den fraglichen Schulen die slavische Muttersprache der Kinder nicht bloss, wie die Uebereinkunft besagte, aushilfsweise, sondern zunächst und vorzugsweise anzuwenden sei (94).

Der zweiten Beschwerde war freilich eine Agitation für Errichtung einer czechischen Privatvolksschule in Wien vorausgegangen, bei welcher Gelegenheit behauptet wurde, dass in der Reichshauptstadt 150000 Czecho-Slaven leben, wovon kaum die Hälfte deutsch verstehe, dass daselbst 25 czechische Vereine existieren, längsther auch Gottesdienst in czechischer Sprache gehalten werde, und dass ohne jene [396] Vorsorge namentlich die in den Sommermonaten dort anwesenden Slovaken aus Ungarn nicht minder als die Czechen aus Böhmen verwildern müssten (95).

Ich bin auf diese Verhältnisse oben absichtlich nicht näher eingegangen, weil es sich da nur ganz ausnahmsweise um Siedlungen handelt, vielmehr eine in steter Bewegung befindliche Menge von Slaven den Gegenstand der nationalen Behütung bildet. Aber ich will sie hier am Schlüsse nicht unerwähnt lassen, weil sie das Bild der Lage vervollständigen, welche zu schildern der Zweck der hier angestellten Betrachtungen ist.

In Istrien hat die Verstärkung der kroatischen Einwohnerschaft die Gefahr einer Lostrennung uralter Bestandteile der einstigen Grafschaft Mitterburg und der im Norden angrenzenden Herrschaftsgebiete heraufbeschworen. Eine Versammlung kroatischer Würdenträger (die sogenannte Banalkonferenz) erhob mittels einer Petition vom 5. Dezember 1860 beim Kaiser Anspruch auf Castelnuovo, Voloska und Albona, offenbar nicht aus rechtshistorischen Gründen, die sich ja dafür absolut nicht geltend machen lassen, sondern im Hinblick auf die Nationalität der Bevölkerung. Dieses Begebren hat zwar bis zur Stunde seitens der Krone keine Erledigung gefunden; aber dass es, namentlich in jungkroatischen Kreisen, fortbesteht, unterliegt wohl keinem Zweifel. Es ist allem Anscheine nach so alt wie die bezügliche Einwanderung, von welcher oben (S. 367 [11]) die Rede war. Denn unterm 22. Oktober 1524 kam zwischen dem Erzherzog Ferdinand als Beherrscher der österreichischen Länder und dem Grafen Nikolaus Zriny ein Vertrag zu Stande, laut welchem der letztere die Grafschaft Mitterburg samt der Stadt Kastua gegen Abtretung seiner Burgen Gwosdansko und Lessnicza vom Erzherzog eingeräumt erhielt. Nur der Einspruch des Königs von Ungarn wider diesen Tausch, dessen politische Tragweite keiner Erläuterung bedarf, hat ihn vereitelt (96).

Auch über Steiermark drohte bereits im 16. Jahrhundert aus der nämlichen Ursache die gleiche Gefahr hereinzubrechen. Der kroatische Landtag vom Jahre 1584 reklamierte — angeblich auf ein Heimfallsrecht gestützt, welches aber ein blosser Vorwand war, — die steiermärkischen Güter Rann, Wisell, Kunsperg (Königsberg), Kozje (Drachenburg), Pischäz u. s. w. (97). Davon stand er zwar in der Folgezeit [397] ab, weil es ihm im 17. Jahrhundert ohnehin gelang, ein ansehnliches Stück Land (die Gemarkungen dreier Dörfer am linken Ufer des Sottlaflusses) von Steiermark zu Kroatien zu ziehen.

Dagegen ist der Sichelburger Distrikt (siehe oben S. 372 [16]) dem Herzogtum Krain, zu welchem er unter dem staatsrechtlichen Gesichtspunkte sicher gehört, durch kroatische Prätensionen nicht nur streitig gemacht, sondern thatsächlich entfremdet, und zwar, nachdem dessen Zugehörigkeit zu Kroatien nicht bewiesen werden konnte (98), auf Grund sogenannter Opportunitätsrücksichten, unter welchen der Hinweis auf die nationale Zusammengehörigkeit eine hervorragende Stelle einnimmt (99). Mit Ausnahme der Exklave Marindol, auf welche die kroatische Landesregierung zu Gunsten Krains verzichtet zu haben scheint, ist der ganze, über 4 Quadratmeilen grosse und von mehr als 10000 Menschen bewohnte Distrikt durch deren Verordnung vom 30. Juni 1886 dem Agramer Komitate einverleibt und untersteht er dem kroatischen Bezirksamt Jaska.

Ob der österreichische Reichsrat, welcher im Jahre 1871 gegen eine solche Inkorporierung Verwahrung eingelegt hat und damit erzielte, dass das ungarische Gesetz vom 10. Februar 1872 über die Militärgrenze diese Angelegenheit in der Schwebe beliess — die soeben geschilderte Sachlage ungerügt lassen; ob auch der Krainer Landtag, welcher jenen Protest anregte, dazu schweigen wird, das muss die nächste Zukunft lehren.

Gewiss ist, dass, wenn der Sichelburger Distrikt für Krain, beziehungsweise für Oesterreich verloren geht, die Ursache dieses Verlustes in der arglosen Aufnahme der Üskoken liegt, welche der ursprünglichen Intention nach eine Grenzwehr sein sollten, jetzt aber das Gegenteil davon sind.

Und an diesem Beispiele bewährt sich von neuem die Bedeutung, welche ethnographischen Forschungen zukommt, mag ihr Gegenstand auf den ersten Blick auch noch so geringfügig oder veraltet erscheinen.


Notes:

  1. Slavische Eigennamen gebe ich in der Form, in welcher die betreffende Quelle sie darbietet. Bei vorstehenden Namen halte ich mich, soweit sie nicht, wie z. B. Schumberg, deutsch oder italienisch klingen, an das von der k. k. statin. Centraikommission in Wien herausgegebene Spezial-Ortsrepertorium vom Küstenland. Die neuesten Volkszählungsresultate entnehme ich, wenn nichts anderes ausdrücklich bemerkt ist, den für die fraglichen Länder bereits erschienenen Repertorien dieser Art.
  2. Die Bezeichnung "Walpoto" für einen herrschaftlichen Gewaltboten erhielt sich im nördlichen Teile von Istrien bis ins 16. Jahrhundert. So wird in einem Urbar der Herrschaft Castelnuovo am Karst vom Jahre 1574 eine im Jahre 1465 gemachte Aussage des Jacob Sfincho (Fink?) "fu Valpoto del ditto Castello" erwähnt. Selbst in einem Zehntstatut für Zagorien (das kroatische Grenzgebiet an der Sottla) vom Jahre 1475 erscheinen noch "Walpothi seu officiales alio nomine ryhtardi (Richter)". Im Castuaner Statute aus dem Anfange des 15. Jahrhunderts heisst (§ 1) Walpot derjenige, welcher den Viehzehnt für den Grundherrn einzuheben hat.
  3. Unterm 14. März 1550 empfahl König Ferdinand 1. dem Hauptmanne Hans Lenkhowitsch ein Gesuch des Hans Franz von Walderstain zur Berücksichtigung, in welchem dieser um eine Kriegsbedienstung bittet, nachdem er und sein Bruder im letzten venetianischen Kriege grossen Abbruch an ihren väterlichen ererbten Gütern erlitten hatten, noch fortwährend bedrängt seien und diese Güter nicht ruhig besitzen können (Niederösterr. Gedenkbuch Bd. 64. Blatt 312 im k. u. k. Reichsfinanzarchiv). Nach dem Kataster der landesfürstl. Lehen in Istrien aber wurden noch im Jahre 1839 Kinder des Johann und des Peter conte Walterstein mit dem Kastell und Territorium von Razizze und mit Grundstücken zu Segnach im Gerichtsbezirk Pinguente belehnt. Ursprünglich war Kaspar von Walderstein im Jahre 1494 durch Kaiser Max mit diesen Gütern, die später unter die venetianische Herrschaft kamen, belehnt worden. Glaubwürdigem Vernehmen nach leben noch dermalen Sprossen dieser Familie zu Razizze vom Ertrage der See fischerei.
  4. Wilhelm Urbas, Die Tschitschen und die Tschitscherei, ein Kulturbild aus Istrien in der "Zeitschrift des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins", Jahrg. 1884, S. 1 ff. Vgl. die Aufsätze über den Tschitachenboden von Job. Bilc und Jakob Sajovec in der slovenischen Zeitschrift "Novice", Jahrgang 1856, S. 288 ff.
  5. Ich berichtige hiermit meine in der Schrift "Die Romanen" S. 86 ausgesprochene Deutung des Ortsnamens Ladschach auf Grund genauerer Nachprüfung meines Materials. Die Abweichung in der Schreibweise einzelner Personennamen, welche bei einem Vergleiche der oben mitgeteilten mit den in jener Druckschrift enthaltenen sich herausstellt, rührt von der mittlerweile vollzogenen sorgfaltigen Revision der Handschrift her, welcher sie entlehnt sind.
  6. Der Bericht wurde unter dem Titel "Itinerarium, Wegraiss kö. Mayt. Potschafft gen Constantinopel" 1531 in Druck gelegt. Ein Exemplar dieser äusserst seltenen Druckschrift verwahrt die Hofbibliothek in Wien. Auszüge daraus veröffentlichte Prof. P. Matković im Agramer "Rad" (Organ der südslav. Akademie), Bd. 56 (1881).
  7. Uebrigens waren die in Rede stehenden Tschitschen keineswegs die ersten, welche in Istrien festen Fuss fassten. Dies geht aus den urkundlichen Nachrichten hervor, welche Dr. Kandler in seiner "Raccolta delle leggi ordinanze etc. per Trieste" (Triest 1861) aus dem Archiv der Stadt Triest zusammengestellt hat. Siehe den Abschnitt "Lo Rimboscamento". De Franceschi erwähnt a. a. O. S. 404 nach Triester Kriminalakten vom Jahre 1500 einen Ciccio da Segna (aus Zengg) und einen Ciccio da S. Michele di Leme (im Gerichtsbezirk Parenzo).
  8. Die Akten, welchen vorstehende Angaben entnommen sind, liegen im Krainer Landesarchiv.
  9. Siehe die "Ungarischen Akten" im k. u. k. Reichsfinanzarchiv zu Wien.
  10. Erkundigungsschreiben des Feldhauptmanns Hans Ungnad vom 29. Oktober 1540 im Krainer Landesarchiv.
  11. Siehe das "Oesterr. Gedenkbuch" Bd. 29, Bl. 243, im k. u. k. Reichsfinanzarchiv zu Wien.
  12. "Ungar. Akten" im k. u. k. Staatsarchiv zu Wien vom November 1537.
  13. Erlass der innerösterr. Hofkammer an den Krainer Vizedom d. d. 2. Juli 1585 im Krainer Landesarchiv (Urbarialakten der Herrsch. Marnfels, M. XI).
  14. Der Bericht, welcher hiervon handelt, ist vom 30. Dezember 1574 datiert und erliegt unter Zahl 74 vom August 1575 im innerösterr. Hofkammerarchiv zu Graz.
  15. Ich entnehme das hierher Einschlägige den Aktenstücken 6 vom April 1585 und 46 vom März 1589 im innerösterr. Hofkammerarchiv, dann den Urbarialakten der Herrsch. Marnfels (M. XI) im Krainer Landesarchiv.
  16. Die hier erwähnten Aktenstücke befinden sich unter den sogenannten Miscellaneen des Grazer Statthaltereiarchivs.
  17. Siehe den von Dr. Fr. Rački in den "Starine" der südslavischen Akademie, IX. Bd., S. 174 ff. veröffentlichten, um das Jahr 1620 von einem Kaufmann aus Ancona in italienischer Sprache verfassten Dialog Über die kroatischen Uskoken.
  18. Vgl. Dr. Lagjnia's "Istarske pricice" (Istrianer Erzählungen) in der kroatischen Zeitschrift "Vienac" vom Jahre 1879 und 1880, sowie C. A. Combi's "Cenni etnografici sull' Istria" im Triester Almanach "Porta orientale" für 1859, S. 107; ferner Valvasor's Beschreibung (Ehre) des Herzogtums Krain, I. Teil, 2. Buch, S. 285, und II. Teil, 6. Buch, S. 328, und C. De Franceschis Notizen in der Zeitschrift L'Istria von 1852, Nr. 50.
  19. Ferd. Ughelli, Italia sacra, Tom. V (edit. secunda), Venetiis 1729, p. 470, Die auch von De Franceschi angezogene Stelle lautet der Hauptsache nach: "...Comitatus Pisini, quem variae incolunt gentes partim indigenarum partim advenarum, qui ex finitimis Croatiae locis... fugientes huc se receperunt — Sunt et quaedam villae, quas populi Morlachi appellant (appellati?) inhabitant et ipsi pariter finibus patriis a Turcis expulsi."
  20. Oesterr. Gedenkbücher im k. u. k. Reichsfinanzarchiv zu Wien Bd. 25, Bl. 20 u. Bd. 27, Bl. 280.
  21. Copeibuch "Von der k. Majestät", Jahrg. 1521 (im Innsbrucker Statthaltereiarchiv), Bl. 95. Den Grafen Johann Frangepan (von der Bründler Linie) hatte schon Kaiser Max I. unterm 1. September 1496 zu seinem "Diener von Haus aus" mit einem Wartgeld von 1000 fl. rheinisch im Jahre ernannt und am 28. August 1497 war Niclas Kellmanitsch (Kalamanitsch?) in seine Dienste getreten. Siehe das Copeibuch "Geschäft von Hof, Jahrg. 1496 u. 1497 ebenda, Bl. 137 u. 353.
  22. Dazu gehört die Deutsch-Ruth genannte Gebirgsgegend, über deren Slavisierung Hofrat Karl Frhr. von Czornig junior in der "Zeitschrift des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins" Jahrg. 1875, Bd. VI, S. 247 ff. berichtet hat. Vor Zeiten erstreckten sich diese deutschen Rodungen, zumeist das Werk von Kolonisten aus dem tirolischen Pusterthale, viel weiter als die Gemarkung der Ortschaft Deutsch-Ruth dermalen reicht. Der Görzer Kanonikus Stephan Kociančić hat im "Arkiv za povjestnicu jugoslavensku", III. Bd., Agram 1854, S. 216 ff., den Nachweis geliefert, dass die ganze heutige Ortsgemeinde Grahova, welche bei der letzten Volkszählung 3814 Einwohner in 610 Häusern in sich begriff, mit Ausnahme des Dorfes Grahova (658 Einwohner in 54 Häusern) und der Gemeindefraktion Kneza (801 Einwohner in 150 Häusern) einst Deutsche zu Bewohnern hatte. Nach ihm (ebenda, S. 222) erhielten sich auch bei den Flitscher Bauern Anklänge deutscher Art.
  23. Siehe Valvasor a. a. 0. 15. Buch, IV. Teil, S. 598; Arkiv za povjestn. jugoslav. (Archiv für südslav. Geschichte) S. 113 und Dr. Ivan Crnčić, Dvie razprave "Zwei Abhandlungen", wovon die erste das illyrische St. Hieronymuskollegium in Rom zum Gegenstand hat und, da der Verfasser selbst als Kanonikus demselben angehört, sehr wertvolle Nachrichten darüber enthalt. Am 10. Dezember 1655 fallte die Rota Romana über Aufforderung des Papstes das Erkenntnis: die Krainer. Kärntner und Steiermärker seien keine Illyrier, d. h. keine Südslaven.
  24. Siehe Valvasor a. a. 0. 15. Buch, IV. Teil, S. 598; Arkiv za povjestn. jugoslav. (Archiv für südslav. Geschichte) S. 113 und Dr. Ivan Crnčić, Dvie razprave "Zwei Abhandlungen", wovon die erste das illyrische St. Hieronymuskollegium in Rom zum Gegenstand hat und, da der Verfasser selbst als Kanonikus demselben angehört, sehr wertvolle Nachrichten darüber enthalt. Am 10. Dezember 1655 fallte die Rota Romana über Aufforderung des Papstes das Erkenntnis: die Krainer. Kärntner und Steiermärker seien keine Illyrier, d. h. keine Südslaven.
  25. Siehe des k. kroatischen Regierungssekretärs Radoslav Lopašić Schrift "Zumberak" (Sichelburg), Agram 1881, und meine Abhandlungen über die Entstehung und Ausbildung der Uskokenansiedlungen in Krain im I. und II. Bande des von Franz Schumi in Laibach herausgegebenen "Archiv für Heimatkunde"; ferner das "Memoriale über die Zugehörigkeit des ehemaligen Sichelburger Militärgrenzdistriktes und der Gemeinde Marienthal zu Krain", welches, eine Arbeit des gegenwärtigen Prager Universitätsprofessors Dr. August Fournier, als Beilage 27 zum stenographischen Berichte über die Sitzung des Krainer Landtags vom 1. Oktober 1881 gedruckt vorliegt.
  26. Siehe über diese des Karlstädter Erzpriesters Nicola Begovic "Istorja srpske crkve" (Geschichte der serbischen Kirche), Neusatz 1877, S. 65.
  27. Nach Lopašić ist der Fluss Kupčina die ethnographische Grenze. Die altgescssenen Kroaten bewohnen die Thalsohle zu beiden Seiten der Kulpa zwischen Kostanjevac und Osterć, sowie den Ort Schumberg. Mit Uskoken vermischt, trifft man sie auch am linken Ufer der Kupčina gegen Kalovo und Mrzlopolje zu und im Nordwesten reichen sie längs dem Bache Sušice bis zur Ortschaft Sočicé.
  28. Als solches vom Agramer Kanonikus J. A. Colnić ausdrücklich bezeichnet in einem Briefe an Kercselich vom 22. März 1749. Siehe M. Mesić, Korespondencija Krčelićeva im VIII. Band der "Starine", Agram 1876, Nr. 64.
  29. Von den hier bezogenen Eintragungen erfolgte keine später als im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts, die grosse Mehrzahl ging schon im 16. Jahrhundert vor sich. Von einzelnen, aus Dalmatien versprengten Altkroaten ist bekannt, dass sie schon zu Anfang des 16. Jahrhunderts in Krain ihren Aufenthalt nahmen und Grundbesitz erwarben. Marco von Kliss (Clissa) bei Spalato erscheint in einem Verzeichnisse der mit den Landessteuern Rückständigen vom Jahre 1513 "von des von Berneck (Wernek) und sein selb wegen". Am 26. April 1512 hatten die ständischen Ausschüsse von Steiermark, Kärnten und Krain mit ihm einen Vertrag wegen Organisierung des Kundschafterdienstes wider die Türken geschlossen.
  30. Valvasor a. a. 0., 9. Buch, im III. Teil, S. 41 u. 66. Niklas Jurisitsch, damals landesfürstl. Fürschneider, war kraft Verleihung des Erzherzogs Ferdinand, d. d. Innsbruck 3. April 1525, Nachfolger des Grafen Christoph Frangepan im Besitze der krainischen Herrschaften Adelsberg und Neuhaus am Karate (siehe österreichisches Gedenkbuch Bd. 21. Bl. 283).
  31. Was hier an Einzelheiten über das Vorkommen der Kroaten in Krain mitgeteilt wird, ist den Urbarbüchern entnommen, welche nach Bedarf auch im Texte speziell bezogen sind und sämtlich im Krainer Landesarchiv aufbewahrt werden.
  32. Diese behaupteten sich auch daselbst. Im Jahre 1568 gab es hier folgende Unterthanen: Peter Zubritsch, Juran Crabbath, Laury Markhowitsch, Stiepan Gardinowitsch, Gregor Crabbath und Peter Wogowitsch.
  33. Bei den im Jahre 1846 gepflogenen offiziellen Erhebungen, aus welchen Czörnigs Ethnographie der österreichischen Monarchie hervorging, wurden, wie aus Jos. Hains "Handbuch der Statistik des österreichischen Kaiserstaates", I. Bd., Wien 1852, S. 219, zu ersehen ist, in Krain 17697 Kroaten gezählt, und zwar in den Katastralgemeinden Ossinetz, Kuschel, Piertsche, Fara, Vrch, Banjaluka und Suchor; ferner in den Ortschaften Dol, Vornschloss, Unterberg (Dolenja Podgara), Altenmarkt, Schöpfenlag (Sodevic), Tanzberg, Oberh, Weltsperg, Alt- und Neu-Linden, Schweinberg (Vrch), Damel, Utschakacze, Weiniz, Preloka, Adleschiz, Bojance, Hrast bei Weiniz, Doblice, Radence und Butoraj; endlich, mit Deutschen gemischt, zu Tscheplach und Maierle.
  34. Lopašić (a. a. 0. S. 10) schätzt die Zahl der zwischen der Kulpa und dem Poljaner Gebirge wohnenden "weissen Krainer", d. h. Kroaten, im politischen Bezirk Tschernembl auf beiläufig 28000 und sagt von ihnen, dass sie sich in Sprache, Tracht und Gestalt des Körpers von den Bewohnern der Gegend um Ribnik und Bosilievo in Kroatien nicht unterscheiden.
  35. Verordnetenrelation, erstattet im Januar 1607. Siehe steiermärkisches Landtagsprotokoll im Landesarchiv zu Graz, Bd. 1715, Bl. 409 ff.
  36. Steiermärkisches Landtagsprotokoll ebenda, Bd. 1720, Bl. 158.
  37. Im Gegenteil wendeten sie derselben ihr Augenmerk zu. Ein Ratschlag der steiermärkischen Landschaft vom 30. März 1538 (Landtagshandlungen Bd. 5 im steiermärkischen Landesarchiv Bl. 61) dringt auf die Bestellung eines Bannrichters und öffentlichen Anklägers, "so die windisch sprach khunen", und erklärt es als unleidlich, dass beim Strafverfahren die Gerichtspersonen und Angeklagten sich wechselseitig nicht verstehen.
  38. Ich habe, teils auf eigene archivalische Forschungen, teils auf Mitteilungen des Hrn. Gymnasialprofessors Fr. Hubad gestützt, diese Serbenansiedlungen zum Gegenstand ausführlicher Darstellung in den "Mitteilungen des historischen Vereins für Steiermark", XXXI. Heft (1883) gemacht.
  39. Belege hierfür habe ich gleichfalls in dem eben citierten Aufsatze beigebracht. Jörg Kollonitsch, genannt Krabath, hat schon im Jahre 1483 das Schloss Mahrenberg im Drauthale vom Kaiser Friedrich IV. zur pflegeweisen Verwaltung verliehen erhalten. Siehe Schmutz, Historisch-topographischees Lexikon von Steiermark, II, 478.
  40. Die bezügliche Urkunde hat der kroatische Geschichtsforscher Radoslav Lopašić, der mich mit deren wesentlichem Inhalte bekannt zu machen die Güte hatte, eingesehen und echt befunden.
  41. Gütige Mitteilung des Hm. k. k. Bezirkshauptmanns Dr. Karl König, der mit diesen Kolonisten in öftere amtliche Berührung kam.
  42. Verordnetenrelation, erstattet im Januar 1607. Siehe steiermärkisches Landtagsprotokoll im Landesarchiv zu Graz, Bd. 1715, Bl. 409 ff.
  43. Steiermärkisches Landtagsprotokoll ebenda, Bd. 1720, Bl. 158.
  44. Im Gegenteil wendeten sie derselben ihr Augenmerk zu. Ein Ratschlag der steiermärkischen Landschaft vom 30. März 1538 (Landtagshandlungen Bd. 5 im steiermärkischen Landesarchiv Bl. 61) dringt auf die Bestellung eines Bannrichters und öffentlichen Anklägers, "so die windisch sprach khunen", und erklärt es als unleidlich, dass beim Strafverfahren die Gerichtspersonen und Angeklagten sich wechselseitig nicht verstehen.
  45. Ich habe, teils auf eigene archivalische Forschungen, teils auf Mitteilungen des Hrn. Gymnasialprofessors Fr. Hubad gestützt, diese Serbenansiedlungen zum Gegenstand ausführlicher Darstellung in den "Mitteilungen des historischen Vereins für Steiermark", XXXI. Heft (1883) gemacht.
  46. Belege hierfür habe ich gleichfalls in dem eben citierten Aufsatze beigebracht. Jörg Kollonitsch, genannt Krabath, hat schon im Jahre 1483 das Schloss Mahrenberg im Drauthale vom Kaiser Friedrich IV. zur pflegeweisen Verwaltung verliehen erhalten. Siehe Schmutz, Historisch-topographischees Lexikon von Steiermark, II, 478.
  47. Die bezügliche Urkunde hat der kroatische Geschichtsforscher Radoslav Lopašić, der mich mit deren wesentlichem Inhalte bekannt zu machen die Güte hatte, eingesehen und echt befunden.
  48. Gütige Mitteilung des Hrn. k. k. Bezirkshauptmanns Dr. Karl König, der mit diesen Kolonisten in öftere amtliche Berührung kam.
  49. Es wurden da, mit Einschluss der Slovaken und slavischen Mährer, ihrer 61257 gezählt, ohne die Ausländer dieser Nationalität, und zwar in der Stadt Wien 25186 = 3.99% der einheimischen Gesamtbevölkerung. Im politischen Bezirk Mistelbach machten sie 7,77, im politischen Bezirk Weidhofen a. d. Thaya 6,15, im politischen Bezirk Bruck a. d. Leitha 4,35, im politischen Bezirk Wiener-Neustadt (Umgebung) 3,84, im politischen Bezirk Baden 3,64 Prozent.
  50. In einem Antwortschreiben vom 9. Dezember 1886, welches er auf diesbezügliche Anfragen an den Verfasser der vorliegenden Abhandlung zu richten die Gewogenheit hatte.
  51. Sowohl die Slovaken als die mährischen Slaven unterscheiden sich als Reste derjenigen Slaven, welche einst das grossmährische Reich bildeten, der Abkunft nach wesentlich von den Czechen, deren geistige Kultur allerdings im Laufe der Zeit assimilierend auf sie gewirkt hat.
  52. So heisst es von den Bewohnern von Bischofs wart in der "Topographie von Niederösterreich", II, 175: sie seien "Slaven kroatischen Stammes, die neben ihrer Muttersprache auch deutsch reden, aber ihre nationale Kleidung bewahrt haben". Damit stimmen auch die dortigen Familiennamen überein, welche mit geringer Ausnahme ein unverkennbares kroatisches Gepräge tragen, darunter der Name Slunsky, ein Hinweis auf den Stammort Sluin. Der gleichen Erscheinung begegnet man zu Oberthemenau, wogegen von den Familien Berkowitsch, Winkowitsch, Schimkowitsch, Koporitsch u. a. in Hohenau an der March nachweisbar ist, dass sie erst vor 50 Jahren aus der ungarischen Slovakei zugewandert sind.
  53. Siehe Krones, Handbuch der Geschichte Oesterreichs, I. Bd. (Berlin 1876), S. 375.
  54. G. A. Schimmer, Statistik der öffentlichen und Privatvolksschulen, herausgegeben von der k. k. statistischen Centraikommission, Wien 1878, S. 6.
  55. Laut dem "Niederösterreichischen Amtskalender" von diesem Jahre.
  56. Ethnographie der österreichischen Monarchie, I. Bd., 1. Abtlg. Wien 1857, S. 662.
  57. Siehe dessen Aufsatz: O Slowanech w Dolních Rakausich (Die Slaven in Niederösterreich) in der Zeitschrift des böhmischen Museums (Časopis českeho Musẽum) vom Jahre 1844, S. 536 ff. (die Fortsetzung erschien im Jahrgang 1845). Nach den für Czörnigs Ethnographie im Jahre 1846 gemachten Erhebungen (welche Jos. Hain in seinem "Handbuch der Statistik des österreichischen Kaiserstaates", I. Bd., Wien 1852, publiziert hat) gab es damals im Lande unter der Enns, von Wien abgesehen, 6864 Kroaten; Czechen und Slovaken aber 11,513.
  58. Illustratio critica situs et ambitus Slavoniae et Croatiae, Pars III. Pestini 1847, p. 113. Vgl. die "Oesterreichischen Blätter für Litteratur, Kunst etc.", Jahrg. 1847, Nr. 5 und 6.
  59. Tabula der Vitztumb- vnnd exempten Aemtter (Bd. 22 der sogenannten niederösterreichischen Gedenkbücher) im k. und k. Reichsfinanzarchiv zu Wien, Blatt 16. Einzelne Altkroaten brachten schon früher Edelsitze im Lande unter der Enns an sich, so z. B. Andreas Kuzal de Lyka (Likka), welcher um das Jahr 1481 den Ansitz Lappitz bei Wang im heutigen Gerichtebezirk Scheibbs erwarb und sich späterhin nach demselben nannte. Sein Vater war um das Jahr 1470, nachdem ihm die Türken seine Erbgüter abgenommen hatten, nach Oesterreich gekommen und machte sich um die Verteidigung der Burg Steyr an der Enns wider die ungarischen Angriffe verdient. Siehe Wies grill, Schauplatz des niederösterreichischen Adels, V. Bd., S. 436.
  60. Siehe das vorcitierte Gedenkbuch, in welchem Blatt 122 die Verabfolgung von Geschütz und Pulver an die Grafen Christoph und Wolfgang Frangepan, Blatt 457 eine ähnliche Unterstützung des Grafen Zriny, Blatt 482 ein allgemein lautendes Mandat zur Armierung der "pessern Heuser an den crabatischen Grenitzen", Blatt 492 ein Befehl, dass die Soldrückstände an die "crabatischen Edelleut so jetztverschinen Sumer (1525) in Ir f. Durchlaucht Dienst und Sold wider die Türkhen gehalten worden", und Blatt 29 eine Anweisung zur Bezahlung der Zehrungskosten für die "crabatisch Botschaft in Wien" (d. d. 23. September 1524) verzeichnet ist.
  61. Chmel, Habsburgisches Archiv, II. Heft, ürk. 41.
  62. F. J. Fras, Topographie der Karlstädter Müitärgrenze. Agram 1835, S, 257.
  63. Radoslav Lopašić, Obćina Draganićka. Agram 1883, S. 2.
  64. Instruktion derselben für ihre Gesandten zum König Ferdinand I. vom Jahre 1534 im steiermärkischen Landesarchiv: Allegat der Handschrift 575. Vgl. bezüglich der kroatischen Siedlungen um Schlaining und Rechnitz im Eisenburger Komitate, deren Gründer aus der Gegend von Kopreinitz gekommen sein sollen, Szegedis Rubricae II, 93.
  65. Die Aufforderung der Regierungsbehörde, welche diese demzufolge unterm 21. September 1537 "Croatis colonis Comitis ad Salm ad Arcem Orth habitantibus" zustellen liess, befindet sich unter den ungarischen Akten des Staatsarchivs in Wien.
  66. Das betreffende Schriftstück erliegt im Archiv des fürsterzbischöflichen Konsistoriums zu Wien, und zwar bei den Akten der Pfarre Wilfersdorf. Diesem Archiv sind auch alle nachstehenden geschichtlichen Angaben über die Kroaten im Lande unter der Enns entnommen, bei welchen nicht ausdrücklich auf eine andere Quelle hingewiesen ist. Erschlossen wurde mir dasselbe durch das Wohlwollen seines Vorstandes, des hochwürdigen Domkapitulars Franz Kornheisl. Der Wert der an sich reichen Ausbeute, welche es geliefert hat, wird durch den Umstand, dass es für den vorliegenden Zweck früher nie benutzt worden, noch gesteigert.
  67. Akt 28 ex Juli 1572 im innerösterreichischen Hofkammerarchiv zu Graz.
  68. Topographie von Niederösterreich, II., S. 175 und 452; Czornig, Ethnographie I, 1, S. 137. Im Jahre 1658 legten der Richter und die Geschworenen von Kopfstetten vor ihrer geistlichen Obrigkeit Zeugnis ab für eine hundertjährige Tradition, nach welcher während dieser ganzen Zeit dort stets nur Kroaten gewohnt hätten. In dem darüber erstatteten Berichte sind auch die Pfarrer des Orts aufgezählt bis beiläufig zum Jahre 1570 zurück. Sie tragen sämtlich kroatische Namen (Mikula, Barillich, Bogorich u. s. w.).
  69. Fr. S. Kuhać, Medju ugarskimi Hrvati (Unter den ungarischen Kroaten) in der Agramer Zeitschrift "Vienac" vom Jahre 1878, S. 676.
  70. Kercselich, Histor. Eccles. Zagrab., p. 266. Der Antrag dazu wurde schon im Jahre 1563 gelegentlich einer Grenzbereitung gestellt.
  71. A. Theiner, Vetera Monumenta Slavorum Meridionalium, Tom. II Zagrab. 1875, p. 74 sequ.
  72. So wollten die Wilfersdorfer Kroaten im Jahre 1596 ihren als Ketzer verrufenen Pfarrer Michael Stanšić, der früher zu Hof und zu Petronell Seelsorger gewesen war, nicht abziehen lassen und beschuldigten vielmehr den katholischen Gegenpfarrer verschiedener Untugenden.
  73. In Oberungarn lebten zu Ende des 16. Jahrhunderts nicht weniger als 7 angesehene protestantische Familien, welche den Zunamen "Horväth" führten, darunter die der Freiherrn Horváth-Stanšić, deren Ahnherr Markus Stanšić unterm 8. September 1556 vom König Ferdinand I. zum Ersatz für seine in Kroatien durch die Türken ihm entrissenen Stammgüter Besitzungen in der Zips erhielt.
  74. Handschrift 20 im niederrösterreichischen Landesarchiv, Bl. 474.
  75. Ebenda, Blatt 475, ist diese Antwort verzeichnet.
  76. Ihrer gedenkt ein Bericht des Oberstlieutenants an der kroatischen Grenze, d. d. Stenischniak, 18. März 1577, welchen Erzherzog Karl unterm 26. April 1577 den Verordneten der Krainer Landschaft mitteilte. (Krainer Landesarchiv.)
  77. Akten der Grenzhauptberatschlagung zu Wien vom Jahre 1577 im Krainer Landesarchiv, Fskl. 3612 (Pergamentband).
  78. Niederösterreichische Landtagsakten im Archiv des k. k. Ministeriums des Innern zu Wien. Niederösterreioh IV, H. 3, Akt 3 ex 1579.
  79. Akten der Herrschaft Marchegg im k. u. k. Reichsfinanzarchiv zu Wien.
  80. Auf das Dorf Ellend bezieht sich die Bemerkung eines Reisetagbuchs vom Jahre 1585: "Blend, village basty depuys troys moys... habite de Crabaten chassez du Türc." Siehe die Monographie über Jacobus Bongarsius von Dr. Hermann Hagen. Bern 1874, Beilage I.
  81. Kirchliche Topographie des Erzherzogtums Oesterreich unter der Enns, III. Bd., S. 279.
  82. Bericht des Rabensburger Pfarrers Max Schimek vom 30. März 1796 unter den Konsistorialakten über die Pfarre Hof an der Leitha.
  83. Kirchliche Topographie des Erzherzogtums Oesterreich unter der Enns, V. Bd., S. 170.
  84. Im Totenbuche der Pfarre Jedenspeugen steht folgende, die damaligen Vorfälle beleuchtende Notiz: "Am 16. November 1683 wurde begraben Jury Windisch zu Pirnbach, alt 50 Jahre, ein frommer Kroat; ist am 18. August 1683 im Drösinger Wald (an der March) neben anderen 40 Mann von den Rebellen niedergehauen und erst heute halb verwesen aufgefunden worden." (Topographie von Niederösterreich, II. Bd., S. 354.)
  85. Zu Anfang des 17. Jahrhunderts war der Priester Martin Stipković aus Samobor in Kroatien Pfarrer zu Unterthemenau, woraus mit Bestimmtheit Forschungen zur deutschen Landes- und Volkskunde. II. 5. gefolgert werden darf, dass diese Gemeinde damals noch aus Kroaten bestand. Beda Dudik rechnet in seinem "Katalog der nationalen Hausindustrie und der Volkstrachten in Mähren", Brünn 1873, S. 18, die Bewohner von Ober- und Unterthemenau zu den Thayakroaten, sagt aber von ihnen, dass sie unter Slovaken leben und ihre Eigentümlichkeit schon grösstenteils eingebüsst haben. Vgl., was Oberthemenau betrifft, das oben S. 382 [26] Bemerkte. Die Lundenburger sogenannten Kroaten erklärt er S. 24 für "reine Slovaken, die nur die kroatische Tracht annahmen". Vgl. die Anmerkung 1 zu obiger S. 381 [25].
  86. Namentlich wurde im Jahre 1824 viel darüber verhandelt. [391]
  87. A magyar korona orszagaiban az 1881 év elején végrehaitott Népszámlálás, II. Bd. (Budapest 1882), S. 218/177. 245.
  88. Siehe den Aufsatz des niederösterreichischen Landschaftssekretärs Joh. Philipp Weber, welcher diesen Gegenstand eingehend behandelt, in den "Beiträgen zur Landeskunde Oesterreichs unter der Enns", I. Bd., S. 169 ff.
  89. Topographie von Niederösterreich, II. Bd., S. 104.
  90. Georg Gyurikovics in den "Oesterreichischen Blättern für Litteratur, Kunst, Geschichte etc.", Jahrg. 1847, Nr. 5.
  91. Akten der Herrschaft Mannersdorf im k. u. k. Reichsfinanzarchiv.
  92. Urbar der Herrschaft Scharfeneck (Mannersdorf) vom Jahre 1565 im k. u. k. Reichsfinanzarchiv.
  93. Topographie von Niederösterreich, II. Bd., S. 104.
  94. Sammlung der Erkenntnisse des österreichischen Sprachrechts. Herausgegeben von Dr. Anton Hye, Freiherrn von Glunek, III. Teil (Wien 1878), Erkenntnis Nr. 129 (vom 25. April 1877, Amtszahl 91).
  95. Ebenda, VI. Teil (Wien 1883), Erkenntnis Nr. 269 (vom 12. Oktober 1882, Amtszahl 209).
  96. Rede des Grafen Joh. Harrach in der Sitzung des österreichischen Abgeordnetenhauses vom 26. April 1880. Die Bestrebungen, dem czechischen Gottesdienste in Wien eine geregelte Abhaltung zu sichern und eine besondere Kirche dafür zu erlangen, reichen allerdings bis zum Jahre 1811 zurück und haben seit dem Jahre 1820 auch der Hauptsache nach den gewünschten Erfolg gehabt, wenn schon die Erhebung des betreffenden Gotteshauses zur "böhmischen Pfarrkirche" nicht gelungen ist. Siehe P. Carl Dilgskron, "Geschichte der Kirche unserer lieben Frau am Gestade". Wien 1882, S. 154 u. 178. Ebenso ist die angestrebte czechische Privatschule mittlerweile im 10. Stadtbezirke (Favoriten) zu Stande gekommen auf Grund einer Entscheidung des Unterrichtsministeriums vom 22. November 1882. Gründer dieser Schule, mit welcher ein Kindergarten in Verbindung steht, ist der czechische Verein "Komensky".
  97. Ungarische Registratur im k. k. Staatsarchiv zu Wien, Nr. 327 (alte Signatur 645 bis 651).
  98. Kercselich, Historia Ecclesiae Zagrabiensis (Agram), p. 272.
  99. Dies hat die ungarische Regierung mit Note vom 4. Juli 1881 ausdrücklich anerkannt.
  100. Sie sind in einer Note der ungarischen Regierung vom 7. August 1881 geltend gemacht. Diese und die in der vorstehenden Anmerkung verzeichnete sind den (gedruckten) Verhandlungen des Krainer Landtags vom Oktober 1881 eingeschaltet.

Source:

  • von Dr. H. J. Bidermann. ord. Professor der Statistik and des Staatsrechts an der Universität Graz. Neuere Slavische siedlungen auf süddeutschem Boden. Verlag von J. Engelhorn. Druck von Gebrüder Krŏner in Stuttgart. (Stuttgart, 1888), p. 361-378. (Extracted from: Forschungen zur deutschen Landes- und Volkskunde, II. 5, p. 361-397).

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Created: Thursday, June 30, 2011, Last Update: Saturday, November 19, 2016
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